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	<title>1946 Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>1946 Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>17.12.1946: Geheimnisvolle Nachrichten über Ehen (Rudu)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2014 09:09:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zunächst einmal: Die Mäh-Verlosung endete am Montag, heute ist Freitag. Ich weiß das, aber die Woche nahm keine Rücksicht auf mich. Gewonnen hat jedenfalls Eva Christian, die sehr korrekt sechs Schafe zählte. Eins sieht man nur von hinten. Heute verlose ich ein Krimipaket. Darin enthalten sind vier Krimis, allesamt Rezensionsexemplare, die einmal von mir gelesen wurden. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/171246/">17.12.1946: Geheimnisvolle Nachrichten über Ehen (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zunächst einmal: Die Mäh-Verlosung endete am Montag, heute ist Freitag. Ich weiß das, aber die Woche nahm keine Rücksicht auf mich. Gewonnen hat jedenfalls Eva Christian, die sehr korrekt sechs Schafe zählte. Eins sieht man nur von hinten.</p>
<div id="attachment_710" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-710" class="size-medium wp-image-710" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg?w=300" alt="Krimis" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-710" class="wp-caption-text">Krimis</p></div>
<p>Heute verlose ich ein Krimipaket. Darin enthalten sind <span id="more-709"></span>vier Krimis, allesamt Rezensionsexemplare, die einmal von mir gelesen wurden. Wer das haben möchte, beantwortet mir bitte hier oder auf Facebook oder auf Twitter oder von mir aus auch per Brieftaube die Gewinnfrage, und das bitte bis nächsten Dienstag um 10 Uhr. Das ist der 15.4., übrigens der Geburtstag von Lenis Mann Friedrich, der an dem Tag 114 geworden wäre. Drum ist ihm auch die Gewinnfrage gewidmet &#8211; hier müsst Ihr raten. Rudu fragt, ob Friedrich noch seinen Flügel hat. Was glaubt Ihr? Hat der Flügel den Krieg überlebt?</p>
<p>Doch nun zum Brief. Wir kehren zur Korrespondenz zwischen Leni und ihrem Bruder Rudu zurück. Rudu wohnt in Guatemala, hat zwar die dortige Staatsbürgerschaft, aber doch finanzielle Schwierigkeiten aufgrund seiner deutschen Herkunft.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala, 17.12.1946.</p>
<p>Liebe Leni – lieber Friedrich,</p>
<p>schon seit einigen Wochen will ich Euch Eure Briefe vom 5. und 14. Okt. bestätigen, schob es aber immer wieder auf in der Hoffnung, Euch von hier bessere Nachrichten geben zu können. Nun kam heute Eure Karte vom 31. Okt. und Lenis Brief vom 2. November. Für alles herzlichen Dank, vor allem war natürlich eine große Freude Euer Familienbild vom Jan. 1945. Ich muß Euch heute gleich, wenn auch nur kurz antworten um Euch zu sagen wie glücklich auch wir sind, daß Euch das Care-Paket erreichte! Wir hätten schon weitere abgeschickt, aber leider sind wir nicht in der Lage, da wir seit August unsere monatlichen Zuweisungen nicht mehr bekommen haben. Ich hoffe immer von Woche zu Woche, bis dahin immer vergeblich. Es ist zu scheußlich. Auch hoffe ich, daß es sich vor Weihnachten regeln läßt, sonst wird es ein trauriges Fest! Von Achim forderte ich Hilfe, aber nur äußerst zögernd kam etwas, was wie ein Tropfen auf den heißen Stein war. So schrieb ich kürzlich an Klaus mit der Bitte an Euch noch ein Care Paket abzusenden, den Betrag will ich ihm dann später zurückerstatten. –</p>
<p>Für Eure so eingehenden Nachrichten meinen herzlichen Dank, ich freue mich so über alles, was Ihr berichtet, über Freunde und Verwandten-Schicksale kann man nicht eingehend genug hören. Wenn Du z. B. schreibst, daß Anneliese + Gertrud P. im K. Z. waren, so möchte man natürlich noch weiter wissen, wie lange, wo, weshalb und wie es ihnen jetzt geht. <em>[klein eingefügt:]</em> Wie geht es Frau P.? 1000 Fragen fallen einem ein! –</p>
<p>Jedenfalls sagt Euch bei allem was Ihr durchzumachen habt, daß es auch in anderen Teilen der Welt nicht viel besser zugeht! Ich denke oft an Euch und sehe in Gedanken wie Friedrich jeden Morgen seinem Ziel zusteuern kann: eine geregelte Arbeit kann ich mir schon garnicht mehr vorstellen Und es ist hier so hoffnungslos eine zu finden. So baue ich weiter Gemüse und laufe hemmungslos zum Anwalt.</p>
<p>Nun versucht nicht ganz die Hoffnung zu verlieren. Denn der Fall hier ist einzig dastehend, die Nachbarländer sind ganz anders vorgegangen und im Vergleich zu den Verhältnissen hier kann man die Zustände dort paradiesisch nennen. Ich schulde natürlich jetzt überall, eine ganz widerliche Lage. Daher konnte ich mich auch nicht mehr um die Dokumente bekümmern die Ihr angefordert hattet. –</p>
<p>Die Nachrichten über Albrecht + seine Ehen sind stets für uns etwas geheimnisvoll. Ist Albrecht ein schwieriger Ehemann? Hat Neger seiner Verwandten von der Ehe abgeraten und weshalb? Neger ist doch weiter sicher Albrechts Freund. Hat Friedrich noch seinen Flügel? – Die Nähe von Büchen – Ratzeburg braucht Euch nach meiner Meinung einstweilen nicht zu beunruhigen. –</p>
<p>Ich hoffe Euch bald ausführlicher zu schreiben, wenn mein seelisches Gleichgewicht wieder mehr hergestellt ist. Ich schlafe so schlecht und versuche durch vieles Lesen meine Gedanken abzulenken. –</p>
<p>Traurige Briefe kommen von Anna N. an ihre Schwägerin. – Es umarmt Euch sehr innig und wünscht Euch alles Gute für 47 Euer Rudu.</p>
<hr />
<p>Wer die Personen sind, erfahrt Ihr in der Kategorie &#8222;Über die Briefe&#8220;. Albrechts Ehen sind für Euch einstweilen auch noch geheimnisvoll, der nächste Brief von Leni wird darüber aber Aufschluss geben. Mit der Nähe von Büchen und Ratzeburg bezieht sich Rudu wahrscheinlich auf die Nähe der Grenze zur Ostzone. Schön, dass er sie von Guatemala aus nicht beunruhigend findet.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4505e21161c54a8c8cc78bfae8c882a9" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>02.07.1946 II: Stellte sich die Staaten wohl als Handelsdampfer vor. (Kurt)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/0207462/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2014 10:22:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[italien]]></category>
