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21.10.1931: Von meiner Tätigkeit kann ich einstweilen noch nichts schreiben (Rudu)

18. Juni 2013/2 Kommentare/in Briefe

Was will er denn jetzt in Oldenburg??


Oldenburg, den 21. Okt. [1931]

Hotel Fischer.

Liebe Leni!

Hoffentlich haben sich Deine ekligen Anfälle gegeben! Läufst Du schon wieder keck umher? Wünschen wir es Dir!

Ich bin hier gut und vorschriftsmäßig gelandet. Gestern suchte ich den ganzen Tag nach einer Bude, habe aber keine gefunden, die meinen Ansprüchen entspricht. Es waren alles muffige, enge Stuben, Günter würde sagen „Schlafboxes.“ So bleibe ich bis auf weiteres hier im Hotel wohnen. Mit dem Wirt habe ich einen Pensionspreis ausgemacht – M. 7.- pro Tag mit allem – sodaß ich nicht teurer lebe, als Nachteil aber die Bindung in Kauf nehmen muss. Dafür ist das Essen wirklich gut, auch habe ich die Bequemlichkeit des fließenden Wassers + der Zentralheizung, die es hier in Privathäusern noch sehr wenig gibt.

Natürlich habe ich etwas vergessen und zwar meine Taschentücher. In meinem Zimmer müssen sie im Wäschetisch in der linken Schublade liegen. Außerdem habe ich – soviel ich erinnere – im Herren- oder Billardzimmer irgendwo mein N. Album liegen gelassen, schließ das bitte in meinen Bücherschrank ein, bevor Du abreist.

Von meiner Tätigkeit kann ich einstweilen noch nichts schreiben, da ich noch zu wenig mich betätigt habe. – Grüß die Eltern recht herzlich, schreib mal und sei gebubbt

von Deinem

Rudu.


Man kann es schon fast zuverlässig nennen, dass Rudu sich noch zu wenig betätigt hat. Was macht er bloß? Und was für Anfälle hatte Leni?

7 Mark dürften etwa 23 Euro entsprechen.

Schlagworte: 30er, anfall, briefe, eklig, hotel fischer, mark, oldenburg, pension, taschentücher
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2 Kommentare
  1. Mariella (@bridgekeeptrav) sagte:
    18. Juni 2013 um 11:49

    Was für eine famose Begründung… Ich möchte mich bei diesem Wetter auch nicht betätigen. Dann könnte ich auch nichts über meine Tätigkeit schreiben.

    • Gesa sagte:
      18. Juni 2013 um 13:40

      Weise!

Kommentare sind deaktiviert.

GESA FÜẞLE

übersetzt, lektoriert, entziffert.

Nachdem Ihr Text bei mir auf dem Schreibtisch lag, ist er verständlicher. Weil Sie ihn in der deutschen Übersetzung besser verstehen. Weil nach dem Lektorat komplizierte Zusammenhänge verständlich geworden sind. Weil Sie endlich wissen, was das Sütterlin-Gekrakel in dem alten Dokument bedeutet.

Telefon: +49 40 73509964
E-Mail: gf@textfuss.de

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