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	<title>schwerin Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>schwerin Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Gefangenschaften &#8211; Leni bloggt (9)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/gefangen-4-6-45/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2015 07:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[Vor 70 Jahren]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtlingskost]]></category>
		<category><![CDATA[gefangenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[krankenhaus]]></category>
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		<category><![CDATA[russische gefangenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[schwerin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdem Leni kurz vor Kriegsende ihren jüngsten Sohn zurücklassen und den zweitjüngsten zu Grabe tragen musste, sitzt sie nun mit den beiden großen Kindern in Schwerin im Krankenhaus fest. Die siebenjährige Helene hat es besonders schlimm erwischt, noch ist nicht daran zu denken, nach Hamburg weiterzuziehen. Die Strecke muss zu Fuß bewältigt werden, Transportmittel sind [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem Leni kurz vor Kriegsende ihren jüngsten Sohn zurücklassen und den zweitjüngsten zu Grabe tragen musste, sitzt sie nun mit den beiden großen Kindern in Schwerin im Krankenhaus fest. Die siebenjährige Helene hat es besonders schlimm erwischt, <span id="more-1355"></span>noch ist nicht daran zu denken, nach Hamburg weiterzuziehen. Die Strecke muss zu Fuß bewältigt werden, Transportmittel sind knapp.</p>
<p>Hätte Leni bloggen können &#8230;</p>
<hr />
<p>Das Wetter ist wunderschön, die Sonne scheint und ich verbringe mit den Kindern so viel Zeit wie möglich außerhalb vom Krankenhaus. Hoffentlich können wir bald los, ich fühle mich hier wie gefangen. Ich habe weder von Friedrich Neuigkeiten, noch von Paulina oder von meinem kleinen Hans. Ob Paulina in Hamburg angekommen ist? Wenn Friedrich dort wäre, würde er sicher herkommen. Ich weigere mich, mit dem Schlimmsten zu rechnen, denn wenn etwas in diesem Chaos funktioniert, dann doch die Zustellung der Benachrichtigungen, wenn ein Soldat gefallen ist. Vielleicht sitzt er längst auf dem Gut und wartet auf uns.</p>
<hr />
<p>Hätte Friedrich bloggen können &#8230;</p>
<hr />
<p>Es ist so sinnlos, hier auf dem Gut herumzusitzen. Aber vor ein paar Wochen hat man mich kurzerhand zum Bürgermeister dieses Kaffs gemacht, ich sei hier schließlich der einzige Nicht-Nazi, hat es geheißen. Ich lasse die Flüchtlinge auf die Häuser verteilen, aber es ist unmöglich, gegen die Ströme anzukommen und für jeden, der weiterzieht, kommen drei nach.</p>
<p>Am Ende der Allee tauchen die Russen auf. Ich stehe vor der Tür. &#8222;Du, mitkommen!&#8220;, sagen Sie. Der Gewehrlauf überzeugt mich.</p>
<p>Vom Bürgermeisteramt in die russische Gefangenschaft. Der Krieg ist noch lange nicht vorbei.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/085f789fa4eb46bcb118ca1910c73129" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Beerdigungen &#8211; Leni bloggt (8)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/beerdigungen-9-5-45/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2015 05:03:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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		<category><![CDATA[mecklenburg]]></category>