		<category><![CDATA[kapitän]]></category>
		<category><![CDATA[kriegsgefangenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Brief hat das gleiche Datum wie der vorherige &#8211; diesen hier schrieb Kurt, Friedrichs Bruder, beim Nachtdienst. Man muss manchmal etwas genauer hinlesen, um seinen Humor zu verstehen. 2. Juli 1946 Lieber Friedrich. Gelegentlich Nachtdienstes fallen mir alle meine Sünden ein, hauptsächlich, daß ich versäumte, Dir zu antworten. Dein Brief vom 23.6., der mich [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Brief hat das gleiche Datum wie der vorherige &#8211; diesen hier schrieb Kurt, Friedrichs Bruder, beim Nachtdienst. Man muss manchmal etwas genauer hinlesen, um seinen Humor zu verstehen.</p>
<hr />
<p>2. Juli 1946</p>
<p>Lieber Friedrich.</p>
<p>Gelegentlich Nachtdienstes fallen mir alle meine <span id="more-638"></span>Sünden ein, hauptsächlich, daß ich versäumte, Dir zu antworten. Dein Brief vom 23.6., der mich sehr erfreute, trifft ganz meine geschätzte Meinung. Ich bin außerordentlich pessimistisch, sowohl im allgemeinen, als was mich angeht, bleibe deshalb so lange ich kann. Ich könnte für jeden Juden &#8211; abgesehen von allem anderen &#8211; einen Nazi aufhängen, weniger wegen ihrer Schlechtigkeit als wegen ihrer Dummheit. Habe in Italien einen Kapitän getroffen, im Range eines Obersten!, der sagte, wenn der Krieg noch wenig länger gedauert hätte, so hätten wir die Vereinigten Staaten mittels V-Waffen in den Grund bohren können. Stellte sich die Staaten wohl als Handelsdampfer vor. Bei aller Tüchtigkeit und unbezweifelbarer Tapferkeit ein großer Idiot. Bei uns die Regel, werden es nie zu etwas bringen.</p>
<p>Es geht mir gut, kriege weiße Haare. Stehe vorm Spiegel und reiße sie aus. Sorge mich um Mutter. Ku.</p>
<hr />
<p>Ich kannte Kurt kaum, seine Art von Humor ist mir aber sehr vertraut.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/87d378d18a6a4285a75507898aa80a31" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>02.07.1946: &#8230; vielleicht hätte sie mich geheiratet (Kurt)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/020746/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jan 2014 09:36:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[italien]]></category>
		<category><![CDATA[kriegsgefangenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich möchte Euch nicht langweilen &#8211; und es ist bei der Menge der Briefe absehbar, dass ich nicht alle werde abschreiben können. Ab und zu fällt mir jedoch einer in die Hände, den ich Euch nicht vorenthalten kann. Dies ist so ein Fall. Er stammt von Kurt, dem Bruder von Friedrich. Er schreibt auf Kriegsgefangenenpapier [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich möchte Euch nicht langweilen &#8211; und es ist bei der Menge der Briefe absehbar, dass ich nicht alle werde abschreiben können. Ab und zu fällt mir jedoch einer in die Hände, den ich Euch nicht vorenthalten kann. Dies ist so ein Fall. Er stammt von Kurt, dem Bruder von Friedrich. Er schreibt auf Kriegsgefangenenpapier und befindet sich in <span id="more-636"></span>Italien, wo es ihm offenbar recht gut geht. Er erwähnt immer wieder, dass er nach Hause kommen könnte, es ihm hier aber besser geht. Sonderlich gefangen scheint er also nicht zu sein. Eine Gefangenennummer hat er aber.</p>
<hr />
<p>Lieber Friedrich.</p>
<p>Diesen Brief will ich damit beginnen, womit mein letzter aufhören sollte, nämlich alle Mollis und die kleine Retz<em> [also Friedrichs Kinder]</em> herzlichst zu grüßen. Ich hoffe, es geht Euch allen gut. Wenn ich landwirtschaftliche Talente hätte, so würde ich nach Hause zu kommen trachten, so hat das kaum Zweck.</p>
<p>Schreibt mir mal alle wichtigen Geburtstage, Leni, Klaus und so weiter. Habe alle ein wenig vergessen. Mein Notizbuch mit allen Daten und Adressen, unter anderem der einer sehr fähigen und netten Schwester, die ich in Warschau kennen lernte, liess ich im zerschossenen Wagen in Italien und nahm nur noch schnell den Inhalt meiner auf dem Kutschbock stehenden Wein-Korbflasche zu mir, von der der Hals abgeschossen war. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie das Mädchen heißt und wo sie wohnt, vielleicht hätte sie mich geheiratet, denn sie war nicht mehr jung. Wunderbare Bewahrung! Ku. (San. O. Gefr.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e26b3c62630f4bfcb094562fa49c0abd" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/200846/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 14:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
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		<category><![CDATA[brief]]></category>
		<category><![CDATA[gemüseanbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt. [handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46] Guatemala, 20. August 1946 Liebe Leni, lieber Friedrich, kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt.</p>
<p>[handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46]</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala, 20. August 1946</p>
<p>Liebe Leni, lieber Friedrich,</p>
<p>kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich <span id="more-541"></span>wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu hören. Bis dahin waren es immer nur Bruchstücke, die uns hier in Guatemala erreicht hatten, die sich zum Teil widersprachen. Man möchte noch so unendlich viel fragen! Trotz aller Berichte, die von drüben jetzt eintreffen, ein Bild von Eurem Leben kann man sich doch nicht machen.</p>
