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	<title>wolle Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>wolle Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Wollkram</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2015 07:18:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Handkram]]></category>
		<category><![CDATA[akupunktur]]></category>
		<category><![CDATA[klinik]]></category>
		<category><![CDATA[schützenfest]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Halb sechs am Morgen. Der übliche Herr duscht. Ich kann das ignorieren. Bis meine neue Nachbarin Inge ihr Licht anmacht und ihrerseits lautstark das Bad aufsucht. (Oh ja, das geht.) Es folgen Deospray, Haarspray, noch irgendein Spray und Parföng. Aus unerfindlichen Gründen weiß ich nichts über ihren Beruf (sie durfte zu Hause bleiben, als die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Halb sechs am Morgen. Der übliche Herr duscht. Ich kann das ignorieren. Bis meine neue Nachbarin Inge ihr Licht anmacht und ihrerseits lautstark das Bad aufsucht. (Oh ja, das geht.) Es folgen <span id="more-1231"></span>Deospray, Haarspray, noch irgendein Spray und Parföng. Aus unerfindlichen Gründen weiß ich nichts über ihren Beruf (sie durfte zu Hause bleiben, als die Kinder klein waren) und in mir verankert sich die Vision der Puffmutter.</p>
<p>Auch Majanne ist erwacht (&#8222;Vor elf kricht mich niemand wach&#8220;) und sagt: &#8222;So früh!&#8220; Inge: &#8222;Weiterschlafen!&#8220;</p>
<p>Sie löscht das Licht so laut es geht und ich sehe sie mit leicht gehobenem Haupt neben mir liegen, ist ja auch schwierig so mit gestylten Haaren.</p>
<p>Wieder geht das Licht an, diesmal ist es die Schwester. &#8222;Wissen Sie noch, wie der zweite Wert beim Zuckertest war?&#8220; &#8211; &#8222;&#8230;&#8220; &#8211; &#8222;Der wurde nicht eingetragen.&#8220; &#8211; &#8222;Öhm, 160?&#8220; &#8211; &#8222;Ja? Sonst müssten wir noch einmal &#8230;&#8220; &#8211; &#8222;Dochdoch, 160.&#8220;</p>
<p>Ein paar Minuten später steht sie mit meiner Akte da. &#8222;Der erste Wert war 162. Sind Sie sicher, dass der zweite &#8230;&#8220; Wir einigen uns auf 140, Majanne und Inge schmeißen ihre Glotzen an und ein neuer Tag im Gruselkabinett der Wolle beginnt.</p>
<p>Majanne und Inge stricken leidenschaftlich und aus ihrer Euphorie, eine Wollgenossin gefunden zu haben, schließe ich, dass sie in ihrer jeweiligen Welt mit ihrem Hobby allein sind. Als meine lustigen Zimmergenossinen weg waren, kam Majanne und klärte mich über ihr Leben auf. Ich sagte nicht viel, schrieb ein bisschen mit, damit Ihr was zum Lachen haben würdet, aber es war nicht mal wirklich unterhaltsam.</p>
<p>Dann kam Inge, Majannes Lebensgeschichte wurden noch einmal ausgerollt, Inges beschränkte sich auf raffinierte Möglichkeiten, umsonst an Wolle zu kommen. Das klappt so gut, dass sie ein extra Wollzimmer hat. Inge hatte die bisherigen sechs Stunden in der Klinik dazu genutzt, einen 40 cm langen und 10 cm breiten, fleischfarbenen Lappen zu stricken. Ich vergaß zu fragen, was es wird. Ein Stulpenschal vielleicht, das soll ihre Spezialität sein.</p>
<p>Bei den Gardinen sind sich die beiden uneinig. Majanne strickt ihre, während Inge ihre lieber häkelt. Dafür strickt sie breit gestreifte Kissen mit einer fetten Schleife drauf.</p>
<p>Ihr wollt wissen, wie es mir geht? Nervenwasser ohne Befund (das ist gut), Akupunktur mit Frau Wu, der tollen Stationsärztin, kein Befund in Sicht und um mich herum &#8230; naja, die hab ich wohl ausführlich genug erwähnt. Ich war schon besser drauf. Weil Ihr Euch so lieb kümmert, möchte ich Euch auch einen Gefallen tun. Es ist der Rat der weisen Majanne, den ich an Euch weitergebe: Geht nicht in Hannover aufs Schützenfest.</p>
<p><img decoding="async" alt="" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/f94e42dcf0ac4d27a2547be6ed5e51b2" width="1" height="1" /></p>
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		<title>27.09.1938: über die Wolle (Ingrid)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/270938/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Nov 2013 14:38:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1938]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[hitler]]></category>
