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14.07.1936: Liebster Puck! (Leni)

3. Januar 2014/in Briefe

Wenn Friedrich zu Besuch auf dem Gut ist, bleibt er immer bis Montagfrüh und fährt dann direkt nach Hamburg zur Arbeit. Leni nutzt den langen Tag dann für allerhand Spaßiges.


N., den 14. Juli 36

Liebster Puck!

Wie wohl Eure Fahrt war? Ich denke, dass Ihr recht zeitig in Hamburg wart. Jedenfalls war es kein schöner Tag für Dich, hoffentlich hast Du wenigstens die englisch Stunde abgesagt. Albrecht und ich blieben neulich auf und gingen auf den See und haben den wunderschönen Morgen dort genossen. Anschliessend stieg er aufs Pferd und ich aufs Rad und wir spielten begegnen im Wald. Solch früh aufstehen muss man schon ausnutzen, weil man es so selten tut. Am Nachmittag konnten wir uns ja auch hinlegen, hoffentlich hast Du es abends durchs frühes zu Bett gehen nachgeholt.

Heute ist Sigried hier, schon zum Essen kam sie und wir haben den Nachmittag toll veralbert, sodass wir schliesslich mit dem Kanu denn auch umgekippt sind. Wir waren kaum auf dem See, als es rasend an zu giessen fing, ich konnte noch ein wenig unter die Decke kriechen, aber bald war sie so nass, dass sie sich wie Blei anfühlte und von unten schwamm ich, da es so hinein geregnet hatte. Nachdem wir halb tot gefroren waren, kamen wir auf der Liegewiese an, wo es dann wieder regnete. Wir versuchten uns eifrig warm zu laufen, aber der Erfolg war mässig. Plötzlich kamen wir auf die Idee, Albrecht fortzufahren und als wir schon sehr eifrig dabei waren, und Albrecht aus der Ferne zuwinkten, kippten wir um, worauf wir erst recht keinen trockenen Faden mehr an uns hatten, Uhr und Öl mussten daran glauben, letzteres fanden wir nicht wieder. Reuemütig kamen wir ans Land zurück und Albrecht war natürlich obenauf. Wie doll haben wir Mädchen auf dem Rückweg gepaddelt, um warm zu werden, vor allen Dingen wollte ich nicht wieder einen Hexenschuss haben. Nach einem warmen Bad haben wir uns jetzt leidlich erholt, Albrecht ist mit Sigried auf die Kanzel gegangen, sodass ich etwas Zeit habe, Dir zu schreiben, doch ich muss gleich schliessen, da wir essen und ich dies noch vorher fortbringen muss.

Lieb, hast Du den Tag hier etwas genossen? Ich freu mich schon so, dass Du bald wieder kommst. Nächsten Sonntag sollten Petersens kommen mit Otto, doch ist Frau Petersen noch verreist, es hätte so nett gepasst, da Albrecht noch hier ist, und am 26. kommst Du ja wieder, dann passt es nicht so gut, findest Du nicht auch?

Mein Puck, schreib mir bald, wie Eure Fahrt war, und was Du so treibst, hat Maria Dich durch ihr Plappern wach gehalten?

Grüsse bitte Deine Mutter sehr, ich habe ihr damals, als ich nach N. fuhr, den letzten Abend bei Euch garnicht aufwiedersehen gesagt.

Es liebt Dich sehr und immer Deine
Lini.


Interessant finde ich, dass Leni offenbar selbst nicht reitet – obwohl das wirklich naheliegend wäre. Stattdessen fährt sie ständig mit dem Rad. Ob ihr das Reiten Rückenschmerzen bereitete? Ich kannte sie nur als recht unbewegliche Frau, die in ihrer Unbeweglichkeit eine erstaunliche Agilität an den Tag legte. Für Fahrrad oder Pferd reichte das allerdings bei weitem nicht.

Schlagworte: 1936, 30er, albern, briefe, fahrrad, kanu, liebesbrief, pferd
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GESA FÜẞLE

übersetzt, lektoriert, entziffert.

Nachdem Ihr Text bei mir auf dem Schreibtisch lag, ist er verständlicher. Weil Sie ihn in der deutschen Übersetzung besser verstehen. Weil nach dem Lektorat komplizierte Zusammenhänge verständlich geworden sind. Weil Sie endlich wissen, was das Sütterlin-Gekrakel in dem alten Dokument bedeutet.

Telefon: +49 40 73509964
E-Mail: gf@textfuss.de

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