<p>Unser sehnlicher Wunsch ist, Euch irgendwie zu helfen, soweit es in unseren Kräften steht. Wir haben Pakete aus der Schweiz in Auftrag gegeben, es heisst jedoch, dass nur ein ganz geringer Teil dieser Pakete ihren Bestimmungsort erreichen. Als neuestes ist uns empfohlen: Cooperative for American Remittances to Europe, abgekürzt CARE, durch die man 49 lbs. Pakete enthaltend 30 lbs. Esswaren, an Euch schicken kann. (40.000 calories). Per Flugpost geht morgen der Auftrag nach New-York, Euch und Maria B. je eins von diesen Paketen auszuhändigen. Ich hoffe von Herzen, dass sie Euch gut und schnell erreichen und bitte um umgehende Bestätigung nach Erhalt. Ich will mich mit Hertha noch in Verbindung setzen, damit das Absenden von Paketen in geregelter Weise vor sich geht.</p>
<p>Ehe ich auf Deine Zeilen eingehe, möchte ich Dir kurz von hier einiges berichten. Gemessen an den Schwierigkeiten, die Ihr zu überwinden habt, sind wir hier natürlich in Abrahams Schoss. Jedoch alles ist relativ und wenn ich Dir erzähle, dass ich seit langem nicht mehr weiss, was ruhiger Schlaf ist, so wirst Du vielleicht lächeln. Denn trotz vorzüglichen Gewissens fehlt dieser ganz, verscheucht durch die Sorgen, was die nächsten Ereignisse bringen. Erinnerst Du Dr. Edgar W.‘s Besuch in Mecklenburg im Jahre 1938? So wie er damals fühlen wir uns heute mit genau derselben Perspektive: dies Auf und Ab zwischen Hoffnung und Verzweiflung dauert seit 41. Man hat das Gefühl, momentan dem Endspurt beizuwohnen und es ist wenig Hoffnung auf ein gutes Ende. Auf dem Eckchen neben Lisi B. können wir uns alle zusammenfinden und beraten, soweit noch etwas zu beraten ist. Unsere Mittel sind sehr beschränkt und die Teuerung ist beträchtlich. Ich gebe z. B. für Milch über $ 20.- im Monat aus. Bei Achim und Hertha soll das noch schlimmer sein, nur dass ich glaube, dass er mit sehr viel grösseren Reserven anfing, denn er hat noch seinen Wagen, den ich schon vor Jahren verkaufte und längst verzehrte.</p>
<p>Gesehen habe ich Achim nicht seit der Taufe meines Jungen Okt. 41 und korrespondiert haben wir höchstens alle halbe Jahre mal, wenn sich zufällig mal eine Gelegenheit bot. Auch jetzt noch höre ich von den Vorgängen dort meistens nur durch Hörensagen, genaues weiss ich nicht. Wenn Du übrigens Gelegenheit haben solltest mit dem Bruder von Carl-Ludwig, nämlich Johannes, zu sprechen, so wird der Dir übrigens sicher noch manches von hier erzählen können.</p>
<p>Meiner Familie geht es gut. Bea ist schon ein grosses Mädchen, die sehr gut in der Schule voran kommt und alles spielend erledigt. Sie wird, denke ich mir stets sehr ihren eigenen Weg gehen und alles unangenehme wie damals auf dem Gut mit den Worten „nein heute abend“ von sich weisen. Der Junge, den wir jetzt englisch ausgesprochen Michael nennen (in der englisch geleiteten Schule nannte man ihn so) lernt die Anfangsgründe im Schreiben und Lesen und ist im allgemeinen sehr viel mehr anlehnungsbedürftig als seine Schwester und damit der Verzug seiner Eltern. „Consentido“ (Verwöhnter) sagt die Bea sehr oft verächtlich, da die beiden unter sich meistens spanisch sprechen. Michael beendet jeden abend sein Gebet mit: „und schenk mir bald ein kleines Baby“, einen Wunsch von dessen Erfüllung wir den lieben Gotte gebeten haben einstweilen abzusehen ehe er nicht weiss, wo er uns wieder einsetzen will.</p>
<p>Gemüsebau ist ganz erfreulich, ich hoffe jedoch, es wird nicht zu lange noch meine einzige vernünftige Beschäftigung bleiben. Auf einem Nachbargrundstück wohnt ein alter Herr aus Güstrow, Herr B., der viel bebaubares unbenutztes Land hatte. Nach meiner Krankheit fing ich an das umzugraben und jetzt ist jedes Eckchen bepflanzt. Wir im Hause essen fast ausschliesslich dort gebautes Gemüse und das übrige wird verkauft, die Einnahmen gehen an Herrn B., der über Geldmittel kaum verfügt. Er ist 74 Jahre und hatte vor einiger Zeit von seinem Enkel einen Bericht über den Einzug der Russen in Güstrow. Sein Schwiegersohn, Oberst, ist eine Art Komissar für den Güstrower Bezirk.</p>
<p>Seit Monaten will ich Achim besuchen, freundlichst eingeladen von Hertha, die mir die Reise aus den Verkaufserlösen ihrer Ölbilder schenken will, doch immer wieder muss ich es aufgeben und fürs erste verschieben.</p>
<p>Gestern kam ein Brief von Hertha mit einer Copie des Briefes von Albrecht vom 21. Febr., so verspätet ist der eingetroffen! Er schreibt: „ich plane im Herbst rüber zu kommen nach Mex, Gtla oder USA“, „rechne auf Eure Hilfe“, ebenso gut könnte er schreiben, er plane eine Reise zum Mond.</p>
<p>Du schreibst in Deinem Brief, Friedrich, nichts über Deine Mutter, wo sie wohnt etc., ich hoffe es geht ihr wie auch Deinen Brüdern gut. Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr mir über das Ergehen folgender Personen, soweit möglich, berichtet: [es folgt eine auführliche Personenliste] Von Klaus U. hörte ich aus Chicago kürzlich, wir mussten den Briefverkehr während des Krieges abbrechen und haben erst jetzt wieder voneinander gehört.</p>
<p>Achim und Hertha werden Euch sicher berichten. Ingrid und ich sind in Gedanken so oft bei Euch und Euren Kindern, nehmen innigen Anteil an Eurem Kummer und Euren Erlebnissen. Wir hoffen sehr, dass sich [Brief bricht ab]</p>
<hr />
<p>Was es mit Edgar W. und seinem Schicksal auf sich hat, weiß ich leider nicht. Um Euch die Weihnachtsstimmung nicht zu versauern, werde ich vor Weihnachten noch ein paar schöne Briefe einstellen. Freut Euch drauf!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fbe4ec7fc88f4833b6eb6e74b7e034c5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/200846/">20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>11.05.1946: Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/110546/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2013 08:51:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[enteignung]]></category>
		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[guatemaly city]]></category>
