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	<title>mecklenburg Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>mecklenburg Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Beerdigungen &#8211; Leni bloggt (8)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/beerdigungen-9-5-45/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2015 05:03:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Waffen schweigen. Der Krieg ist vorbei. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Helene geht es noch immer nicht gut, sie liegt in dem überfüllten Krankenhaussaal und wir können nicht nach Hamburg weiter. Klaus geht es besser, aber auch er ist geschwächt. Ich möchte endlich meinen kleinen Hans holen und Christian beerdigen. Ich lasse [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Waffen schweigen. Der Krieg ist vorbei. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Helene geht es noch immer nicht gut, sie liegt in dem überfüllten Krankenhaussaal und wir können nicht nach Hamburg weiter. Klaus geht es besser, aber auch er ist geschwächt.<span id="more-1348"></span></p>
<p>Ich möchte endlich meinen kleinen Hans holen und Christian beerdigen. Ich lasse die verzweifelten großen Kinder zurück und schlage mich nach Osten durch. Überall finden Aufräumarbeiten statt, Leichen werden begraben. Ich muss mich beeilen. Irgendwo muss das kaputte Auto doch zu finden sein. Das Auto, in dem Christian liegt.</p>
<p>Und ich finde es.</p>
<p>Ich trage den kleinen Menschen auf ein Feld und begrabe ihn abseits der Massengräber. Ich präge mir den Ort genau ein. Doch als ich mich zum Gehen wende und die Straße erreiche, kommen mir Zweifel. Noch einmal zurück. Da ist das Grab.</p>
<p>Nun muss ich weiter nach Osten, immer gegen den Strom, der deutlich abnimmt. Ich will zu meinem Jüngsten, der seit über einer Woche auf mich wartet. Von einem amerikanischen Soldaten habe ich einen Passierschein bekommen, doch wieder scheitere ich am Russen. Hier stehe ich und kann nicht zu meinem Sohn. Zwei Kinder auf der einen, eins auf der anderen Seite. Das Risiko ist zu groß. Ich kehre nach Schwerin zurück.</p>
<p>Auf dem Weg noch einmal zu Christians Grab. Doch das Autowrack ist fort, alle Felder sehen gleich aus. Ich finde ihn nicht.</p>
<hr />
<p>So sah Lenis Kriegsende aus. Ihr Mann Friedrich ist unterdessen aus der russischen Gefangenschsft geflohen und unterwegs nach Norden, zum Gut.</p>
<hr />
<p>Tagsüber verstecken, nachts zu Fuß durch den Wald. Ich orientiere mich am Nordstern. Der Hunger ist übermächtig, aber ich muss weiter. Noch in der Dunkelheit grabe ich mich im Laub ein, damit mich niemand entdeckt. Dann, eines morgens höre ich Gelächter.</p>
<p>Das Unfassbare ist geschehen.</p>
<p>Ich habe mich mitten in einem russischen Biwak versteckt. Mongolisch aussehende Soldaten stehen um mich herum, fuchteln mit Pistolen. Ich lache mit ihnen, was bleibt mir übrig? Man wirft mir ein Stück Brot zu, dann stutzt der eine und deutet auf meine Hand. Den goldenen Ehering wollen sie haben.</p>
<p>&#8222;Der geht nicht ab&#8220;, sage ich und ziehe mir am Ringfinger. Mein Gegenüber zückt einen Dolch. Auf wundersame Weise lässt sich der Ring nun doch vom Finger ziehen.</p>
<p>Und dann stehen wir da. Pistolengefuchtel.</p>
<p>Ich bin ganz ruhig.</p>
<p>Das Gefuchtel wird stärker und schließlich begreife ich, was der Mann von mir will: Ich soll abhauen.</p>
<p>Ich haue ab. An diesem Tag ist an Schlaf nicht zu denken.</p>
<p>Und dann, endlich, erreiche ich den kleinen Ort am Gut.</p>
<p>&#8222;Wissen Sie etwas über meine Familie?&#8220;, frage ich die Erstbeste. &#8222;Die vom Gut? Die sind alle tot&#8220;, lautet die Antwort.</p>
<p>Es ist nicht mehr weit, durchhalten, es kann nicht stimmen, was die Frau gesagt hat. Ich erreiche das Gut nach insgesamt mehr als 100 km zu Fuß.</p>
<p>Menschen mit durchgeschnittenen Kehlen. Das Herrenhaus ist vollkommen verwüstet. Nach und nach erfahre ich, was passiert ist.</p>
<p>Der Besitzer habe seine Familie erschossen. Nein, das kann nicht sein. Das wäre ja ich gewesen. Oder Albrecht. Dann war es der Verwalter. Sich und seine Frau wollte er auch töten, doch beide haben überlebt. Und die wahren Besitzer? Wo ist Leni, wo ist meine Schwägerin Elfi? Wo die Kinder?</p>
<p>Schulterzucken. Vielleicht sind sie noch rechtzeitig geflohen. Nein, von hier aus kommen Sie jetzt nicht mehr nach Westen.</p>
<p>Im Bootshaus finde ich eine Angel. Ich begrabe herumliegende Leichen, meine Familie ist nicht dabei.</p>
<p>Ich brate mir Fisch.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d49b281edc684e3eb0116760b152cc9d" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>Der furchtbarste Tag &#8211; Leni bloggt (5)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/der-furchtbarste-tag-1-5-45/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2015 09:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit jedem Meter werden die Straßen voller. Nicht, dass das möglich wäre. Von rechts und links drängen sich weitere Fahrzeuge in den Treck, genau so, wie wir es gestern fluchend und schubsend getan haben. Diese Fahrt ist die Hölle. Wir sind für den Nieselregen und die niedrigen Temperaturen dankbar, der Gestank ist so schon schlimm [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit jedem Meter werden die Straßen voller. Nicht, dass das möglich wäre. Von rechts und links drängen sich weitere Fahrzeuge in den Treck, genau so, wie wir es gestern fluchend und schubsend getan haben.</p>
