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	<title>1935 Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>1935 Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>20.12.1935: Mein Lieb! (Leni)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/201235/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Dec 2013 13:21:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir springen zurück ins Jahr 1935 &#8211; Leni ist in Friedrich verliebt. Übers Wochenende ist sie mit Mama aufs Gut gefahren &#8211; selbst gefahren, wohlbemerkt. Auf unserem Besuch dort vor Kurzem wurde uns erzählt, dass die Straße erst seit ein paar Jahren befestigt ist. N., den 20.XII.35 Mein Lieb! Eigentlich habe ich zum Schreiben gar [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir springen zurück ins Jahr 1935 &#8211; Leni ist in Friedrich verliebt. Übers Wochenende ist sie mit Mama aufs Gut gefahren &#8211; selbst gefahren, wohlbemerkt. Auf unserem Besuch dort vor Kurzem wurde uns erzählt, dass die Straße erst seit ein paar Jahren befestigt ist.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">N., den 20.XII.35</p>
<p>Mein Lieb!</p>
<p>Eigentlich habe ich zum Schreiben gar keine Zeit, denn <span id="more-545"></span>der Tag ist mit Weihnachtsarbeiten voll ausgefüllt, deshalb wird es nur kurz, aber ein desto herzlicher Gruß zum Sonnabendnachmittag. Wie Du ihn wohl genießt, vor allem durch die Vorfreude auf die folgenden Festtage mein Puck, ich wünsche Dir so <span style="text-decoration: underline;">sehr</span>, daß Du Dich dann etwas erholen und ausspannen kannst.</p>
<p>Unsere Fahrt gestern war furchtbar und ich werde so etwas niemals wieder machen. Ich konnte Mama und den Wagen zwar unversehrt abliefern, nachdem ich gute 6 Stunden auf der <span style="text-decoration: underline;">völlig</span> vereisten Strasse in höchstens 30 km Tempo dauernd umherschlidderte. Geduld und rasende Vorsicht hat es möglich gemacht, daß wir hier unbeschadet ankamen. Denk Dir, es war spiegelblankes Eis, nur in den Städten und Dörfern nicht und nur <span style="text-decoration: underline;">sehr</span> selten auf einigen Anhöhen gestreut. Wenn es am Sonntag nicht anders ist, kommen wir per Bahn.</p>
<p>Eben höre ich, daß keine Postgelegenheit mehr in den nächsten Ort ist, alle Leute sind eher als sonst fortgegangen, dabei ist es erst 4 Uhr.</p>
<p>Hier draußen ist es wunderhübsch, es hat den ganzen Tag geschneit und dann die schöne Luft.</p>
<p>Mein Lieb, am Montag müssen wir uns sehen, ich habe Dir noch garnicht von unserem Mann aus Japan erzählt, der bei Alice wohnt.</p>
<p>Es liebt Dich und gibt Dir einen innigen Kuß</p>
<p>Deine Leni.</p>
<hr />
<p>Mann aus Japan? Darüber weiß ich gar nichts. Zwar wohnte einer von Friedrichs Brüdern in Japan, der kann aber kaum gemeint sein!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/20287577b5c840fdb742c222e82c3273" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>05.06.1935: Abends ist man stets so eigentümlich müde. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/050635/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Aug 2013 09:50:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[geburtstag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ingrid zwingt Rudu zum Schreiben &#8211; immerhin schreibt er also noch vor Lenis Geburtstag am 21.6. Obs gereicht hat? La U. 5. Juni 35. Meine liebe Muschi! Ingrid schiebt mir den Brief von Dir ein, so habe ich Gelegenheit, Dir auch noch einen lieben Geburtstagsgruß und Kuß in Gedenken zu geben. Schon lange wollte ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Ingrid zwingt Rudu zum Schreiben &#8211; immerhin schreibt er also noch vor Lenis Geburtstag am 21.6. Obs gereicht hat?</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La U. 5. Juni 35.</p>