		<category><![CDATA[passierschein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Waffen schweigen. Der Krieg ist vorbei. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Helene geht es noch immer nicht gut, sie liegt in dem überfüllten Krankenhaussaal und wir können nicht nach Hamburg weiter. Klaus geht es besser, aber auch er ist geschwächt. Ich möchte endlich meinen kleinen Hans holen und Christian beerdigen. Ich lasse [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/beerdigungen-9-5-45/">Beerdigungen &#8211; Leni bloggt (8)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Waffen schweigen. Der Krieg ist vorbei. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Helene geht es noch immer nicht gut, sie liegt in dem überfüllten Krankenhaussaal und wir können nicht nach Hamburg weiter. Klaus geht es besser, aber auch er ist geschwächt.<span id="more-1348"></span></p>
<p>Ich möchte endlich meinen kleinen Hans holen und Christian beerdigen. Ich lasse die verzweifelten großen Kinder zurück und schlage mich nach Osten durch. Überall finden Aufräumarbeiten statt, Leichen werden begraben. Ich muss mich beeilen. Irgendwo muss das kaputte Auto doch zu finden sein. Das Auto, in dem Christian liegt.</p>
<p>Und ich finde es.</p>
<p>Ich trage den kleinen Menschen auf ein Feld und begrabe ihn abseits der Massengräber. Ich präge mir den Ort genau ein. Doch als ich mich zum Gehen wende und die Straße erreiche, kommen mir Zweifel. Noch einmal zurück. Da ist das Grab.</p>
<p>Nun muss ich weiter nach Osten, immer gegen den Strom, der deutlich abnimmt. Ich will zu meinem Jüngsten, der seit über einer Woche auf mich wartet. Von einem amerikanischen Soldaten habe ich einen Passierschein bekommen, doch wieder scheitere ich am Russen. Hier stehe ich und kann nicht zu meinem Sohn. Zwei Kinder auf der einen, eins auf der anderen Seite. Das Risiko ist zu groß. Ich kehre nach Schwerin zurück.</p>
<p>Auf dem Weg noch einmal zu Christians Grab. Doch das Autowrack ist fort, alle Felder sehen gleich aus. Ich finde ihn nicht.</p>
<hr />
<p>So sah Lenis Kriegsende aus. Ihr Mann Friedrich ist unterdessen aus der russischen Gefangenschsft geflohen und unterwegs nach Norden, zum Gut.</p>
<hr />
<p>Tagsüber verstecken, nachts zu Fuß durch den Wald. Ich orientiere mich am Nordstern. Der Hunger ist übermächtig, aber ich muss weiter. Noch in der Dunkelheit grabe ich mich im Laub ein, damit mich niemand entdeckt. Dann, eines morgens höre ich Gelächter.</p>
<p>Das Unfassbare ist geschehen.</p>
<p>Ich habe mich mitten in einem russischen Biwak versteckt. Mongolisch aussehende Soldaten stehen um mich herum, fuchteln mit Pistolen. Ich lache mit ihnen, was bleibt mir übrig? Man wirft mir ein Stück Brot zu, dann stutzt der eine und deutet auf meine Hand. Den goldenen Ehering wollen sie haben.</p>
<p>&#8222;Der geht nicht ab&#8220;, sage ich und ziehe mir am Ringfinger. Mein Gegenüber zückt einen Dolch. Auf wundersame Weise lässt sich der Ring nun doch vom Finger ziehen.</p>
<p>Und dann stehen wir da. Pistolengefuchtel.</p>
<p>Ich bin ganz ruhig.</p>
<p>Das Gefuchtel wird stärker und schließlich begreife ich, was der Mann von mir will: Ich soll abhauen.</p>
<p>Ich haue ab. An diesem Tag ist an Schlaf nicht zu denken.</p>
<p>Und dann, endlich, erreiche ich den kleinen Ort am Gut.</p>
<p>&#8222;Wissen Sie etwas über meine Familie?&#8220;, frage ich die Erstbeste. &#8222;Die vom Gut? Die sind alle tot&#8220;, lautet die Antwort.</p>
<p>Es ist nicht mehr weit, durchhalten, es kann nicht stimmen, was die Frau gesagt hat. Ich erreiche das Gut nach insgesamt mehr als 100 km zu Fuß.</p>
<p>Menschen mit durchgeschnittenen Kehlen. Das Herrenhaus ist vollkommen verwüstet. Nach und nach erfahre ich, was passiert ist.</p>
<p>Der Besitzer habe seine Familie erschossen. Nein, das kann nicht sein. Das wäre ja ich gewesen. Oder Albrecht. Dann war es der Verwalter. Sich und seine Frau wollte er auch töten, doch beide haben überlebt. Und die wahren Besitzer? Wo ist Leni, wo ist meine Schwägerin Elfi? Wo die Kinder?</p>