<p>Diese Fahrt ist die Hölle. Wir sind für den Nieselregen und die niedrigen Temperaturen dankbar, der Gestank ist so schon schlimm genug. Die Kinder schlafen auf dem Wagen, wir &#8222;Großen&#8220; haben uns die Nacht über wachgehalten, um voranzukommen. Es ist entwürdigend, an den Straßenrand zu machen, aber man muss sein Hab und Gut im Auge behalten. Ich zähle die Stunden, die wir noch auf dieser Straße verbringen müssen. Doch das Tempo wird immer langsamer und so vervielfachen sich die Stunden, statt sich zu verringern.</p>
<p>Von allen Seiten kursieren Gerüchte. Hitler soll tot sein. Tiefflieger würden die Trecks angreifen.</p>
<p>&#8222;Warum tun die so was?&#8220;, höre ich eine Frau fragen. &#8222;Wir haben ihnen doch nichts getan!&#8220; Ich mustere sie. Sie wendet sich ab und stimmt mit ihrem Sohn das Panzerlied an. Ob Hitler wirklich tot ist? Wir sehen Kinder, die ohne Eltern unterwegs sind. Es heißt, ihre Mutter habe sich umgebracht. Meine Kinder sind vier, sechs, sieben und gerade mal ein Jahr alt. Um mehr kann ich mich nicht kümmern. Ich weiß ja auch gar nichts über sie.</p>
<p>Meine Großen schieben Hans im Kinderwagen neben dem Fuhrwerk her, so sind sie beschäftigt. Ein Kind schiebt, die beiden anderen heben den Wagen über die Hindernisse. So haben alle vier Spaß und sind abgelenkt.</p>
<p>Es wird Abend. Nach zwei Tagen sind wir nicht einmal 50 km von zu Hause entfernt, es ist wirklich unerhört. Ich berate mich mit Paulina und der Gärtnerin, ob wir versuchen sollen, für die Nacht auf dem Gut von Dr. Paul unterzukommen.</p>
<p>&#8222;Wir sind erst zwei Tage unterwegs, wir können uns morgen ausruhen&#8220;, sagt Paulina. &#8222;Es ist nicht gut, hierzubleiben.&#8220; Wir verladen die Kinder wieder, sie sollen ein bisschen schlafen. Ich halte Ausschau nach Dr. Paul, als wir auf Höhe des Gutes sind, doch in dem Gedränge kann ich niemanden entdecken.</p>
<p>Dröhnen. Schüsse, Schreie. Tiefflieger!</p>
<p>Aus den Wagen! Alles strömt zu den Gebäuden, in die Gräben, an die Häuserwände. Ich stürze mit meinen drei großen Kindern in den Pferdestall, Hans bleibt im Kinderwagen auf dem Wagen liegen, ich kann ihn nicht mitnehmen. Noch über das Geschrei der Großen höre ich ihn brüllen.</p>
<p>Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und wir wagen uns aus der Deckung.</p>
<p>Wir drängeln uns in Richtung Treck, ich will zu Hans! Am Gutstor treffen wir unsere Gärtnerin, Paulina ist schon am Treck. Im selben Moment kommen die Flieger zurück.  &#8222;Schnell, wir bleiben hier und stellen uns unter den Baum an der Mauer&#8220;, ruft die Gärtnerin. Und da sitzen wir zusammengeduckt aneinander und lassen uns abknallen. Ich spüre, wie die Gärtnerin lautlos neben mir zusammensackt, während mich ein scharfer Schmerz in den rechten Arm beißt. Die Kinder schreien wie am Spieß, ich sehe überall Blut. Sie schreien, also leben sie! &#8222;Steht auf!&#8220;, brülle ich, doch nur der sechsjährige Klaus kann noch gehen, Helene und Christian schleppe ich unter die Wagenremise.</p>
<p>Ich schreie Menschen an, dass sie die Gärtnerin auch zu mir bringen und fange die Militärärzte ab, die ohnehin hier ihr Quartier haben. Sie verbinden uns und wir werden ins Haus gebracht. Wo ist Hans, wo ist Paulina? Leben sie noch?</p>
<p>&#8222;Sie wird höchstens noch eine Stunde leben&#8220;, höre ich es neben mir sagen. Es ist der Arzt, der die Gärtnerin untersucht hat, die besinnungslos neben mir auf dem Boden liegt. &#8222;Aber retten Sie Ihren Sohn!&#8220; Den wimmernden Christian halte ich im Arm, er ist an Kopf, Lunge und Hand verletzt. &#8222;Bringen Sie ihn nach Schwerin&#8220;, sagt der Arzt. &#8222;Beeilen Sie sich!&#8220;</p>
<p>Irgendwie bekomme ich einen Wagen organisiert, da taucht Paulina mit Hans im Arm auf. &#8222;Lassen Sie ihn mit dem Kinderwagen hier und fahren Sie weiter&#8220;, rufe ich ihr zu. &#8222;Ich kann ihn doch mitnehmen&#8220;, sagt sie, aber ich möchte ihn nicht so lang alleine lassen, von Schwerin aus kann ich ihn hier in ein paar Stunden holen und dann fahren wir zusammen weiter nach Hamburg. Wenn er mit Paulina irgendwo vor uns im Treck ist, treffe ich ihn erst in Hamburg wieder.</p>
<p>&#8222;Der Wagen ist bereit, steigen Sie ein!&#8220;, werde ich ermahnt. Die Gärtnerin darf nicht mit, &#8222;es ist hoffnungslos&#8220;, und so gebe ich dem brüllenden Hans einen Kuss und quetsche mich mit den drei heulenden großen Kindern in den Militärwagen.</p>
<p>Die Straße ist natürlich nach wie vor verstopft, überall brennen Wagen, es ist stockfinstere Nacht, keiner darf mit Licht fahren, wegen der dauernden Flieger. Auch im Wagen ist es dunkel, neben mir stöhnt Christian, dem ich nicht die geringste Hilfestellung geben kann, da mein rechter Arm durch die Verwundung vollkommen unbeweglich und sehr schmerzhaft ist.</p>