<p>Meine liebe Muschi!</p>
<p>Ingrid schiebt mir den Brief von Dir ein, so habe ich Gelegenheit, Dir auch noch einen lieben Geburtstagsgruß und Kuß in Gedenken zu geben. Schon lange wollte ich Dir antworten, aber die Zeit läßt sich so schwer finden. Abends ist man stets so eigentümlich müde.<span id="more-323"></span></p>
<p>Der erste Sommer, den ich nicht auch in N. mit Euch verlebe, dafür wandern meine Gedanken oft dahin. Mutter schrieb gestern, daß Du bei Alice bist, Maria vielleicht in eine Klinik geht und die Kinder in Blankenese sind. Was wohl vorliegt? Du wirst inzwischen gehört haben, daß die Eltern hier einen recht ungünstigen Bericht + Eindruck über Marias Tun + Treiben hatten und daß man allgemein auf Seiten Werners ist, sowie man Einblick in die Vorgänge hatte.</p>
<p>Ingrid hat Dir von allem so ausführlich erzählt, daß mir wenig verbleibt. Lediglich sagen kann ich noch, wie Ingrid mir hier fehlt und wie schade ich es finde, daß Colerinchen sie noch immer besucht. Es ist so wichtig, daß sie das los ist und auf der anderen Seite möchten wir so gern wieder hier zusammen sein.</p>
<p>Der Regen kommt schon mit großer Regelmäßigkeit jeden Tag. In B. war vor einiger Zeit Hochzeit von Herrn R., sonst geht hier wenig vor sich. Mutter und Vater von Ingrid schreiben sehr regelmäßig, dadurch hört man stets etwas aus R. Unser Haus dort soll sich so verändert haben? Was Mama wohl gesagt hat?</p>
<p>Und Du? Wo Du wohl den 21. begehst? Diese Zeilen schicke ich lieber ans Kontor. Es hat uns so gefreut, daß Du den seligen Bericht aus München schicktest, hoffentlich füllt der Dich solange aus, bis Friedrich soweit ist, daß Ihr an eine Heirat denken könnt. In allen Dingen, in denen Du und Friedrich Rat haben wollt, wendet Euch nur ruhig an Papa, ich habe das Gefühl, daß er stets einen Ausweg weiß.</p>
<p>Wie Du wohl mit Hertha Dich auseinandergesetzt hast? Du mußt mir mal schreiben, überhaupt so über das Leben und Treiben von Euch Jugend, denn Mama sieht doch mehr andere Dinge und berichtet die. Was macht Babs? Ich möchte ihr wohl mal schreiben und hoffe dazu zu kommen. Erst kommt jetzt Ulle mal, der schlecht behandelt ist. Am rührendsten hat sich mal wieder Klaus um uns bekümmert, er schickt uns lauter schöne Dinge und schreibt reizende Berichte.</p>
<p>Was sagst Du zu dem bevorstehenden Ereignis hier bei uns? Ingrid ist so selig und wir beraten sehr eifrig die Dispositionen, die wir <span style="text-decoration: line-through;">dies</span> für diese wichtige Zeit zu treffen haben.</p>
<p>Und Richard? Hier schwirren wilde Gerüchte durchs Land, keiner weiß richtig Bescheid.</p>
<p>Leb wohl, von Herzen wünsche ich Dir noch nachträglich, denn leider werden wohl diese Zeilen verspätet eintreffen, recht viel Gutes.</p>
<p>In inniger brüderlicher</p>
<p>Liebe Dein Rudu.</p>
<hr />
<p><em><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fdb3464220c04fe7aca2abb856b22b45" alt="" width="1" height="1" /></em>Auch ich wüsste jetzt ja mal gern über Richard Bescheid! Und über Marias Tun + Treiben wüsste ich ebenfalls gern mehr. Das ist der große Nachteil von Briefen innerhalb der Familie &#8211; jeder weiß im Grunde genommen, worum es geht, man muss nicht weiter darauf eingehen. Aber &#8211; Trommelwirbel &#8211; Leni hat an die Nachwelt gedacht und die Durchschläge ihrer eigenen Briefe mit abgeheftet. Der nächste ist von ihr! Ich freue mich, nächste Woche endlich eine Antwort präsentieren zu dürfen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>31.05.1935: ein unerhörtes Glück (Ingrid)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/310535/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Aug 2013 09:55:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste Brief in lateinischer