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		<category><![CDATA[rede]]></category>
		<category><![CDATA[steppnaht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ingrid ist noch immer in Deutschland und nutzt die Gelegenheit, um sich neu einzukleiden. den 27. Sept. [von Leni ergänzt: 38 N.] Liebe Leni, Schnell ein paar Worte über die Wolle. Mama will sie Dir geben, und erhält bei nächster Gelegenheit von drüben welche durch irgendjemand, dem ich sie mitgeben kann. Also bring sie schnell [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ingrid ist noch immer in Deutschland und nutzt die Gelegenheit, um sich neu einzukleiden.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">den 27. Sept. [von Leni ergänzt: 38 N.]</p>
<p>Liebe Leni,</p>
<p>Schnell ein paar Worte über die Wolle. Mama will sie Dir geben, und erhält bei nächster Gelegenheit von drüben welche durch <span id="more-490"></span>irgendjemand, dem ich sie mitgeben kann.</p>
<p>Also bring sie schnell zu Niemann, mein Pullover (der Grüne) liegt dort noch. Dann mußt Du nochmal sagen, daß sie den Pull für Dich so und so abändern und mir den grünen so schnell wie möglich mit der Rechnung ans Kontor senden. Die Adresse haben sie. Das anfertigen <span style="text-decoration: line-through;">kostet</span> dauert nämlich 3 Wochen, aber sie meinten, den Pullover schon eher entbehren zu können.</p>
<div id="attachment_491" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-491" class="size-medium wp-image-491 " src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34.jpg?w=300" alt="Schick!" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/11/brief-34-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-491" class="wp-caption-text">Schick!</p></div>
<p>Du denkst sicher noch oft an N., das wirklich bei diesem Sonnenwetter noch sommerlich und herrlich ist. Das Wild hat sich leider ganz verzogen, man hört kaum noch einen Hirsch schreien. Wir radeln und rudern und ich probiere all die neuen sehr gut gelungenen Kleider an, Du wirst sie ja noch sehen, ich trage schon das grüne mit den durchgezogenen Steppnähten und das hellbalue mit dem Einsatz und Schnüren vorn. Auch hat Frl. D. mir alte Kleider fabelhaft geändert. Sie ist ein Daus, alles sitzt prima. Nun bleibt sie wahrscheinlich noch die ganze Woche für Mama, die ihre Novembertage vorwegnimmt.</p>
<p>Anna + Carlh. N. sind reizend.</p>
<p>Habt Ihr Hitlers Rede gestern abend gehört? Schrecklich ist die Spannung bis zum 1. Okt. Gut, daß man nicht immer daran denkt.</p>
<p>Grüsse Friedrich + Tirili, schade, das ihr nicht noch diese Tage hier seid. Und Tiri? Hoffentlich kommt es nun bald!</p>
<p>Sehr herzlich</p>
<p>Deine Ingrid.</p>
<p>Albrecht telefonierte gleich nach der Operation, die am Montag früh gemacht worden ist. Es ist gut verlaufen.</p>
<hr />
<p>Wurde Albrecht selbst operiert? Ich finde nichts darüber. Auch kann ich wieder einmal ein Wort nicht lesen, helft Ihr mir? Bei Ingrid muss man ja immer auch damit rechnen, dass sie sich verschrieben hat. Ihr Kommentar zu <a title="Hitlers Rede" href="http://www.ns-archiv.de/krieg/1938/tschechoslowakei/wollen-keine-tschechen.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hitlers Rede</a> ließ mich etwas ratlos zurück, denn man weiß ja nicht so recht, ob sie positiv oder negativ dazu eingestellt ist. Inzwischen bin ich mir sicher, dass Lenis Position deutlich dagegen war, das beruhigt mich sehr und so denke ich, dass man auch Ingrid eher einen entsetzten als einen begeisterten Unterton zuordnen darf.</p>
<p>Dies ist der letzte Brief aus der Vorkriegszeit. Während des Krieges gab es keinerlei Briefwechsel. Mittlerweile ist noch ein zweiter Ordner mit Briefen auf meinem Schreibtisch gelandet, die ich nun zwischen die bereits abgetippten ab 1945 ordnen muss. Es kann also sein, dass die Chronologie in Zukunft etwas leiden wird.</p>
<p>Edit: Harmen hatte die Freundlichkeit, mit mitzuteilen, dass Daus das Wort ist, das ich nicht finden konnte. Teufelskerl! Famos!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d836c7ce4cb54b6c9dd42c5b87eab6e2" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/270938/">27.09.1938: über die Wolle (Ingrid)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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