<p>Dann stöhnt er nicht mehr.</p>
<p>Mein Kind stirbt neben mir, ohne dass ich es sehen, noch ihm helfen kann.</p>
<p>Dann hat der Wagen eine Panne und wir liegen die ganze Nacht auf der Chaussee. Bei jedem Fliegergeräusch bekommen die Kinder wieder Angst. Wie soll ich sie beruhigen, wenn ihr toter Bruder neben uns liegt?</p>
<p><em>Dieser Text ist teilweise wörtlich aus den Briefen von Leni und Friedrich erstellt, den Rest habe ich mir zusammengereimt. Doch auch Friedrich hatte es an diesem Tag nicht leicht. Nach monatelangen Nah- und Straßenkämpfen bei Arnswalde liegt seine Truppe zum Zeitpunkt der Kapitulation am 1.5. in Fehrbellin und Friedrich gerät in russische Gefangenschaft.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/3576b705f04f44e5a76f383024884d62" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Wir fliehen doch &#8211; Leni bloggt (4)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/flucht-30-4-45/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2015 13:12:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[Vor 70 Jahren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute vor 70 Jahren brach Leni mit ihren Kindern vom Gut in Mecklenburg in Richtung Hamburg auf. Eine Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. Was die Alternative zweifelsohne auch getan hätte. 15 km westlich von uns lagen die Amerikaner, die Russen 34 km östlich von uns. Dann die Nachricht, dass die Amis sich zurückziehen, die Russen [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute vor 70 Jahren brach Leni mit ihren Kindern vom Gut in Mecklenburg in Richtung Hamburg auf. Eine Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. Was die Alternative zweifelsohne auch getan hätte.</p>
<hr />
<p>15 km westlich von uns lagen die Amerikaner, die Russen 34 km östlich von uns. Dann die Nachricht, dass die Amis sich zurückziehen, die Russen rücken nach.<span id="more-1335"></span></p>
<p>Nächtelang diskutiere ich mit meiner Schwägerin Elfi, was wir tun sollen. Sie spürt, dass der Krieg so gut wie vorbei ist. Jetzt zu fliehen sei gefährlicher als zu bleiben, meint sie. Gegen alle habe ich dieses Gut verteidigt. Die Nazis wollten es uns für eine lächerliche Summe abkaufen. Dann hat sich die Wehrmacht hier einquartiert. Auf unserem eigenen Grund wurde ein KZ errichtet. Können die Russen denn so viel schlimmer sein als all das?</p>
<p>Die durchziehenden Flüchtlinge sagen, wir sollen fliehen. Sie haben alles hinter sich gelassen und glauben trotzdem, dass sie die richtige Wahl getroffen haben.</p>
<p>Gestern haben wir drei Fahrzeuge gepackt. Alles, das sich verladen ließ, ist darauf gelandet. Heute früh wollen wir los, natürlich verzögert sich die Abfahrt. Elfi bleibt mit ihren drei Kindern zurück. Wenn sie doch noch fliehen will, bleibt ihr nur ein Fahrrad, aber das kann ich nun auch nicht mehr ändern. Sie wird sich durchschlagen.</p>
<p>Mit mir kommen die Gärtnerin und Paulina, meine illegale litauische Hausgehilfin. Die Kinder sind sehr aufgeregt, oftmals springen sie um die Gefährte herum, wenn wir wieder stehenbleiben. Also eigentlich die ganze Zeit. Meter um Meter kommen wir voran, überall Menschen, Menschen, Menschen. Heruntergekommene Frauen und Kinder.</p>
<p>Als die Kinder die erste Leiche im Straßengraben finden, zwinge ich sie, sich wieder auf die Wagen zu setzen. Habe ich wirklich das Richtige getan? Können die Russen denn schlimmer sein als das hier? Auf dem Gut hatte ich noch Würde, hier bin ich nur eine von vielen Müttern, die ihre Kinder verkrampft anlächeln.</p>
<p>Gottseidank haben wir es nicht so weit, auch in diesem Tempo sollten wir in einer Woche in Hamburg sein.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/de2ee778a35b4be4b62cc5c945eed5ad" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Zurück zum Alltag</title>
		<link>https://www.textfuss.de/zurueck-zum-alltag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Aug 2014 14:13:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[buchprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[gutshaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Mai hat sich viel getan in meinem Berufsalltag. Erst kam Mustafa und stellte alles ein bisschen auf den Kopf, den Rest erledigten meine Kinder in den Sommerferien. Seit dieser Woche sollte alles wieder seinen gewohnten Gang gehen, aber ich finde mich nicht so recht hinein. Beruflich hat sich einiges verändert, ich lektoriere weniger und [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Mai hat sich viel getan in meinem Berufsalltag. Erst kam Mustafa und stellte alles ein bisschen auf den Kopf, den Rest erledigten meine Kinder in den Sommerferien. Seit dieser Woche sollte alles wieder seinen gewohnten Gang gehen, aber ich finde mich nicht so recht hinein.<span id="more-1117"></span></p>
<p>Beruflich hat sich einiges verändert, ich lektoriere weniger und schreibe mehr, was mich sehr freut. Nun habe ich auch wieder Zeit für mein Buchprojekt. Das mit den Briefen. Ich habe das Konzept im Kopf, schwimme noch etwas ob der Verwirklichung und vor allen Dingen merke ich, dass es mich sehr viel mehr Kraft kosten wird, als ich gedacht hätte.</p>