		<category><![CDATA[schicksal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr nach Kriegsende erhält Leni das erste Lebenszeichen ihres Bruders in Guatemala. Da er die Staatsbürgerschaft von Guatemala angenommen hatte, ist er der Internierung entgangen. Nichtsdestotrotz wurde die Finca enteignet und so fehlte es auch Rudus Familie an Einkommen. Achim in Mexiko ging es ähnlich &#8211; und auch zwischen den Brüdern war jahrelang kein [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/110546/">11.05.1946: Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr nach Kriegsende erhält Leni das erste Lebenszeichen ihres Bruders in Guatemala. Da er die Staatsbürgerschaft von Guatemala angenommen hatte, ist er der Internierung entgangen. Nichtsdestotrotz <span id="more-538"></span>wurde die Finca enteignet und so fehlte es auch Rudus Familie an Einkommen. Achim in Mexiko ging es ähnlich &#8211; und auch zwischen den Brüdern war jahrelang kein Kontakt möglich.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala Capital, 11.5.46</p>
<p>Liebe gute Leni – ein kurzer Gruß der Euch sagen soll, daß es uns gut geht und daß wir mit unseren Gedanken täglich und stündlich bei Euch sind. Spärliche Nachrichten erreichten uns über die Schweiz, es fehlen jedoch noch Einzelheiten, ehe wir uns ein ungefähres Bild Eurer so traurigen Erlebnisse machen können. Könnten wir Euch doch nur erst helfen! Nichts hörten wir von Albrecht’s Familie, auch Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. Wenn Dir möglich, schick mir bitte die Adresse von Ulle! Seit meiner Krankheit im vorigen Jahre bin ich froh wieder körperlich, d.h. als Gärtner und Tischler tätig sein zu können, vorher hatte ich mich vor allem damit befaßt englische Lektüre zu verschlingen. Im nächsten Monat hoffe ich endlich Achim besuchen zu können, den ich seit 41 nicht mehr gesehen habe. Ob und wann ich wohl meinen Geburtsort wiedersehe? Unsere Adresse: Gtla City, [&#8230;] – Grüß alle, vor allem Friedrich und sei umarmt in Liebe von Rudu und Ingeborg.</p>
<p>Innige Geburtstagswünsche!</p>
<p>Rudu</p>
<hr />
<p>Beachtet wissen möchte ich aber die Tatsache, dass der Brief eventuell pünktlich zu Lenis Geburtstag am 21.6. eintraf. Das war in früheren Jahren ja meistens nicht der Fall.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/15e786c5af514f7a92678bb6b62e4622" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>17.01.1946: Es folgt dann die furchtbarste Fahrt meines Lebens. (Leni)</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Nov 2013 15:37:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Leni schreibt an die Mutter der verstorbenen Gärtnerin. Dies ist nach allem, was ich bisher gefunden habe, der einzige Brief, der die Ereignisse des 1.5.45 im Detail schildert. Letzten Sonntag waren mein Vater (&#8222;das Baby&#8220;), meine Mutter und ich unterwegs auf Lenis Spuren und kamen auch an dem Gut vorbei, an dem der Beschuss stattfand. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Leni schreibt an die Mutter der verstorbenen Gärtnerin. Dies ist nach allem, was ich bisher gefunden habe, der einzige Brief, der die Ereignisse des 1.5.45 im Detail schildert. Letzten Sonntag waren mein Vater (&#8222;das Baby&#8220;), meine Mutter und ich unterwegs auf Lenis Spuren und kamen auch an dem Gut vorbei, an dem der Beschuss stattfand. Über <span id="more-522"></span>den Beschuss selbst konnten wir bisher nichts herausfinden (wer weiß etwas über Tieffliegerangriffe in Mecklenburg am 1.5.45?), wohl aber über das Gut. Herrenhaus und Wagenremise stehen noch, vom Pferdestall wissen wir, wo er stand. Wenn das Gutstor sich an der Straße befand (was ich annehme), betrug der Weg von dort zur Wagenremise etwa 80 Meter.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">R., den 17.I.46</p>
<p>Sehr geehrte Frau G.!</p>
<p>Heute früh erhiehlt ich Ihren Brief vom 2.I. und will versuchen Ihnen nochmal genau zu schildern, was sich seiner Zeit an dem unglücklichen I. Mai zutrug. Am 30. April hatten wir unser Gut verlassen und befanden uns am I. Mai abends vor einem Gut W., als die Tiefflieger kamen. Wir verließen alle die Wagen und suchten Deckung in Gebäuden, Gräben, Häuserwänden u.s.w. Ihre Tocher [die Gärtnerin] blieb mit der Litauerin Paulina [einer weiteren Angestellten] zusammen und ich stand mit meinen drei ältesten Kindern in einem Pferdestall und hatte das Baby im Kinderwagen allein auf dem Treck zurücklassen müssen. Die Kinder weinten sehr und waren furchtbar ängstlich. Die Tiefflieger flogen nach einiger Zeit fort, sodaß wir uns aus der Deckung wagten.</p>
<div id="attachment_523" style="width: 287px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise.png"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-523" class="size-medium wp-image-523" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise.png?w=277" alt="Am Verfallen: die Wagenremise" width="277" height="300" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise.png 1339w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise-277x300.png 277w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise-768x832.png 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise-951x1030.png 951w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise-651x705.png 651w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/wessin-wagenremise-450x487.png 450w" sizes="(max-width: 277px) 100vw, 277px" /></a><p id="caption-attachment-523" class="wp-caption-text">Am Verfallen: die Wagenremise</p></div>