Schrift! Er ist von Ingrid, Rudus Frau. Sie schreibt offenbar recht schnell (sagt sie auch selbst), jedenfalls finden sich ein paar Wirrheiten. Wenn es das Lesen zu sehr erschwerte, habe ich ein paar Kommas ergänzt. Ingrid beschreibt das für sie ganz neue Leben in Guatemala, ihren Umgang mit dem Personal [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/310535/">31.05.1935: ein unerhörtes Glück (Ingrid)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Brief in lateinischer Schrift! Er ist von Ingrid, Rudus Frau. Sie schreibt offenbar recht schnell (sagt sie auch selbst), jedenfalls finden sich ein paar Wirrheiten. Wenn es das Lesen zu sehr erschwerte, habe ich ein paar Kommas ergänzt. Ingrid beschreibt das für sie ganz neue Leben in Guatemala, ihren Umgang mit dem Personal usw. sehr anschaulich, auch ihre eigene Ungeduld. Natürlich sind das recht herrschaftliche Probleme &#8211; herrschaftlich und mir sehr fremd. Daher eben auch interessant.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Hotel San Rafael, d. 31.5.35.</p>
<p>Meine liebe Leni,</p>
<p>Schon so lange hatte ich<span id="more-317"></span> Dir schreiben wollen, Dir erzählen von unserem Haus, von unserem gemeinsamen Leben auf der Finca und sovielen anderen. Und nun muß erst Dein Geburtstag der Nachdruck verleihende Anlaß sein, aber gut daß er naht; denn sonst hätte ich diesen Brief vielleicht zu Weihnachten fertig gekriegt – Du ahnst nicht, was zu schreiben vorliegt, was noch nicht beantwortet seit Monaten wartet und wartet; und wie die Zeit der Ehefrau ausgefüllt!<br />
Leider ist noch kein Mittel gefunden dem anderen auch ohne Brief die Gedanken und das Mitfühlen zu zeigen, was durch Deine beiden Briefe an Rudu noch in so besonderem Maße lebendig wurde. Leni wir waren in Gedanken so oft bei Dir, und wenn ich Dir jetzt sehr viel liebe Wünsche schicke, dann hoffe ich so von Herzen, daß jeder einzelne recht bald zur schönsten Wirklichkeit wird! Und wenn die Erfüllung der meisten auch noch in weiter Ferne liegen wird, so ist die Zwischenzeit durch den Gedanken an die Zukunft und an die Arbeit, die Dir Freude macht gewiß schön und leicht zu ertragen. Wie freuen wir uns alle zu hören, daß Du Dich so glücklich in München fühlst, ich kann mir Deine Seligkeit über das nette Zimmer, die anregende Stadt und die Arbeit mit schönen praktisch zu verwertenden Dingen so vorstellen! Man tut ja auch alles so viel ernsthafter wenn man weiß wofür. Ich kann es auch meiner Leipziger Zeit heraus so gut verstehen. Und Du hast es so verdient finde ich, weil Du in der Zeit vorher doch keine freie Minute für Deine eignen Dinge übrig hattest.<br />
Wenn ich nur jetzt wüßte, ob Du Mama und Papa schon gesprochen hat, wenn dieser Brief Dich erreicht; vielleicht hörtest Du nun schon vieles mündlich was ich Dir schreibe, aber das macht ja auch nichts.<br />
Du wirst Dich wundern, daß ich in San Rafael bin, nun schon 2 ½ Wochen um ein bißchen Blutarmut, die ich durch eine ganz blöde Darminfektion bekam, zu kurieren. Du erinnerst vielleicht, daß Hertha hier auch mal war, es ist ein sehr gemütliches , schönes Hotel von einem sympathischen Schweizer Ehepaar geführt oberhalb Guatemalas 2020 m hoch. Bisjetzt hatte ich nur Sonnentage, obgleich die Regenzeit beginnen sollte, also ein unerhörtes Glück. Ich nütze die Zeit mit den schönsten Touren aus auf die Höhenzüge von wo man die mächtigen Vulkane ganz dicht vor sich sieht, in die Brombeeren teils alleine teils mit der Schweizerin. Die letzten Tage verliefen jedoch garnicht kurgemäß, es kam viel Besuch, die N’s, E., E., Frau R. und Maegli teils um mich, Teils um Frau B.