<p>Außerdem muss ich dringend wieder zu dem Gut meiner Großmutter fahren, dahin, wo sich im Krieg alles abgespielt hat. Der Kurztrip im Januar hat mir viel gebracht. Die Kinder fragen auch schon, wann wir endlich mal wieder hinfahren. Dabei fanden sie den Wald doch so unheimlich!</p>
<p>Vielleicht statt Buchmesse? Hübscher ist es da ja, vor allem trifft man aber viel weniger Leute. Ist das jetzt gut oder schlecht?</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d4f6cdefca81470c91189a44386f3fa5" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Alltag?</title>
		<link>https://www.textfuss.de/alltag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Aug 2014 12:48:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mustafa]]></category>
		<category><![CDATA[abschied]]></category>
		<category><![CDATA[beruf]]></category>
		<category><![CDATA[gut]]></category>
		<category><![CDATA[handschirft]]></category>
		<category><![CDATA[herzbrücke]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Ich habe eben mit Mustafas Vater telefoniert, der berichtet, Mustafa sei traurig, weil er so weit von uns weg sei. Mustafa kam auch selbst ans Telefon, sprach aber wenig. Davon hatten unsere Kinder schon berichtet, die mit ihm gesprochen hatten, als Andi und ich weg waren. Nun weiß [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/alltag/">Alltag?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Ich habe eben mit Mustafas Vater telefoniert, der berichtet, Mustafa sei traurig, weil er so weit von uns weg sei. Mustafa kam auch selbst ans Telefon, sprach aber wenig. Davon hatten unsere Kinder schon berichtet, die mit ihm gesprochen hatten, als Andi und ich weg waren. Nun weiß ich auch, warum er so wenig gesagt hat.<span id="more-1089"></span></p>
<p>Er hat geweint.</p>
<p>In zwei Stunden ist sein Onkel da und wird uns anrufen, dann erfahren wir die Details.</p>
<p>Ich freue mich darauf, bald wieder Zeit mit meinen alten Briefen verbringen zu können und hoffe, demnächst noch einmal für ein Wochenende auf das Gut meiner Großmutter fahren zu können. Die letzten Monate waren enorm anstrengend, es wird Zeit, dass wieder Ruhe einkehrt.</p>
<p>Mal sehen, wie lange ich für mein Briefbuch brauchen werde. Es ist an der Zeit, dass es geschrieben wird. Das Thema &#8222;Verlustschmerz&#8220; kann ich momentan jedenfalls sehr gut angehen.</p>
<p>Übrigens habe ich neulich <a href="http://www.lektorenverband.de/der-lektorenalltag/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> über meinen Berufsalltag berichtet.<br />
Und übrigens durfte ich neulich eine Handschrift von 1504 transkribieren. Ich bin nämlich Mediävistin, das kommt in meinem Alltag aber deutlich zu kurz.<br />
Und übrigens müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn ich demnächst farbenfroher rumlaufe als sonst. Mustafas Eltern haben uns Kleider geschickt. Jedem von uns. Der Hammer.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/8b61d46be4044df399948aa059eb3c86" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>31.10.1939: Mein geliebtes Menschlein! (Leni)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/311039/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 13:42:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1939]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
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		<category><![CDATA[liebesbrief]]></category>
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		<category><![CDATA[schwanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leni ist noch immer schwanger und wünscht sich das Ende des Krieges herbei. N. den 31.10.39 Mein geliebtes Menschlein! Du bist wieder ein ausgezeichneter Erlediger von allen Dingen und ein sehr guter Schreiber, hab sehr vielen Dank, mein Blättchen, für Deinen lieben Brief mit dem Kamm und Fahrplaneinlagen. Wie gräßlich benimmt sich die Krakower Bahn, [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leni ist noch immer schwanger und wünscht sich das Ende des Krieges herbei.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">N. den 31.10.39</p>
<p>Mein geliebtes Menschlein!</p>
<p>Du bist wieder ein ausgezeichneter Erlediger von allen Dingen und ein sehr guter Schreiber, hab sehr vielen Dank, mein Blättchen, <span id="more-681"></span>für Deinen lieben Brief mit dem Kamm und Fahrplaneinlagen. Wie gräßlich benimmt sich die Krakower Bahn, konntest Du am Fahrkartenschalter keinen Krach machen? Die Mecklenburger sind eine besondere Sorte Menschen. –</p>
<p>An Herta habe ich einen langen Brief geschrieben und sie gebeten, wieder zu kommen, wenn sie nicht zu Hause bleiben muß, nehme ich fast an, daß sie zu uns kommen wird. Die Kisten kannst Du gern am Montag kommen lassen.</p>
<p>Ich werde wohl Freitag kommen. Edith ist heute wieder aus, es ist schon das 3. Mal seit ich hier bin, aber ich muß es so machen, da nachher nicht viel daraus wird. So bin ich noch nicht dazu gekommen, an Mutter einige Zeilen zu schreiben. Den ganzen Vormittag bin ich mit den Kindern draußen und wir (Dicki und ich) haben die beiden letzten Tage im Garten gearbeitet, in dem wir die Wurzeln mit ausgebuddelt haben. Gleich kommt der Gärtner, ich muß eilen. –</p>