<p>Ich wollte mit den Kindern zum Treck zurückgehen um zu sehen, was aus dem Baby geworden war und traf am Gutstor mit Ihrer Tochter zusammen. In demselben Moment kamen die Flieger zurück, und Ihre Tochter meinte, wir könnten am Tor stehen bleiben und unter dem Baum und an der Mauer Schutz suchen. Wir saßen alle zusammen geduckt beieinander und wenige Minuten später waren wir alle verwundet. Ihre Tochter brach lautlos zusammen und ich schleppte meine beiden schwer verletzten Kinder unter eine Wagenremise, während mein einer Junge noch gehen konnte. Es war alles so fürchterlich, daß Worte diese schrecklichen Augenblicke nicht widergeben können. Ihre Tochter wurde ebenfalls auf meine Veranlassung hin zur Wagenremise gebracht und wir wurden dort von den im Quartier liegenden Militärärzten verbunden u. anschießend alle ins Haus gebracht. Ihre Tochter hatte eine Kopfverwundung, rechte Seite, ebenfalls das rechte Handgelenk. Ob sie mehr Verwundungen am Körper hatte, kann ich nicht sagen, die Militärärzte hielten sie für so schwer verwundet, daß sie sagten, daß sie höchstens noch eine Stunde leben würde<span style="text-decoration: line-through;">n</span>. Sie hat die Besinnung solange ich bei ihr war nicht wieder bekommen. Mein drittes Kind, welches ich beim Angriff im Arm hatte, bekam einen Lungen-, Kopf- und Handschuß, und die Ärzte trieben mich zur Eile, wenn ich das Kind<i> </i>retten wollte, sofort nach Schwerin zu fahren. Ich bekam einen Wagen zur Verfügung gestellt und wollte Ihre Tochter mitnehmen, aber die Ärzte sagten nochmal, daß es hoffnungslos sei. Somit fuhr ich mit meinen dreien im Militärwagen Richtung Schwerin und ließ das Baby zurück, in der Annahme es in einigen Stunden oder am nächsten Tag holen zu können. Es folgt dann die furchtbarste Fahrt meines Lebens. Die Straßen verstopft, brennende Wagen auf der Straße und in Gräben, stockfinstere Nacht, keiner durfte mit Licht fahren, wegen der dauernden Flieger und im Wagen auch alles dunkel, neben mir das sterbende und stöhnende Kind, dem ich nicht die geringste Hilfestellung geben konnte, da mein rechter Arm durch die Verwundung vollkommen unbeweglich und sehr schmerzhaft war. Mein Kind starb, ohne daß ich es sehen noch ihm helfen konnte und der Wagen hatte eine Panne, sodaß wir die ganze Nacht auf der Chaussee lagen. Erst am nächsten Morgen trafen wir in Schwerin ein und dann zog nach einer Stunde der Amerikaner ein und der Russe kam bis Muess, ca 7 km vor Schwerin.  Das tote Kind durfte nicht mit in den Krankenwagen und blieb allein im Auto liegen und erst nach 8 Tagen gelang es mir, den kleinen Jungen schließlich wieder zu finden und zu beerdigen. Aber glauben Sie nicht, daß ich das Grab je wieder finden werde, denn es waren solche Massenbeerdigungen in den Tagen, und alles ging so drüber und drunter wovon sich niemand eine Vorstellung machen kann, der es nicht miterlebt hat. Ich nehme an, daß es ähnlich auf dem Gut war. Ich habe mit allen Mitteln versucht, dorthin zurück zu kommen, um nach Ihrer Tochter zu sehen und mein Baby zu holen, bekam von den Amerikanern auch sogleich die Erlaubnis, aber es gelang mir nicht durchzukommen, andererseits wollte ich meine beiden anderen verwundeten Kinder nicht allein im Krankenhaus lassen.</p>
<hr />
<p>Der Brief bricht hier ab, es ist auch offenbar nur eine Kladde für den endgültigen Brief. Die russische Linie muss sich wirklich unmittelbar hinter Leni befunden haben. Die Distanz von Schwerin zum zurückgelassenen Sohn dürfte rund 20 km betragen haben. So wenig, und doch unmöglich, durchzukommen &#8211; es ist kaum vorstellbar. Auch nicht fassen kann ich, dass das Gutshaus am Verfallen ist, obwohl es noch vor 20 Jahren in einem guten Zustand gewesen sein muss. Und am allerwenigsten kann ich fassen, dass es trotzdem noch Menschen gibt, die nichts aus der Geschichte gelernt haben. Wenn man durch ein Fenster des Gutshauses guckt, sieht man das hier:</p>
<div id="attachment_524" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-524" class="size-medium wp-image-524 " src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706.jpg?w=300" alt="Manche lernen nie dazu" width="300" height="200" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706.jpg 2560w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-300x201.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-768x514.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-1030x689.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-1500x1003.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-705x471.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/p1080706-450x301.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-524" class="wp-caption-text">Manche lernen nie dazu</p></div>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fe283766e6364449bfc16d8092a0fd1d" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>23.06.1946: Er war ein zauberhafter Junge (Friedrich)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/230646/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 15 Nov 2013 11:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diesen Brief schrieb Friedrich an Rudu. Während des Krieges war jeglicher Kontakt abgerissen. Ich habe ihn stark gekürzt (es ging viel darum, wie das Gut gerettet werde könnte usw.) und einige Erklärungen eingefügt, um das Ganze etwas leichter verständlich zu machen. Dies ist nicht der erste Brief aus der Nachkriegszeit, ich habe ihn vorgezogen, weil [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Diesen Brief schrieb Friedrich an Rudu. Während des Krieges war jeglicher Kontakt abgerissen. Ich habe ihn stark gekürzt (es ging viel darum, wie das Gut gerettet werde könnte usw.) und einige Erklärungen eingefügt, um das Ganze etwas leichter verständlich zu machen. Dies ist nicht der erste Brief aus der Nachkriegszeit, ich habe ihn vorgezogen, weil er die Lage sehr gut zusammenfasst. Die Sachlichkeit des Briefes lässt mich schlucken.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">R. den 23.6.46.</p>
<p>Lieber Rudolf,</p>
<p>Deine Briefkarte vom  11. vorigen Monats kam vor einigen Tagen hier an. Die Freude war gross besonders darüber, <span id="more-509"></span>dass es Euch verhältnismässig gut geht. Hoffentlich kannst Du bald an Deinen Geburtsort zurückkehren. Seit 1938 haben wir uns nicht gesehen, Ende 1939 sogar die Verbindung miteinander verloren. Seitdem haben wir ungeheure Rückschläge miterleben müssen. Ich will versuchen, Dir das Hauptsächlichste der vergangenen Jahre mitzuteilen.</p>