[,] eine Dame aus Honduras[,] sehr interessiert und nett, die auch hier oben ist, zu besuchen. Wir taten uns zu herrlichen Spaziergängen zusammen und spielten Poker am Abend[,] es waren alles so nette Menschen. Ich denke stets, dass Rudu daß doch miterleben könnte. In 2 Wochen aber sehen wir uns wieder, es ist doch eine schrecklich lange Trennungszeit! Und wie gut habe ich es noch gegen ihn; allein auf der Finca in dem Regen, allein abends in unserem Haus – Du kannst Dir nicht denken wie ich mich nach U. zurücksehne. Ich hoffe sehr daß ich das immer wiederkehrende Kolerinchen bis dahin beseitigt habe. Eine Darmsache in den Tropen soll das langwierigste sein was es gibt und man macht mit europäischer Einstellung lauter Fehler, die Erfahrung muß man erst selber machen. Ich bin bei einem Arzt der aus de repente Pillen verschreibt, die solange sie wirken einen zum gesündesten Menschen machen, der Rückfall kommt aber immer wieder. So jetzt Schluß von diesen Krankheitsgeschichten – Du mußt von U. hören, meinem geliebten U. unserm Häuschen, Leni, daß jetzt, dank Mamas emsiger Hilfe beim Gardinennähen und tatkräftigen Aussortieren für uns unter den B. Dingen, so unendlich gemütlich und hübsch ist; könntest Du sein rotes Dach in alle dem Grün leuchten sehen von A. U. aus oder das hübschgemaserte Holz der Innen- und Aussenwände bewundern! Es tront hoch über allem andern auf dem kleinen Hügel, den man bei Regen herunterglitscht, und der rückwärts in einem jung angepflanzten Kiefernwald verläuft. Auf halber Höhe liegt mein Gemüsegarten, der uns sehr ans Herz gewachsen ist. Allerdings verdanken wir eine Riesentomatenernte mehr dem Klima, daß alles 3 x so schnell wachsen läßt, als meinem noch sehr dem Glückszufall unterstehenden agriculturellen Können. Ich hatte den Samen dies Saln nicht rechtzeitig, man muß im Dez. Kor. pflanzen, meine Sämereien bekommen schon zu viel Regen. Herr B., der Verwalter ist mein einziger Berater, denn Candids der Gärtner, der ebenso faul ist wie sein Name den „Reinen“ wiedergibt, läßt die eben angekommenen Rosenstecklinge in unserer Abwesenheit verkommen und hat auf alle Schimpfwörter unseres noch sehr kleinen Repertoirs ein breites Lächeln. Ja das Spanisch! Rudu fehlt es besonders im Verkehr mit den Mogos. Man kann nicht gleich alles verlangen und muß Geduld haben, aber ich rede ja eigentlich nur mit Pancha und Polycarpa, einen Bruchteil des Tages die Gelegenheit zum sprechen ist so gering! Hier oben habe ich mich auf die Grammatik gestürzt, aber die Conversation fehlt.<br />
Pancha ist unendlich gefällig, Du glaubst nicht mit welcher ehrlichen Begeisterung und Anteilnahme sie die Fußböden bohnert! Sie macht Vignas aus den Füßen[,] serviert aufmerksam und ist richtig unentbehrlich. Mit Polycarpa ist schwer umzugehen. Ich war bisjetzt einmal in der Küche, sowie man sich dort blicken läßt, schießt sie heraus, blockiert den Eingang und nimmt mir wohlmöglich meine unvollkommene Ausdrucksweise übel. Sie kocht ja gut und appetitlich in diesem Loch von Küche, die gleichzeitig Aufbewahrungsort aller Vorräte ist! – aber wiederholt sich zu oft, sodaß ich mir jetzt allerhand Zutaten und Rezepte nennen lasse, die ich ihr aufzwingen werde. Im Ganzen bin ich ja dankbar, daß sie existiert, so konnte ich mich erstmal ganz auf unser Haus beschränken, aber es bedrückt mich etwas Und sie [das gehört da wohl nicht hin] den andern so wichtigen Hausfrauenpflichten so fern zu stehen und z. B. garnicht zu wissen was auf den Tisch kommt. Geduld, Geduld – es ist schon gut so. Ich muß an Hertha denken, wielange hat es gedauert bis sie selbstständig befehlen konnte! Jetzt nach 5 Jahren ist die Küche erst fertig geworden in V. Rudu und ich sind so selig auf der Finca und es kommt uns vor als ob wir immer dagewesen wären. Der schönste Moment des Tages ist der wenn Rudu’s Tramsschritt gegen 7 Uhr abds draußen zu hören ist, und er sich so richtig freut, in unserem Reich zu sein. Man