<p>Es ist sehr süß, daß Du bei Helene warst, aber ich konnte mir ihre Antwort schon denken und glaube nur ja nicht, wenn andere Ärzte hinzugezogen werden, daß die meine Sache schlimm finden. Die denken nicht daran, etwas zu tun. Mein Menschlein, im Grunde ist es ja auch eine große Freude, nur hatten wir es uns etwas anders gedacht und wird die nächste Zeit und die ersten Jahre nicht ganz leicht sein. Hoffentlich geht der Krieg nur bald zu Ende. Weißt Du schon etwas wegen der Autobenutzung? Deine Reifen haben wir wieder. Der Gärtner ist da.</p>
<p>1000 Liebes mein Blättchen, auch an Mutter Deine Tiris.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/560ca3e50ec747d683630c434987d3ab" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>27.10.1939: Mein geliebtes Blättchen (Leni)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/271039-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Mar 2014 13:12:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1939]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[liebesbrief]]></category>
		<category><![CDATA[mecklenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leni war einen Monat mit Dicki (der zweijährigen Tochter) in Hamburg und hat Baby (ein Jahr alt) so lange auf dem Gut in Mecklenburg zurückgelassen. In der Zwischenzeit hat Baby oben vier neue Zähne bekommen und der Verwalter hat die Reservereifen der Autos verkauft. Nun wartet Leni auf Friedrich. den 27.10.39 Mein geliebtes Blättchen! Morgen [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leni war einen Monat mit Dicki (der zweijährigen Tochter) in Hamburg und hat Baby (ein Jahr alt) so lange auf dem Gut in Mecklenburg zurückgelassen. In der Zwischenzeit hat Baby oben vier neue Zähne bekommen und der Verwalter hat die Reservereifen der Autos verkauft. Nun wartet Leni auf Friedrich.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">den 27.10.39</p>
<p>Mein geliebtes Blättchen!</p>
<p>Morgen werde ich Dich <span id="more-677"></span>ja einmal hier haben und 2. wohl auch noch Deine genaue Ankunft schriftlich hören. Ich freue mich schon sehr mein Blättchen, vor allem, daß Du auch Baby siehst. Ich habe noch einen Wunsch für ihn und bitte Dich, wenn irgendmöglich es zu besorgen, da es mir sehr fehlt. Es ist eine Gummihose Größe 3 für Baby. Man kann nämlich nicht gegen die nassen Betten an, sie trocknen jetzt so schlecht und mein Zimmer ist den ganzen Tag mit Matratzen, Bettüchern und sonstigen Kindersachen geschmückt. Also wenn irgendmöglich bring sie bitte mit, Möhring auf dem neuen Wall hat sie noch. Ferner wär es sehr schön, wenn Du die Illustrierten mitbringst und wichtig sind Zigaretten, da es hier keine gibt. –<br />
Ich habe heiß gebadet, sogar sehr heiß und auch die Pillen genommen, die scheußlich schmecken, aber es hat bis jetzt nichts genützt. Wir müssen nun erstmal abwarten. –</p>
<p>Edith ist heute aus, sie ist vollkommen unbrauchbar, ich muß mich nachher in Hamburg gleich bemühen, jemand zu bekommen. Es ist natürlich sehr mühsam mit den Kindern, aber es geht beinahe besser, wenn sie aus ist. –</p>
<p>Mit W. hatte ich heute Krach wegen der fortgegebenen Reifen, wir haben uns in großem Ärger getrennt. Mama läßt Dich sehr grüßen, sie beschäftigt Dicki zur Zeit. Ich muß schließen, mein Mollchen, bis morgen. An Mutter habe ich noch nicht geschrieben, aber der Tag ist hin wie nichts. 1000 Bubben Deine Tiris</p>
<hr />
<p>Das <a title="Möhring" href="http://www.waeschehaus-moehring.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wäschehaus Möhring</a> gibt es übrigens noch immer.</p>
<p>Nach eigenen Angaben wurde Leni sehr schnell schwanger – offenbar trug auch dieser Ausflug zu ihrem Mann in der Hinsicht Früchte. Da am 30.6.1940 Christian geboren wurde, haben die Pillen und das heiße Baden nichts Gegenteiliges bewirkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/a10406dd74354025bdb383f00a300c9d" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>09.08.1936: Mein Lieb! (Leni)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/090836/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jan 2014 13:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leni verschickt Hochzeitsanzeigen. N., den 9. Aug. 36 Mein Lieb! Es ist hier so bezaubernd schön, dass ich sehr traurig bin, dass Du nicht hier bist. Lieb, wie würden wir es geniessen, denn seit Wochen haben wir nicht mehr einen solchen Tag gehabt und dann die Ruhe, es fällt selbst mir auf nach alle dem [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leni verschickt Hochzeitsanzeigen.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">N., den 9. Aug. 36</p>
<p>Mein Lieb!</p>
<p>Es ist hier so bezaubernd schön, dass ich sehr<span id="more-602"></span> traurig bin, dass Du nicht hier bist. Lieb, wie würden wir es geniessen, denn seit Wochen haben wir nicht mehr einen solchen Tag gehabt und dann die Ruhe, es fällt selbst mir auf nach alle dem Trubel in der Stadt.</p>
