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Alltag mit Gastkind

28. Mai 2014/7 Kommentare/in Mustafa

Was soll ich sagen, es läuft super mit Mustafa. Manchmal ist man etwas irritiert, weil Dinge an andere Plätze geräumt wurden oder der DVD-Player läuft, aber insgesamt ist die Stimmung prima. Unsere Kinder spielen jetzt auch richtig gut mit ihm. Nach der traurigen ersten Nach-Krankenhaus-Nacht ist er eigentlich durchgehend gut gelaunt gewesen.

Unsere Nachbarschaft ist bestens über Mustafa informiert („Wie heißt er doch gleich? Mohammed, oder?“) und alle erkundigen sich nach seinem Gesundheitszustand. Spätestens seit der Konfirmationsfeier nebenan weiß jeder, wer der kleine dunkle Junge ist, der gern mit mir vor dem Haus auf der Bank sitzt, wenn die anderen Kinder morgens Richtung Kindergarten/Vorschule fahren.

Ich für meinen Teil hatte in letzter Zeit sehr viel zu tun und freue mich umso mehr, dass ich morgen für ein paar Tage wegfahre. Nach Paris. Mit meiner Nachbarin. Das stand schon fest, als uns Mustafa angekündigt wurde, sonst hätte ich die Reise wahrscheinlich nicht gebucht. Nun bin ich sehr froh, denn Andi wird ganz sicher gut zurechtkommen und ich kann mich ein bisschen entspannen. Hinzu kommt, dass ich viele Leute treffen werde, die ich sehr lange nicht gesehen habe. Die letzten Begegnungen liegen fünf Jahre zurück. Einen Freund werde ich treffen, den ich seit 18 (!!) Jahren nicht gesehen habe. Aber das ist ja das Schöne bei Freunden: Lange Wiedersehenspausen sind zwar doof, beeinträchtigen aber nicht die Freundschaft.

Vielleicht müssen wir Mustafa noch von einem Afghanen erklären lassen, dass ich nicht für immer wegfahre. Mal sehen, wie er auf meine Abreise reagiert. Insgesamt ist er sehr viel mehr auf seinen Gastpapa fixiert, ich werde ab und zu in meinem Arbeitszimmer besucht und beschmust, aber er weiß eben auch, dass ich nicht übermäßig viel Zeit für ihn habe. Das Memo-Spiel, das er geschenkt bekommen hat, spielt er sehr gern, ist aber nur widerwillig dazu zu bewegen, sich an die Spielregeln zu halten – obwohl er sie versteht. So langsam kristallisiert sich auch heraus, was er kann und was nicht. Malen zum Beispiel ist vom Ergebnis her nicht berauschend, alles Technische muss man aber eher in Sicherheit bringen. Um zu vermeiden, dass der DVD-Spieler ganztägig läuft, haben wir alle Stecker ausgesteckt. Hat zwei Tage was genützt. Er geht aber bisher nur dran, wenn vormittags unsere Kinder weg sind. Alleine spielen gefällt ihm nicht so, es sei denn, man stellt ihm ein Handy zur Verfügung.

Ich glaube, er wird sich überschlagen vor Freude, wenn er endlich mit zur Vorschule darf.


Eure Spenden sind willkommen, vor allem natürlich direkt bei der Herzbrücke. Von der Höhe der eingegangenen Spendengelder hängt es ab, wie viele Kinder in Deutschland operiert werden können. Alles, was bei uns an Spenden ankommt und nicht direkt für Mustafa verwendet wird, überweisen wir später an die Herzbrücke.

Schlagworte: afghanistan, alltag, gastkind, herz-op, herzbrücke
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7 Kommentare
  1. Paula sagte:
    28. Mai 2014 um 11:40

    Gute Reise und viel Spaß in Paris!

    • Gesa sagte:
      28. Mai 2014 um 11:41

      Danke!!

  2. Derya sagte:
    28. Mai 2014 um 11:49

    Liebe Gesa,
    mich beschäftigt die Frage, ob die Kinder emotional nicht durcheinander kommen. Verstehen sie es, dass sie in ein paar Wochen gehen müssen und ihr euch wahrscheinlich nie wiedersehen werdet? Schaffen sie den Übergang in ihre eigenen Familien gut?
    Liebe Grüße von der gespannt-mitlesenden
    Derya

    • Gesa sagte:
      28. Mai 2014 um 11:58

      Die meisten Kinder sind in Mustafas Alter oder ein paar Jahre älter. Ich glaube, dass Mustafa sehr gut einordnen kann, dass er vorübergehend hier ist und dann wieder nach Hause zurückgeht. Auch meine Kinder haben das verstanden, als das afghanische Kind unserer Bekannten im Dezember Abschied nahm. Die Erfahrung hat wohl durchaus gezeigt, dass die Kinder wieder ihr afghanisches Leben führen, sobald sie zu Hause sind. Dass wir uns nie wiedersehen, ja, das ist ein merkwürdiges Gefühl. Aber wohl eher für die Großen.
      Die Frage ist ja auch, wie viel Gewicht das emotionale Durcheinanderkommen im Vergleich zum Überleben hat. Bei Mustafa fällt mir keine emotionale Verwirrung auf. Er benimmt sich, wie man es von einem Ferienkind erwarten würde, finde ich. Selbst nach der OP hat er mich als Ersatzmutter anstandslos akzeptiert.

  3. Derya sagte:
    28. Mai 2014 um 12:06

    Danke für deine schnelle Antwort. Ich finde das alles sehr bewegend <3

  4. Katja sagte:
    2. Juni 2014 um 14:04

    Schön, dass sich Mustafa so gut bei euch eingelebt hat!
    Wie lange wird er denn noch bei euch bleiben?
    (Und hoffentlich war Paris ganz toll!)

    • Gesa sagte:
      4. Juni 2014 um 8:08

      Bis Ende Juli bleibt er noch. Und Paris war natürlich megatoll.

Kommentare sind deaktiviert.

GESA FÜẞLE

übersetzt, lektoriert, entziffert.

Nachdem Ihr Text bei mir auf dem Schreibtisch lag, ist er verständlicher. Weil Sie ihn in der deutschen Übersetzung besser verstehen. Weil nach dem Lektorat komplizierte Zusammenhänge verständlich geworden sind. Weil Sie endlich wissen, was das Sütterlin-Gekrakel in dem alten Dokument bedeutet.

Telefon: +49 40 73509964
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