freut sich auf einander als ob man sich den ganzen Tag nicht gesehen hätte, und es stimmt bis zum gewissen Grade denn zu den Essenszeiten ist Herr B. ja immer dabei. Ab ½ 9 Uhr sind wir dann ganz für uns, der Weg bei Sternenschein zusammen herauf, die tausend Glühwürmchen, der Blick auf die Berge, die im Mondschein so unwirklich schön daliegen, wie glücklich und dankbar sind wir, daß wir es so gut haben! Dann kommt noch eine gemütliche Runde im Wohnzimmer bei irgend einem Buch oder Ulles Beethoven Konzert. Im Eignen für sich, Leni es gibt nichts Schöneres! Um uns herum die selbstentworfenen Möbel, der Zedernholzschreibtisch, der Schlafzimmerschrank, die wir langsam entstehen sahen, z. T. mit poliert haben, man liebt das kleinste Bild, die kleinste Vase es gehört zu unserm Leben zu zweit. Ich schicke Dir Bilder von den Zimmern, am fertigsten und schönsten ist das Schlafzimmer und mit der bunten Bettüberdecke und den Gardinen die denselben Stoffstreifen tragen. Du wirst von Mama hören wie die Stoffreste, bis auf den Zentimeter auskamen, (aus B. bekamen wir die Reste) Für das Badezimmer kauften wir uns eine Wanne, 1 billigen Badeofen und ein Klo, es fehlt noch die Leitung, wir schöpfen noch aus der torna.<br />
Du, ich trage Deine Reites viel! Sie passen so gut in die Umgebung! Nachdem ich 14 Tage in der Hauptstadt (bei W.s) gewohnt und so allerhand von den Menschen dort gehört und gesehen habe, preise ich mich glücklich nicht dort wohnen bleiben zu müssen, sondern zur Finca zurückzukommen. Dies Getratsche, diese Cafés, diese Nichtstadt Guatemala! Bei W.s sind Rudu und ich sehr freundlich und herzlich aufgenommen, ich kann sie jeder Zeit um etwas bitten, Sonntag besuchen sie mich. Frau W. ist unproblematisch aber die allersympathischste Dame aus Guatemala, jedenfalls treffen wir uns in gleichgesinnter Natürlichkeit.<br />
In der ersten Zeit haben wir sehr viele Reittouren gemacht, ich meist auf Werner K.s Mula, die ihre Nervosität mit der Zeit verloren hat. Durch alle Cafetales („Camilla“ kommt prächtig, und erfüllt das ganze Blickfeld vom Schreibtisch aus gesehen) bindend, wie schön ist’s im Urwald! Ditmar, der ca 5 Wochen bei uns wohnte brachte uns das Autofahren bei, nur am Schalter haperts noch etwas. Aber von P. zur Finca komme ich ohne Zwischenfall.<br />
Jetzt wird das alles etwas in den Hintergrund gedrängt, denn im Dezember, Leni, werden wir zu dreien dort oben hausen, Du hast es sicher schon gehört. Es ist mir selber noch ein so unvorstellbarer Gedanke, daß plötzlich ein kleines Wesen in unser Leben treten wird, ein sehr glückseliger heimlicher Gedanken, den wir noch tief in uns verschließen und über den ich Dich bitte auch noch ganz zu schweigen. Es ist ja nun so enorm wichtig, daß ich schnell wieder auf den Damm komme!<br />
Was wirst Du zu Rugi gesagt haben, dem süßen Kerl als wir um Weihnachten in V. waren und ich soviel mit ihm zusammen war, habe ich mir zum ersten Mal ein Kind gewünscht. Hertha wirst Du ja auch begegnet sein. Ich halte doch sehr viel von ihr!<br />
Leni hast Du Ski gelaufen? Und nette Menschen kennen gelernt? Was macht Richard nun eigentlich? In den Sommerferien kommst Du doch sicher nach N.? Ich denke so viel an den Frühling, in N. und R. Ostern war es gewiß nett dort!<br />
Vor einem Jahr war unser Empfangstag, wir retteten uns aus dem Besuche machen zu Mamas Geburtstag nach N.! Jetzt bin ich in San Rafael!<br />
Leni, ich will Schluß machen. Die vorgerückte Stunde zaubert diese Schrift aufs Papier, entschuldige, ich konnte durch die Fülle des Stoffs nicht rasch genug schreiben.<br />
Ich wünsche Dir nochmals alles Gute, einen schönen Geburtstag, und schließe Rudus Wünsche hier mit dran, denn er kommt vielleicht nicht zum schreiben, obgleich ich ihn erinnerte, da er zuviel zu tun hat, er ist abends so totmüde. Grüße alle Lieben die gerade um Dich sind und auch Friedrich sehr herzlich. Ich hoffe so, daß seine er sich in seine Arbeit gefunden hat, und er schnell voran kommt.<br />