<p>Puck, ich war heute sehr fleissig und haben soeben 25 Anzeigen fertig gemacht, im ganzen mussten wir von uns aus doch 60 verschicken, es sind doch immer mehr Menschen, als man denkt. Jetzt habe ich keine mehr und möchte Dich bitten an Ilse L. und W. C. eine zu senden, denn ich kann es nicht mehr. Wenn Ihr noch einige Umschläge über habt, kann ich sie gut gebrauchen, vielleicht 4, sonst kann ich ja auch andere nehmen. Bis jetzt habe ich über 40 Gratulationen bekommen, abgesehen von Mamas Sachen natürlich und auf die jetzt verschickten Anzeigen werden noch ca. 60 einlaufen, die ich unmöglich alle mit der Hand beantworten kann. Ich bin sehr dafür, dass wir uns einige Karten drucken lassen, Mama meint es auch , eventuell nur mit unseren Namen oben, so macht man es sehr oft, oder mit Text, dann müssen die ausführlichen Schreiben natürlich mit der Hand beantwortet werden. Was meinst Du dazu? Ich könnte es am Donnerstag in Hamburg gleich aufgeben und zwar bei unserem Geschäftsdrucker, der nicht so teuer wie Kimmelstiel ist.</p>
<p>Meine Herfahrt gestern hat mir viel Spaß gemacht, weil das Wetter schon so gut war. 3 Stunden und 5 Minuten habe ich gebraucht und eigentlich alles aus dem Wagen rausgeholt, die Strassen über Ludwigslust-Plau sind so ausgezeichnet, dass ich zu meinem Kummer festgestellt habe, dass der Wagen für sie nicht schnell genug läuft, er liegt so gut auf der Strasse, dass er leicht 10-20 km. schneller sein könnte.</p>
<p>Eine komische kleine Begegnung, die ich hatte, muss ich Dir mündlich erzählen.</p>
<p>Wir geniessen die Ruhe heute unglaublich, ich bin wirklich froh, dass wir keine Gäste haben, ausser Dir mein Lieb natürlich, aber Du bist ja kein Gast mehr, sondern mein Mann. Seit heute morgen sitzen Mama und ich auf der Terrasse in der Sonne, ich bin schon ordentlich wieder gebräunt, jeder am Tisch für sich, da ich dauernd tippe. Morgen kommt Frieda S. und ich denke ich fahre erst Donnerstag früh, eventuell mit Mama. Mein Lieblingspuck, Du bist nicht bös, wenn ich jetzt schliesse, ich kann Dir doch nicht sagen, wie oft am Tag ich an Dich denke, Dich herbeisehen und rasend glücklich bin. Aber ich möchte noch kurz an Rudolf und Hertha schreiben, wenn ich es heute nicht tue, wird es wieder für Wochen nichts, ich bin dazu gezwungen, denn Rudu hat Geburtstag und Hertha wegen der Sachen.</p>
<p>Ich habe eine Liste gemacht, genau so wie Du es wünschtest, Gratulationsschreiben und Geschenke angeführt und fernen eine mit Namen, die Anzeigen erhalten haben und werden. Ist es so recht? Hoffentlich bin ich später immer so ordentlich. Oma meinte, wir müssten doch sicher ein Mädchen haben, ich hatte Mühe, ihr klar zu machen, wie unnütz das wäre. Von Mama soll ich sehr vielmals grüssen, besonders Deine Mutter, Du möchtest Mutter sehr vielmal für ihren lieben Brief danken, Mama hat sich sehr gefreut.</p>
<p>Puck, Liebes, ich umarm Dich sehr herzlich und freu mich sooo, dass wir uns bald wieder sehen. Deine Rosen sind wonnig, sie stehen in meinem Zimmer und ich freu mich darüber. –</p>
<p>Ich werde jetzt auch eine Liste machen an Sachen, die wir notwendig für die Wohnung brauchen, damit wir nicht die Hälfte vergessen und es so tropfenweise nachher geht. Es liebt Dich mehr denn je Deine</p>
<p>Lini.</p>
<hr />
<p>Die oben erwähnte Ilse L. ist die Mutter meines Patenonkels &#8211; nach ihrer Abstammung eine Jüdin. Wie es ihr damals gegangen sein mag?</p>
<p>Besonders interessant finde ich die Reiseroute zum Gut über Ludwigslust. Habe soeben beschlossen, morgen die gleiche zu nehmen.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/380e6b494b0f47048237ed15f4ffaf8f" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>18.05.1936: Mein lieber Puck! (Leni)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/180536/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Dec 2013 08:24:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 7.4.36 starb Papa (hinten betont, ich kann es nicht oft genug sagen), Lenis Vater. Er wurde auf dem Gut beerdigt, das Grab findet man dort auch heute noch im Wald. N., den 18. Mai 36 Mein lieber Puck! Ich schäme mich sehr, dass ich Dir erst heute schreibe. Mein Puck darfst nicht böse sein, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/180536/">18.05.1936: Mein lieber Puck! (Leni)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 7.4.36 starb Papa (hinten betont, ich kann es nicht oft genug sagen), Lenis Vater. Er wurde auf dem Gut beerdigt, das Grab findet man dort auch heute noch im Wald.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">N., den 18. Mai 36</p>
<p>Mein lieber Puck!</p>
