Falsch zitiert!

Bei der Erwähnung von Straßennamen meinerseits fragt mein Vater immer sofort, nach wem die Straße benannt ist, wer das war usw. Vielleicht ist das der Grund, dass ich immer in Straßen gewohnt habe, die eindeutig zuzuordnen waren (Fehmarner Straße, Auf dem Kreuz, Elbdeich* …). Einzige Ausnahme (die mir jetzt gerade einfällt) war die rue Paul Appell.**

Nun wohne ich neuerdings in einem Haus mit Inschrift, an deren Ende eine Bibelstelle zitiert wird. Diese Bibelstelle wird auch an anderen Häusern angegeben. Es hat ein gutes Jahr gedauert, aber neulich habe ich sie dann doch mal überprüft.

Falsch

Falsch

Da steht:

Nun hebe an zu Segnen das Haus deines Knechts, denn was Du Herr Segnest, das ist gesegnet ewiglich. 1. buch der Crohnica am 18. verse 27

Chronica ist tatsächlich falsch geschrieben.

Zufällig hatte ich am anderen Ende der Straße gesehen, dass dort der gleiche Bibelvers am Haus steht. Dort wird als Quelle Chronica am 18 Verse 20 angegeben.

Auch falsch

Auch falsch

Oh.

Nun nahm ich eine meiner Bibeln zur Hand*** und sah nach.  Und wo steht es? In der 1. Chronik 17, Vers 27.

Beide Inschriften sind aufgemalt, ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass beim Nachmalen die Sieben versehentlich zu einer Acht wurde – an zwei Häusern. Das würde bedeuten, dass die Quelle beider Inschriften seit dem 18. Jahrhundert falsch angegeben ist. Sehr lustig. Und nein, wir werden es beim Renovieren nicht berichtigen, obwohl es bereits ernst gemeinte Vorschläge zur Veränderung der Inschrift gab (eigenen Namen einsetzen usw.). Die Wahrheit ist: Es ist falsch.

Auf die Idee, die Inschrift zu überprüfen, kam ich übrigens durch den mittlerweile abgelaufenen Fotowettbewerb von Corinna Dürr, der sich wiederum auf Heike Abidis neues Buch Wahrheit wird völlig überbewertet bezog.

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*Wir wohnen an der Elbe, sind aber von dem Hochwasser dank hervorragender Deiche nicht betroffen. Mein Mitgefühl geht an alle, deren Landesregierungen Deichschutz nicht für nötig (genug) halten.

**1855-1930; franz. Mathematiker

***Ich habe eine kleine Bibelsammlung, die mir zufällig zugelaufen ist. Und wenn man schon so eine Sammlung hat, darf man nicht im Internet suchen, das verbietet die Ehre. Als ich das Zitat nicht an der angegebenen Stelle fand, bin ich aber natürlich sofort an den Rechner geeilt und habe die Stelle nicht (obwohl ich kurz mit mir haderte) in den anderen Bibeln überprüft.

12 Antworten
  1. Corinna Dürr sagt:

    Liebe Gesa,

    nochmal vielen Dank für deine falschen Wahrheiten zu unserem Fotowettbewerb „Wahrheit wird völlig überbewertet“. Sie hängen bei uns schön aufkaschiert und schauen so altehrwürdig und unschuldig drein, dass man ihnen ihre Lügen bedenkenlos abnimmt.
    War mir gar nicht klar, dass die Bilder von eurem Haus stammen.

    Liebe Grüße von Corinna

  2. Mariella (@bridgekeeptrav) sagt:

    Ha! Mein Vater macht das mit den Straßennamen auch! Als ich das erste Mal von zuhause wegzog nach Greifswald, musste es auch gleich die Makarenkostraße sein, und Papi sprach: „Da darfst du nur hinziehen, wenn du erst rausfindest, wer das war!“ Da war das mit dem Internet noch nicht so und er wusste nicht, wie schnell das geht. Ein Pädagoge war der gute Herr Anton Makarenko. Wieder was gelernt.

    • Gesa sagt:

      Sind sie befreundet, weil sie die gleichen tollen Ideen haben oder haben sie die gleichen tollen Ideen, weil sie schon so lange befreundet sind?

  3. Ralf Morsch sagt:

    Hallo Frau Füßle,
    bin durch den Blog von Christoph Nowag auf sie aufmerksam geworden und wollte mehr über den „Fehler“ an Ihrer Hausinschrift wissen. Wohlwollend könnte man sagen, dass der Schreiber im 18. Jahrhundert geholfen hat, den Vers schneller zu finden, denn der Vers 27 ist der letzte des 17. Kapitels, also ganz nah „am 18.“, oder?
    Liebe Grüße
    Ralf Morsch
    http://www.ars-signi.de
    http://www.facebook.com/ars.signi

    • Gesa sagt:

      Hallo Herr Morsch,
      das ist ein gutes Argument! Allerdings funktioniert es nur bei unserer Inschrift, mit Vers 20 auf dem anderen Haus wird es schon kniffliger.
      Viele Grüße
      Gesa

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  1. […] und zu in den Genuss rätselnder Rentner, die die Inschrift zu lesen versuchen (die übrigens einen >Fehler hat). Da mich die beflissenen Touristen aber grundsätzlich ignorieren, helfe ich ebenso […]

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