Viel Liebes von<br />
Deiner Ingrid.<!--more--></p>
<hr />
<p>Ingrid ist, wie wir wissen, schwanger. Nebenbei plagt sie das &#8222;Kolerinchen&#8220;, der Durchfall also. Mir kommt sie in diesem Brief sehr atemlos vor, niedergestreckt von den ganzen neuen Eindrücken, die auf sie einprasseln. Schade, dass die Bilder von dem Haus nicht mehr vorhanden sind!</p>
<p>&#8222;Camilla&#8220; dürfte eine Kaffeesorte sein.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/310535/">31.05.1935: ein unerhörtes Glück (Ingrid)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>08.01.1935: &#8230; mit Dir und Maria auf keinem guten Fuß &#8230; (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/080135/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2013 10:36:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
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		<category><![CDATA[intrigen]]></category>
		<category><![CDATA[scheidung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hoppla, Weihnachten verpasst. Rudu ist wieder &#8222;drüben&#8220; und es gibt einiges zu berichten: bevorstehende Geburten und Scheidungen, eventuelle Europareisen und irgendwelche Intrigen wegen Richard. La V., 8.I.35 Meine liebe Leni! Du Gute bist schlecht behandelt. Aber noch immer sind wir nicht recht zur Ruhe gekommen. In B. gleich krank, über U. sehr spät, nach Weihnachten, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/080135/">08.01.1935: &#8230; mit Dir und Maria auf keinem guten Fuß &#8230; (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hoppla, Weihnachten verpasst. Rudu ist wieder &#8222;drüben&#8220; und es gibt einiges zu berichten: bevorstehende Geburten und Scheidungen, eventuelle Europareisen und irgendwelche Intrigen wegen Richard.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La V., 8.I.35</p>
<p>Meine liebe Leni!</p>
<p>Du Gute bist schlecht behandelt. Aber noch immer sind wir nicht recht <span id="more-311"></span>zur Ruhe gekommen. In B. gleich krank, über U. sehr spät, nach Weihnachten, erst hier in V. Alles besehen, Besuche von Nachbarn, Ingrid noch immer ein bischen empfindlich durch das Kleine in Punkto Gesundheit – jedenfalls eine große Unruhe noch, sodaß Schreiben schwierig fiel. Aber ehe die Reise nun morgen nach U. zurückgeht, muß ich Dir noch vor Morgen danken für Deinen langen Brief. Es hat mir so unendlich leid getan, das Unglück von Friedrich und damit auch Deinen Kummer zu hören. Mutter hatte es schon nach B. geschrieben. Die näheren Umstände erfuhr ich aber erst durch Dich und mir ist, als machten die Einzelheiten das ganze doppelt schmerzlich.</p>
<p>Inzwischen wird sich sicher in irgendeiner Weise für Friedrich etwas gefunden haben, jedenfalls glaube ich das annehmen zu können. Im übrigen kann ich nur wünschen, Dir die Daumen drücken, denn irgendwelche Ratschläge von hier aus sind sehr schwer. Friedrich wird bestimmt seinen Weg schon machen, für Dich wird einzig schwer sein der Ablauf der Zeit. Doch kann man da nicht auf irgendeinen glücklichen Umstand hoffen, der Euch hilft? –</p>
<p>An die Eltern schreibst Du über Maria + Werner. Zum Teil wußten wir Bescheid, einzig neu ist, daß Werner sich mit der Schwester seiner ersten Frau zu verheiraten gedenkt. So sagt man hier jedenfalls. Sie soll Geld haben, die Gelder wird er dann verwalten. <span style="text-decoration: line-through;">Achi </span>Durch dies Gerücht wird einem alles verständlicher, sollte es der Wahrheit entsprechen. Denn er wird sich sagen: ehe Maria erbt bin ich ein alter Mann, ich erlebe <span style="text-decoration: underline;">nichts</span> mehr davon. –</p>