<p>Ich schäme mich sehr, dass ich <span id="more-548"></span>Dir erst heute schreibe. Mein Puck darfst nicht böse sein, und glauben, dass ich nicht an Dich denke. Aber der Tag vergeht wie wenige Stunden, hinzu kommt, dass hier sehr viel zu tun ist, da wir noch beim gründlich rein machen sind, und das ist immer eine höchst ungemütliche Zeit. Dauernd wird von einem Haus ins andere gelaufen, da Maria <em>[Lenis Schwester]</em> jetzt umziehen soll und oben die neuen Zimmer auch bezogen werden. Gestern hätte ich zwar viel Zeit gehabt, Dir zu schreiben, aber leider hättest Du den Brief dann heute auch noch nicht gehabt, da Sonntags keine Postverbindung ist. Dafür hast Du mich mit sehr lieben Zeilen erfreut, mein Lieb, ich danke Dir sehr. Ob Du wieder ganz gesund bist? Und am Sonnabend auch noch nicht im Geschäft warst. Hoffentlich hast Du die beiden Tage ordentlich geniessen können, denn es ist so schön, mal nicht in dem dumpfen Geschäft zu sitzen und dauernd viel um die Ohren zu haben. &#8212;</p>
<p>Gestern habe ich große Radtouren gemacht und habe in folge dessen heute ganz nette Gliederschmerzen. Wie schnell ist der Körper doch von so kleinen sportlichen Sachen entwöhnt. Es war überall wunderschön, schon durch das Wetter und den Frühling, nur Du fehltest bei allem. Die übliche Tour um den langen See kam selbstredend als erste und Du glaubst nicht, was es auch alles zu sehen gab, an Tieren und sonstigen Neuigkeiten, die gemacht sind. Die kleinen Buchen, Lerchen und Birken sind so besonders reizend, Du musst bald kommen, dass Du es noch so siehst, wie es jetzt ist. Ich finde Deinen Ferien Vorschlag sehr gut, Du kannst hier natürlich sein so lange Du willst, ich freu mich schon unendlich, vielleicht können wir ja auch noch ein paar Tage fortfahren, wenn ich sage, ich ginge nach R. [also nach Hause zum Hauptwohnsitz]. Ich kann heute noch nicht so sehr viel darüber sagen, doch finde ich den Zeitpunkt, den Du gewählt hast, sehr gut. Vielleicht kann man schon baden. Im Moment sitze ich wunderschön in der Sonne mit Aussicht auf den See, der sehr blau mit kleinen Schaumköpfen ist.</p>
<p>Puck sonst kann ich Dir wenig schreiben. Sehr fröhlich sind wir gerade nicht, Mama ist zu unglücklich und hier besonders, was ja auch kein Wunder ist, ich könnte Dir so tausend Dinge aufzählen, durch die man dauernd an Papa erinnert wird, wodurch der Verlust immer schärfer hervor tritt, weil man eben zu Lebzeiten dies alles als selbstverständlich und nichts besonderes hin nahm, jetzt ist es alles anders.</p>
<p>Mit meiner zukünftigen Arbeit habe ich noch nicht begonnen, es ist im Augenblick noch zuviel anderes, vorläufig frage ich nur und versuche mich nach allen Seiten zu orientieren.</p>
<p>Puck bald hörst Du mehr, unserer Fahrt neulich war bezaubernd. Morgen geht es nach Güstrow.</p>
<p>Geht es Deiner Mutter wieder besser? Du musst sie sehr grüssen, wie war der Tag neulich, ist er zur Zufriedenheit verlaufen und hat es Deine Mutter nicht zu sehr angestrengt?</p>
<p>Puck ich liebe Dich sehr, schreibe Dir bald wieder, danke Dir 1000 mal für Deinen Brief, und hoffe dass Du bald kommst.</p>
<p>Deine Leni</p>
<hr />
<p>Soso, Leni würde also behaupten, dass sie nach Hause fährt, und stattdessen ein paar Tage mit Friedrich verbringen. Unerhört! Bei dem Besuch auf dem Gut hatte ich gedacht, dass sie sich dort schrecklich gelangweilt haben muss, ich hatte aber nicht an die Möglichkeit der langen Radtouren gedacht. So hat sie also ihre Zeit verbracht!</p>
<p>Was mir unabhängig vom Inhalt auffällt, ist die Angewohnheit, zusammengesetzte Substantive auseinander zu schreiben (&#8222;Ferien Vorschlag&#8220;) &#8211; heutzutage wird ja immer behauptet, das sei ein Anglizismus. Neu ist das Phänomen offenbar nicht.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/7e1bedaf88a94e8dbb8a040e2bf64a30" alt="" width="1" height="1" /></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/200846/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 14:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
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		<category><![CDATA[mexiko]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt. [handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46] Guatemala, 20. August 1946 Liebe Leni, lieber Friedrich, kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt.</p>
<p>[handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46]</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala, 20. August 1946</p>
<p>Liebe Leni, lieber Friedrich,</p>
<p>kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich <span id="more-541"></span>wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu hören. Bis dahin waren es immer nur Bruchstücke, die uns hier in Guatemala erreicht hatten, die sich zum Teil widersprachen. Man möchte noch so unendlich viel fragen! Trotz aller Berichte, die von drüben jetzt eintreffen, ein Bild von Eurem Leben kann man sich doch nicht machen.</p>
<p>Unser sehnlicher Wunsch ist, Euch irgendwie zu helfen, soweit es in unseren Kräften steht. Wir haben Pakete aus der Schweiz in Auftrag gegeben, es heisst jedoch, dass nur ein ganz geringer Teil dieser Pakete ihren Bestimmungsort erreichen. Als neuestes ist uns empfohlen: Cooperative for American Remittances to Europe, abgekürzt CARE, durch die man 49 lbs. Pakete enthaltend 30 lbs. Esswaren, an Euch schicken kann. (40.000 calories). Per Flugpost geht morgen der Auftrag nach New-York, Euch und Maria B. je eins von diesen Paketen auszuhändigen. Ich hoffe von Herzen, dass sie Euch gut und schnell erreichen und bitte um umgehende Bestätigung nach Erhalt. Ich will mich mit Hertha noch in Verbindung setzen, damit das Absenden von Paketen in geregelter Weise vor sich geht.</p>
