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23.05.1936: Mein lieber Molly-Puck! (Leni)

13. Dezember 2013/in Briefe

Hach, ein besonders schöner Brief!


N., den 23. Mai [1936]

Mein lieber Molly-Puck!

Wieder wird es kein Sonntags Gruss, sondern ein Montags Brief, es ist schlecht, mein Lieb, aber es wird bald besser. Ich freu mich ja schon so auf Dein Kommen, hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen und wird das Wetter bis dahin besser, momentan ist es grauenhaft, aber mich darf der Regen nicht abhalten, ich muss viel unterwegs sein und habe im Revier immer etwas zu gucken. Für Deinen lieben Brief gebe ich Dir in Gedanken einen Kuss, doch darfst Du sie nicht auf Deinem Schreibtisch liegen lassen, denn sonst müsste ich selbst den in Gedanken gegebenen Kuss wieder zurücknehmen.

Ich freu mich so für Dich dass Dir das Boot soviel Spass macht, ich kann mir ja so denken, wie man sich nach einem langen Geschäftstag nach solcher sportlichen Ausarbeitung sehnt. Diese Freiheit geniesse ich hier ja so enorm, dass man jeder Zeit hinaus kann, wenn man möchte, und dadurch dauernde Abwechslung hat. So langsam versuche ich mich im Kontor einzuarbeiten, vorwiegend beschäftige ich mich mit der Buchführung, natürlich fehlen mir dauernd Frl. Rut.s Erläuterungen, aber nach Pfingsten kommt sie für einige Zeit hierher.

Morgen fahren wir nach Teutendorf, um Albrecht zu sehen, Floto hat uns in folge dessen zum Essen aufgefordert und so wird der Tag darüber hingehen. Du wirst sicherlich eine kleine Autotour machen, Puck geniess die Sonntage nur ordentlich, denn wenn wir erst verheiratet sind, musst Du Dich ja immer mit mir abplagen, dann beginnt ja erst die richtige Not, ob wir es überstehen werden??! Mein Lieb ich freu mich so und viel schneller als wir denken wird es soweit sein, denn die Tage rasen förmlich.

Pfingsten muss das Wetter ja gut werden, wenn es jetzt so schlecht ist. Ich finde die Zeit vom 5.-12. für uns ja fast ein wenig kurz, wiederum wenn Du mit Rainer vorher eine Tour machen willst, geht das auch nicht so schnell. Ich würde es sehr begrüssen, wenn Du schon am Donnerstag kämst. Ich habe es Mama erzählt, sie ist sehr einverstanden, und findet es nett, dass Du kommst. Eventuell kommt Alice auch kurz, sonst wird wohl niemand hier sein. Unsere Reise können wir noch nicht machen, es gibt hier zu viele Dinge, bei denen wir nicht fehlen können, und Mama hätte dauernd kein schönes Gefühl. Sie möchte es sehr gern, doch müssen wir es verschieben, denn im Augenblick haben wir zu viele Handwerker und ich kann aus meiner eben angefangenen Sache nicht wieder heraus oder vielmehr muss erstmal hineinkommen.

Mein Lieb, ich schliesse für heute, es ist auch schon ganz viel, mit der Hand würden es endlose Bogen ergeben, Du darfst die Maschine nicht unterschätzen, nachher muss ich den Brief wieder in den Ort radeln wie letztes Mal, da war der Gärtner ausgerechnet eher fort gegangen.

Puck, ich liebe Dich viel mehr als Du ahnst, weil es dafür eben keine Worte gibt, nur träumen kann ich nicht von Dir, weil ich fast nie träume und das leider nicht in der Hand habe, sonst wäre es was anderes.

Geniess den Sonntag sehr und überhaupt jede freie Zeit, grüsse bitte Deine Mutter herzlich und komm bitte sehr bald.

Es liebt Dich Deine Leni


Wer Floto ist, weiß ich nicht. Wichtige Personen findet Ihr immer in der Liste unter „Über die Briefe“.

Schlagworte: 1936, 30er, briefe, liebesbrief, pfingsten, teutendorf
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GESA FÜẞLE

übersetzt, lektoriert, entziffert.

Nachdem Ihr Text bei mir auf dem Schreibtisch lag, ist er verständlicher. Weil Sie ihn in der deutschen Übersetzung besser verstehen. Weil nach dem Lektorat komplizierte Zusammenhänge verständlich geworden sind. Weil Sie endlich wissen, was das Sütterlin-Gekrakel in dem alten Dokument bedeutet.

Telefon: +49 40 73509964
E-Mail: gf@textfuss.de

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