<p>Nachdem das Hamburger Kontor geschäftslos geworden war, ging mein Vorschlag dahin,  das Gut in Mecklenburg zwecks völliger Sanierung und Auszahlung von Maria [ihr stand durch das Testament von Papa der Pflichtteil zu] zu verkaufen. Mama [Lenis Mutter] konnte sich hierzu jedoch verständlicherweise schwer entschliessen und wurde zudem im Jan. 40 schwer krank, sodass ein Umzug [in die Nähe von Hamburg], wie ich es vorgeschlagen hatte, nicht mehr möglich war. Infolgedessen musste das Elternhaus von Leni im Ort verkauft werden. Damals konnten grosse Häuser nur sehr schwer verkauft oder vermietet werden, sodass mich der endlich erzielte Preis von RM 70.000,&#8211; nicht sehr befriedigte. Hätten wir den Verkauf damals nicht durchgeführt, würde das Haus mit einer Fülle von Flüchtlingen belegt worden sein. In [diesem Vorort von Hamburg] hat jeder Erwachsene 4 qm und jedes Kind 2 qm Wohnraum zu beanspruchen. Die Ueberfüllung ist daher unbeschreiblich.</p>
<p>In dem Haus, das Leni und ich jetzt bewohnen, sind wir z. Zt. 28 Personen. Weitere Flüchtlinge werden erwartet. In ihrem Elternhaus mit im Garten aufgestellten Baracken leben jetzt schätzungsweise 150-200 Personen. Nachdem sich Mamas Zustand in der Mitte des Jahres 1940 etwas besserte, verschlechterte dieser sich bis zum Ende des Jahres  40, bis ein Schlaganfall ihr Leben beendete. Leni hatte sie mit grösster Aufopferung gepflegt, was umso schwerer war, weil sie am 30.6.40 unseren Sohn Christian bekam, der dann knapp 5 Jahre später auf der Flucht vor den Russen erschossen wurde. Er war ein zauberhafter Junge.</p>
<p>Im Jahre 1941 heiratete Albrecht Felicitas, deren 4. Mann er wurde. Im April 1946 liess er sich wieder scheiden und überliess seinen gutgeratenen Sohn Alexander seiner Frau, während er selbst vor etwa 14 Tagen Nina heiratete. A. ist beim Reg. Food Office tätig und kontrolliert verschiedene Kreise auf Abgabe von Milch, Eiern etc. Sein Sitz ist Itzehoe.</p>
<p>Da ich schon bei Ausbruch des Krieges der Ueberzeugung war, dass Deutschland nicht gewinnen konnte, habe ich immer versucht, das Gut in Mecklenburg in ein rentableres und weiter westlich gelegenes Gut umzutauschen. Leider scheiterten meine Bemühungen, die ich zusammen mit Dr. B. anstrengte, an Machenschaften des Mecklenburger Staatsministeriums. Letzteres liess einen Verkauf oder gar Tausch an Dritte nicht zu, sondern wollte mit allen Mitteln selbst in den Besitz des Gutes kommen. Der gebotene Kaufpreis war zwar nicht schlecht, aber nicht verwendbar, weil wir für Geld keinen Grundbesitz mehr erwerben konnten. Grundbesitz wurde nur noch in Nazikreisen gehandelt. Diese Kreise sorgten auch dafür, dass ich, obwohl ich in den Heinkel-Werken eine recht beachtliche Schlüsselstellung hatte, im September 44 noch eingezogen wurde. Leni wurde erheblich schikaniert. Dass die Russen das Gut einmal besetzen würden, hatte ich zwar gefürchtet, zuletzt aber doch nicht mehr angenommen, da die Amerikaner Ende April 45 schon <em>[</em><i>15 km westlich vom Gut] </i>standen, während die Russen noch viel weiter entfernt waren. Dadurch erklärt es sich auch, dass Leni dort blieb, bis die Russen etwa <i>[34 km östlich vom Gut]</i> waren und es sich herausstellte, dass die Amerikaner zurückgingen. Ohne Telefon und mangels Elektrizität auch ohne Radio war die Lage völlig unübersichtlich.</p>
<p>Leni floh am 30.4.45 mit vier Kindern (Du wirst wissen, dass am 8.4.44 unser Sohn Hans geboren wurde), einer Gärtnerin und einer Hausgehilfin in drei bespannten Fahrzeugen. [45 km weit] ging alles leidlich. Dort geriet der Treck auf völlig verstopften Strassen in Tieffliegerbeschuss, durch den Leni, Helene, Klaus verwundet und Christian und die Gärtnerin erschossen wurden. Leni brachte Helene und Klaus nach Schwerin ins Krankenhaus, liess Hans zurück, um diesen gleich nachzuholen. Inzwischen hatten die Russen nachgedrängt, sodass Hans allein zurückblieb. Der Treck fuhr weiter und wurde stark ausgeplündert. In Schwerin musste auch der Treck haltmachen, und es ist der Hausgehilfin zu verdanken, wenn ein Rest der Sachen viel später R. erreichte. Leni blieb bis Mitte Juni 45 im Schweriner Lazarett und fuhr dann mit Helene und Klaus per Rad nach R. Schwerin war damals noch von den Amerikanern besetzt. Kaum war Leni im [Haus von Friedrichs Familie] eingezogen, als dieses Haus von den Engländern beschlagnahmt wurde. Leni konnte daraufhin erfreulicherweise den 1. Stock des inzwischen von mir erworbenen Hauses beziehen. Hans war also bei C. [wo der Beschuss stattgefunden hatte] auf dem Gute W. Der Gutsbesitzer Dr. P. wurde mit seiner Familie von den Russen auf ein Zimmer zusammengedrängt. Es gab keine Milch und sonstige Nahrungsmittel für Hans, sodass dieser, der bei dieser Behandlung schwer erkrankte, beinahe verhungerte bzw. gestorben wäre. Einer Nichte des Besitzers, die früher mit Leni die Malchower Schule besuchte, ist es zu verdanken, dass Hans uns erhalten blieb. Diese nahm sich seiner an und brachte ihn später nach Berlin, von wo Leni im September 45 hörte, dass der Junge dort und am Leben sei. Anfang Oktober fuhr Leni dann unter grössten Strapazen illegal über die Zonengrenze, um Hans aus Berlin zu holen. Sie erschien anlässlich dieser Reise Mitte Oktober bei mir in N. Lenis Leistungen waren tatsächlich ausserordentliche und wohl nur von denen voll zu würdigen, die die Verhältnisse in der russischen Zone kennen.</p>
<p>Nachdem ich von Sept. 44 bis Jan. 45 in Schneidemühl ausgebildet war – zwischendurch wurde ich mehrfach von Heinkel angefordert und war auch oft in N. – standen die Russen vor der Stadt. Meine Einheit wurde nach Arnswalde zurückgenommen und hatte monatelange Nah- und Strassenkämpfe zu bestehen. Am Tage der Kapitulation 1.5.45 lagen wir bei Fehrbellin. Ich schlug mich durch zum Gut, wurde vorher noch von den Russen gefangengenommen, konnte jedoch wieder entkommen. Am 8. Mai 45 traf ich am Gut ein, wo sich ein chaotisches Bild bot. Herr W. [der Verwalter, schon vor dem Krieg unbeliebt und später Erz-Nazi] hatte seine Kinder erschossen, seine Mutter erschlagen, während seine Frau und er trotz Selbstmordversuch durch Kopfschuss am Leben blieben.</p>