<p>Ehe ich auf Deine Zeilen eingehe, möchte ich Dir kurz von hier einiges berichten. Gemessen an den Schwierigkeiten, die Ihr zu überwinden habt, sind wir hier natürlich in Abrahams Schoss. Jedoch alles ist relativ und wenn ich Dir erzähle, dass ich seit langem nicht mehr weiss, was ruhiger Schlaf ist, so wirst Du vielleicht lächeln. Denn trotz vorzüglichen Gewissens fehlt dieser ganz, verscheucht durch die Sorgen, was die nächsten Ereignisse bringen. Erinnerst Du Dr. Edgar W.‘s Besuch in Mecklenburg im Jahre 1938? So wie er damals fühlen wir uns heute mit genau derselben Perspektive: dies Auf und Ab zwischen Hoffnung und Verzweiflung dauert seit 41. Man hat das Gefühl, momentan dem Endspurt beizuwohnen und es ist wenig Hoffnung auf ein gutes Ende. Auf dem Eckchen neben Lisi B. können wir uns alle zusammenfinden und beraten, soweit noch etwas zu beraten ist. Unsere Mittel sind sehr beschränkt und die Teuerung ist beträchtlich. Ich gebe z. B. für Milch über $ 20.- im Monat aus. Bei Achim und Hertha soll das noch schlimmer sein, nur dass ich glaube, dass er mit sehr viel grösseren Reserven anfing, denn er hat noch seinen Wagen, den ich schon vor Jahren verkaufte und längst verzehrte.</p>
<p>Gesehen habe ich Achim nicht seit der Taufe meines Jungen Okt. 41 und korrespondiert haben wir höchstens alle halbe Jahre mal, wenn sich zufällig mal eine Gelegenheit bot. Auch jetzt noch höre ich von den Vorgängen dort meistens nur durch Hörensagen, genaues weiss ich nicht. Wenn Du übrigens Gelegenheit haben solltest mit dem Bruder von Carl-Ludwig, nämlich Johannes, zu sprechen, so wird der Dir übrigens sicher noch manches von hier erzählen können.</p>
<p>Meiner Familie geht es gut. Bea ist schon ein grosses Mädchen, die sehr gut in der Schule voran kommt und alles spielend erledigt. Sie wird, denke ich mir stets sehr ihren eigenen Weg gehen und alles unangenehme wie damals auf dem Gut mit den Worten „nein heute abend“ von sich weisen. Der Junge, den wir jetzt englisch ausgesprochen Michael nennen (in der englisch geleiteten Schule nannte man ihn so) lernt die Anfangsgründe im Schreiben und Lesen und ist im allgemeinen sehr viel mehr anlehnungsbedürftig als seine Schwester und damit der Verzug seiner Eltern. „Consentido“ (Verwöhnter) sagt die Bea sehr oft verächtlich, da die beiden unter sich meistens spanisch sprechen. Michael beendet jeden abend sein Gebet mit: „und schenk mir bald ein kleines Baby“, einen Wunsch von dessen Erfüllung wir den lieben Gotte gebeten haben einstweilen abzusehen ehe er nicht weiss, wo er uns wieder einsetzen will.</p>
<p>Gemüsebau ist ganz erfreulich, ich hoffe jedoch, es wird nicht zu lange noch meine einzige vernünftige Beschäftigung bleiben. Auf einem Nachbargrundstück wohnt ein alter Herr aus Güstrow, Herr B., der viel bebaubares unbenutztes Land hatte. Nach meiner Krankheit fing ich an das umzugraben und jetzt ist jedes Eckchen bepflanzt. Wir im Hause essen fast ausschliesslich dort gebautes Gemüse und das übrige wird verkauft, die Einnahmen gehen an Herrn B., der über Geldmittel kaum verfügt. Er ist 74 Jahre und hatte vor einiger Zeit von seinem Enkel einen Bericht über den Einzug der Russen in Güstrow. Sein Schwiegersohn, Oberst, ist eine Art Komissar für den Güstrower Bezirk.</p>
<p>Seit Monaten will ich Achim besuchen, freundlichst eingeladen von Hertha, die mir die Reise aus den Verkaufserlösen ihrer Ölbilder schenken will, doch immer wieder muss ich es aufgeben und fürs erste verschieben.</p>
<p>Gestern kam ein Brief von Hertha mit einer Copie des Briefes von Albrecht vom 21. Febr., so verspätet ist der eingetroffen! Er schreibt: „ich plane im Herbst rüber zu kommen nach Mex, Gtla oder USA“, „rechne auf Eure Hilfe“, ebenso gut könnte er schreiben, er plane eine Reise zum Mond.</p>
<p>Du schreibst in Deinem Brief, Friedrich, nichts über Deine Mutter, wo sie wohnt etc., ich hoffe es geht ihr wie auch Deinen Brüdern gut. Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr mir über das Ergehen folgender Personen, soweit möglich, berichtet: [es folgt eine auführliche Personenliste] Von Klaus U. hörte ich aus Chicago kürzlich, wir mussten den Briefverkehr während des Krieges abbrechen und haben erst jetzt wieder voneinander gehört.</p>
<p>Achim und Hertha werden Euch sicher berichten. Ingrid und ich sind in Gedanken so oft bei Euch und Euren Kindern, nehmen innigen Anteil an Eurem Kummer und Euren Erlebnissen. Wir hoffen sehr, dass sich [Brief bricht ab]</p>
<hr />
<p>Was es mit Edgar W. und seinem Schicksal auf sich hat, weiß ich leider nicht. Um Euch die Weihnachtsstimmung nicht zu versauern, werde ich vor Weihnachten noch ein paar schöne Briefe einstellen. Freut Euch drauf!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fbe4ec7fc88f4833b6eb6e74b7e034c5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/200846/">20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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