<p>Hier ist alles wohlauf. Rugi ist ganz reizend, besonders Ingrid hat ihn an ihr Herz geschlossen, sie spielt den ganzen Tag mit ihm. Ingrid hat leider ziemlich abgenommen und muß sich daher etwas ruhig halten. Sie mag hier zum Glück im Lande gern sein.</p>
<p>Mit Hertha wirklich auf einen herzlichen Fuß zu kommen fällt ihr schwer*. Hertha tut sehr mütterlich, ist so auf sich selbst konzentriert, daß sie sich auf einen anderen nur schwer einstellt. Sie redet selbst so viel, daß sie nicht oft die Zeit findet, noch anderen zuzuhören. Ingrid, schon von Natur andere Menschen im allgemeinen fernhaltend und dazu neigend, sich abzuschließen, tut in einem solchen Falle erst recht den Mund nicht auf. Hertha <span style="text-decoration: underline;">ist</span> der Mittelpunkt und das ist auch gut so, aber sie <span style="text-decoration: underline;">will</span> es auch sein und das gibt Spannungen. Schon wie Hertha Mama hier immer zur „Oma“ macht, zur guten alten ist nur drollig. – Alles das ist so unter der Decke, wir verstehen uns alle sonst sehr gut. Ingrid geht nur sehr ungern wieder fort, denn in La U. erwartet uns einstweilen noch ein ziemliches Durcheinander. Dithmar wird für einige Zeit noch nach Guatemala gehen und in U. + B. wohnen. Von unserem Häuschen bekommst Du Beschreibungen und Bilder sowie es soweit ist. –</p>
<p>Hertha + Achim überlegen sich sehr ihre ihnen von Papa freigestellte Europareise. Mit 2 Kindern, in Murnau kleine Verhältnisse + kein Platz – in N. an Papa etc. angebunden, mit Dir + Maria auf keinem guten Fuß, sodaß sie eigentlich ziemlich allein sich fühlen werden. Denn Mama + Papa sehen sie hier, Eltern P. sind nur verschnupft, wenn H. + Achim nicht dauernd bei ihnen sind. Erholungsbedürftig fühlen sie sich auch nicht – also ein Problem ob oder ob nicht. Die Vertretung hier hapert auch, da Guole heiratet und außerdem auch Greiser gehen will, wenn Guole Oberaufsicht erhält. –</p>
<p>Gespannt bin ich darauf, was Du über Maria + die Zeit der Geburt, Scheidung etc. schreibst. Hoffentlich war die Zeit für Dich nicht so unerfreulich.</p>
<p>Dein Brief kam übrigens spät in meine Hände, weil wir hier erst Ende Dezember einrückten. Er war am 17. Dez. in Huehuetan.</p>
<p>Wie es wohl Albrecht in R. nachher geht. Er wird ja verwöhnt werden. Und wie Ihr wohl Weihnachten feiertet!? Die Nachrichten aus R. sind gut, ich freue mich mit Ing. auf die Post in U.</p>
<p>Leb‘ wohl für heute. Ingrid wird schreiben sowie sie erstmal Wurzeln geschlagen hat. Sie läßt Dich sehr herzlich grüßen, vor allem bubbt Dich aber</p>
<p>Dein Rudu</p>
<p>Grüß Friedrich vielmals. In Angelegenheit Richard herrscht noch Dunkelheit. In Guatemala wird stark mit Intrigen gearbeitet, u. a. wird versucht, daß ihm der Staat Guatemala die Einreise verweigert. Hoffentlich wird noch alles gut. Und Richard + Renate?</p>
<p>*und braucht Zeit.</p>
<hr />
<p>Von Hertha, Rudus und Lenis Schwägerin, habe ich übrigens nie viel Gutes gehört. War wohl eine leicht unentspannte Person. Ihre Eltern scheinen ebenfalls nicht die gechilltesten gewesen zu sein (Stichwort &#8222;verschnupft&#8220;). Rugi, der Sohn von Achim und Hertha, war später oft in Hamburg. Interessant finde ich die Formulierung, dass Ingrid ihn <strong>an</strong> ihr Herz geschlossen hat. Spricht für reichlich Umarmungen!</p>
<p>Was nun genau mit der ältesten Schwester Maria los ist (bevorstehende Geburt und Scheidung), mit Richard und vor allem mit meinem Großvater Friedrich, bleibt leider verborgen. Friedrich ist mit Leni anscheinend bereits verlobt.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/bd1cd99a10044c6e846b5ab6d4f18b7c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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