<p>Das Innere des Herrenhauses war völlig verwüstet. Wochenlang habe [ich] versucht, noch einiges durch Verstecken oder Vergraben zu retten, was später doch im wesentlichen durch plündernde Banden gefunden wurde. Gleichzeitig mussten umfangreiche Waldbrände gelöscht werden. Achimkultur und angrenzender Buchenunterbau waren auch hier nicht zu retten, obwohl ich teilweise mit 150 Mann arbeitete. Lastwagen fuhren vor dem Herrenhaus vor, und ich wurde oft gezwungen, die Möbel aufzuladen. Ein grosser Teil der Sachen verschwand durch die Deutschen. Auch die N. Gefolgschaft hat sehr enttäuscht. Nur Förster Eh., dessen Haus unbewohnbar geworden war und der im Mai 45 [bei der Familie des Fahrers] wohnte, unterstützte mich nach Kräften. Er wurde Ende Mai verhaftet. Ich glaube nicht, dass er je zurückkehren wird. Ende Mai wurde ich groteskerweise Bürgermeister von B. Anfang Juni wurde ich durch die GPU <i>[Vorläuferin KGB] </i>verhaftet und drei Monate lang bis zur gänzlichen Erschöpfung gefangengehalten. Ende August traf ich wieder am Gut ein und lebte dort in Ermangelung jeglicher Lebensmittel vom Hechtfang. Zwei Monate lebte ich so bis Leni erschien und wir zusammen nach Berlin fuhren, um Hans dort abzuholen.</p>
<p>Da wir mit Kind nur legal die Grenze passieren wollten, warteten wir fast einen Monat auf einen Transport, der Flüchtlinge vom Osten nach dem Westen bringt. Endlich glückte es uns, sodass wir nach beinahe 3-tägiger Reise verhältnismässig schnell den Ort bei Hamburg erreichten. Hier ist das Ernährungs- und Flüchtlingsproblem äusserst schwer lösbar. Ich habe eine recht gute Stellung innerhalb einer Hamburger Behörde angenommen, die mich stark in Anspruch nimmt.</p>
<p>Leni wird nächstens einen eigenen ausführlichen Brief an Euch schreiben. Sie hat wenig Zeit zum Schreiben. Die Führung eines Haushalts verursacht heute ungeheure Schwierigkeiten und Zeitverluste. In unserem Ort, in dem 250% Flüchtlinge wohnen, dauert das Einkaufen Stunden und ist zudem oft ergebnislos. Auf den Strassen hört man nahezu ausschliesslich ostdeutsche Laute, Bekannte trifft man selten. Geselligkeiten fallen ziemlich aus, da man sich gegenseitig nichts mehr vorzusetzen hat. Mit 1.000 kal. zu existieren, ist besonders wenn man für die Ernährung heranwachsender Kinder verantwortlich ist, nahezu ausgeschlossen. Das Betteln auf dem Lande erfordert Zeit und zermürbt wegen der allzu häufigen Ergebnislosigkeit. Die Landbevölkerung hat auch nichts mehr. Wenn der einzelne noch etwas haben sollte, so wird er überlaufen. Ihm werden ungeheure Beträge für 1 Zentner Kartoffeln gezahlt. Wertsachen, Stoffe, Schuhzeug etc. werden dem Bauer für lächerliche Quantitäten von Kartoffeln, Gemüse u. dergl. geboten. Um Dir einen Anhalt zu geben, sei erwähnt, dass in Berlin mehr als Rm. 1.000.—für einen Zentner Kartoffeln gezahlt werden. Wir haben seit langem keine Kartoffeln mehr, verteilt werden sie nicht. So ist also die Lage, über die noch viel – nur nichts Erfreuliches – zu berichten wäre. Die politischen Aspekte [wirst Du] von dort aus besser übersehen als ich denn „klar sieht, wer von ferne sieht“ hat der alte Laotse wohl schon zutreffenderweise gesagt.</p>
<p>Leni und die uns viel Freude machenden gesunden und auch noch ganz gut ernährten Kinder lassen herzlichst grüssen.</p>
<p>Viele Grüsse an Ingrid, Hertha und die jeweiligen Kinder von</p>
<p>Deinem</p>
<p>Friedrich</p>
<p>Lieber Achim,</p>
<p>Dieser Brief an Rudolf ist an Dich in gleicher Weise gerichtet, damit Du, soweit noch nicht von anderer Seite geschehen, eine ungefähre Vorstellung von den Ereignissen der letzten Jahre bekomm[s]t. Vielleicht könnt Ihr gelegentlich auch einmal Näheres von dort berichten. Es wäre nach Lage der Dinge wünschenswert, wenn wir uns mündlich unterhalten könnten. Aber wann und wo?</p>
<p>Herzlichst Dein</p>
<p>F</p>
<hr />
<p>Die Ereignisse zusammengefasst:</p>
<p>1940: Lenis Mutter wird Anfang des Jahres zum Pflegefall und stirbt Ende 1940. Während dieser Zeit bringt Leni am 30.6. Sohn Christian zur Welt. Ihr Elternhaus wird verkauft, um Maria den ihr zustehenden Pflichtteil auszahlen zu können.</p>
<p>1941: Albrecht heiratet.</p>
<p>1944: Friedrich, der nicht in der NSDAP war, aber eine &#8222;kriegswichtige&#8220; Position bekleidete, wird im September doch noch zum Wehrdienst eingezogen (vielleicht finde ich darüber noch mehr, es gab wohl Ärger mit irgendwelchen Parteifunktionären). Er wird in Polen ausgebildet und erlebt den Einmarsch der Russen.</p>
<p>1945: Ende April befinden sich die Amerikaner 15 km westlich von Lenis Gut. Sie wartet auf ihre Ankunft. Als die Russen 34 km östlich vom Gut ankommen, treten die Amis den Rückzug an. Leni flieht am 30.4. gen Westen. (Wie ich aus anderen Briefen weiß, waren schon wochenlang Flüchtlinge aus dem Osten bei ihr eingetroffen und weitergezogen.) Unterwegs gerät der Treck unter Beschuss. Leni, Helene und Klaus werden verletzt, Christian (knapp fünf Jahre alt) stirbt, die Gärtnerin wird schwer verletzt. Die Lazarettärzte in der Nähe ordern für Leni und ihre verletzten Kinder den Transport ins Krankenhaus Schwerin an. Der unverletzte Hans bleibt auf dem Gut W. zurück. Er ist ein Jahr alt. Einen guten Monat bleibt Leni mit den verbleibenden Kindern im Krankenhaus, bevor sie in Lenis Heimatort bei Hamburg gelangen. Inzwischen ist Friedrich zum Gut zurückgekehrt, wird in einem Nachbarort Bürgermeister und wenig später von den Russen verhaftet und drei Monate lang gefangengehalten. Im September kommt er wieder frei und kehrt zum Gut zurück. Mehrfach versucht Leni, Hans zu holen, es gelingt ihr jedoch nicht, bis zum Gut W. vorzudringen, wo der Beschuss stattgefunden hatte. Im September erfährt sie, dass ihr Mann Friedrich lebt und sich auf ihrem Gut aufhält. Hans ist inzwischen nach Berlin gebracht worden. Leni gelingt es, nach Berlin zu kommen. Von dort fährt sie zum Gut, wo sie Friedrich wiedersieht und mit ihm gemeinsam nach Berlin aufbricht. Um Hans legal über die Grenze zu bringen, warten sie fast einen Monat auf einen Transport. Nach dreitägiger Fahrt kommen sie im November gemeinsam bei Hamburg an.</p>
<p>Hans ist mein Vater.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/0882818d0a08426baa5b4233d985ede9" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Intermezzo. Betrifft: Briefe</title>
		<link>https://www.textfuss.de/intermezzo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Nov 2013 10:09:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vorgestern Abend hatte ich das Sofa für mich und habe die Gelegenheit genutzt, die zwei Ordner genauer zu betrachten. Ja, es sind jetzt zwei. Ein großer (der, aus dem ich bisher schöpfte) und ein schmaler. Bisher war ich beim ersten Ordner davon ausgegangen, dass die Briefe chronologisch sortiert sind, wie staunte ich, als ich plötzlich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_498" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-498" class="size-medium wp-image-498" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner.jpg?w=300" alt="Der alte Ordner - ich hielt ihn für einen guten Bekannten, doch er hat auch versteckte Qualitäten" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/alter-ordner-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-498" class="wp-caption-text">Der alte Ordner &#8211; ich hielt ihn für einen guten Bekannten, doch er hat auch versteckte Qualitäten</p></div>
<p>Vorgestern Abend hatte ich das Sofa für mich und habe die Gelegenheit genutzt, die zwei Ordner genauer zu betrachten. Ja, es sind jetzt zwei. Ein großer (der, aus dem ich bisher schöpfte) und ein schmaler. Bisher war ich beim ersten Ordner davon ausgegangen, dass die Briefe <span id="more-497"></span>chronologisch sortiert sind, wie staunte ich, als ich plötzlich doch noch ein paar von 1931-38 fand! Inhaltlich sind sie allerdings nur mittelspannend, ich muss sehen, ob ich sie für Euch abschreibe.</p>
<p>Der zweite Ordner, der erst seit einer Woche in meinem Besitz ist, wurde nun einer ersten Prüfung unterzogen. Er beinhaltet Briefe ab 1946 bis etwa 1948. Sie sind alphabetisch nach Absendern bzw. Empfängern sortiert. In den meisten Fällen ist es die Korrespondenz von und mit Friedrich, Lenis Mann.</p>
<div id="attachment_500" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-500" class="size-medium wp-image-500 " src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner.jpg?w=300" alt="Der neue Ordner - eine echte Fundgrube" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/neuer-ordner-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-500" class="wp-caption-text">Der neue Ordner &#8211; eine echte Fundgrube</p></div>
<p>Einiges hat mich besonders erstaunt, so zum Beispiel ein Brief von einer Nazi-Angestellten des Gutes, die 1946 an ihren ehemaligen Chef schreibt, um sich ein bisschen für ihr Verhalten zu entschuldigen. Oder die Briefe von meinem Großvater an seinen eigenen Vater (und dessen Antworten). Die Eltern meines Großvaters waren geschieden und bisher dachte ich, es habe keinen Kontakt gegeben. Dem war offenbar nicht so. Bei jeder dieser Entdeckungen rief ich meinen Vater an, der den Ordner nur flüchtig betrachtet und dann ordnungsgemäß an mich weitergegeben hatte.</p>
<p>Als ich gerade ins Bett wollte, fielen mir dann noch die Briefe von Friedrichs Bruder in die Hände. Er schreibt 1946 aus der Kriegsgefangenschaft in Italien. Es ginge ihm gut, er könne nach Hause kommen, wenn sie wollten, aber er denkt sich, im Lager ist er besser versorgt. Zuhause habe er ja doch keine Arbeit und würde ihnen nur zur Last fallen.</p>
<p>Ich muss mein Chronologie-Konzept nun also ein wenig überdenken. Die Briefe des „neuen“ Ordners sollte ich sinnvollerweise nach Personen sortiert veröffentlichen. Die Frage ist nur – wo fange ich an? Ja, bei A, sehr originell, danke für den Zwischenruf.</p>
<p>Die meisten Briefe beziehen sich in der ein oder anderen Weise auf das Schicksal von Leni. Ihr braucht also zunächst einmal ihre Zusammenfassung der Kriegsjahre. Die gibt es in vielen verschiedenen Varianten, schon da weiß ich nicht so recht, wo ich beginnen soll. Waren die Briefe bisher durchaus amüsant zu lesen, so wird das jetzt zur Nebensache. Eigentlich logisch, aber Ihr solltet darauf vorbereitet sein. Ich war vorbereitet, schließlich handelt es sich um meine Großmutter – und wenn auch nicht gern über die Strapazen gesprochen wurde, waren wir doch zumindest im Groben informiert. Trotzdem finde ich einige Briefe geradezu unerträglich schlimm, andere unerträglich distanziert, wieder andere erschreckend ehrlich. Ich weiß nicht, ob sie mir nur deshalb so nahe gehen, weil Leni eben meine Großmutter war. Ich wäre Euch dankbar über Feedback. Was empfindet Ihr?</p>
<p>Morgen schone ich Euch noch mit einer neuen Rezension, am Freitag beginne ich mit den Nachkriegsbriefen. Andersrum geht auch &#8211; das dürft Ihr entscheiden. Das Album muss jetzt ein bisschen warten, ich möchte mit den Briefen vorankommen, sonst wird das nie was mit dem Buch.</p>
<div id="attachment_501" style="width: 235px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-501" class="size-medium wp-image-501" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006.jpg?w=225" alt="Das Deckblatt des neuen Ordners. Schon die erste Werbebotschaft ist erstaunlich falsch: Zeit sparen werde ich mit ihm sicher nicht. " width="225" height="300" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006.jpg 1536w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-225x300.jpg 225w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-768x1024.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-773x1030.jpg 773w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-1125x1500.jpg 1125w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-529x705.jpg 529w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/pict0006-450x600.jpg 450w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p id="caption-attachment-501" class="wp-caption-text">Das Deckblatt des neuen Ordners. Schon die erste Werbebotschaft ist erstaunlich falsch: Zeit sparen werde ich mit ihm sicher nicht.</p></div>
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<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d0c324346e5f426fb042de5e10c636c6" alt="" width="1" height="1" /></p>
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