<p>Schulterzucken. Vielleicht sind sie noch rechtzeitig geflohen. Nein, von hier aus kommen Sie jetzt nicht mehr nach Westen.</p>
<p>Im Bootshaus finde ich eine Angel. Ich begrabe herumliegende Leichen, meine Familie ist nicht dabei.</p>
<p>Ich brate mir Fisch.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/d49b281edc684e3eb0116760b152cc9d" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>Fluchtgeschichten &#8211; Leni bloggt (7)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/fluchtgeschichten-4-5-45/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2015 07:42:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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		<category><![CDATA[russische besatzungszone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir sitzen im Krankenhaus fest. Die 7-jährige Helene wird noch eine ganze Weile liegen müssen, ihr eines Bein ist stark verletzt. Bei Klaus sieht es besser aus, und auch mein Arm ist nicht allzu übel zugerichtet. Ich habe die Genehmigung der Amerikaner, mich weiter nach Osten durchzuschlagen, aber es ist mir bisher weder gelungen, den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sitzen im Krankenhaus fest. Die 7-jährige Helene wird noch eine ganze Weile liegen müssen, ihr eines Bein ist stark verletzt. Bei Klaus sieht es besser aus, und auch mein Arm ist nicht allzu übel zugerichtet. Ich habe die Genehmigung<span id="more-1344"></span> der Amerikaner, mich weiter nach Osten durchzuschlagen, aber es ist mir bisher weder gelungen, den Wagen mit dem toten Christian zu finden, noch konnte ich bis zu dem Gut vordringen, auf dem sich der einjährige Hans befindet.</p>
<p>Zurück im Krankenhaus wird mir mitgeteilt, dass ich gesucht werde. Paulina, meine Hausangestellte, sitzt am Bett von Helene. Oh, wie bereue ich es, ihr meinen Hans nicht mitgegeben zu haben.</p>
<p>Sie ist vollkommen aufgelöst, der Treck wird nicht weitergelassen und von unseren drei Fuhrwerken ist nur noch eins übrig, Paulina wurde vollkommen ausgeplündert. Auch jetzt will sie schnell zurück, um auf das restliche Hab und Gut zu achten. Ich gehe mit ihr und bin entsetzt, wie wenig uns geblieben ist.</p>
<p>Sie wird weiterhin versuchen, nach Hamburg zu gelangen. Wir können nur hoffen, dass sie dort meine Schwiegermutter wohlbehalten antrifft.</p>
<hr />
<p>Leni sitzt also weiterhin in Schwerin fest, während ihr jüngster Sohn nur wenige Kilometer von ihr entfernt auf sie wartet. Von ihrem Mann Friedrich hat sie keinerlei Neuigkeiten. Was hätte er berichtet? Ungefähr das hier:</p>
<hr />
<p>Am 1. Mai kapitulierte meine Truppe in Fehrbellin. Nach monatelangen Kämpfen waren wir vollkommen erschöpft und geradezu dankbar für die Ankunft des Russen. Man trieb uns hinter Stacheldraht zusammen und dann wurde offenbar beraten, was mit uns zu geschehen sei. Es gibt Gerüchte über Transporte nach Sibirien.</p>
<p>In der zweiten Nacht gelang es mir zu fliehen. Seitdem gehe ich nach Norden. Immer nach Norden, durch die zerstörten Wälder. Nachts marschiere ich, tagsüber verstecke ich mich im Laub. &#8222;Marschieren&#8220; ist maßlos übertrieben, ich stolpere voran und versuche, etwas Essbares zu finden. Ich hoffe, meine Familie wohlbehalten auf dem Gut anzutreffen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der furchtbarste Tag &#8211; Leni bloggt (5)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/der-furchtbarste-tag-1-5-45/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2015 09:25:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mit jedem Meter werden die Straßen voller. Nicht, dass das möglich wäre. Von rechts und links drängen sich weitere Fahrzeuge in den Treck, genau so, wie wir es gestern fluchend und schubsend getan haben. Diese Fahrt ist die Hölle. Wir sind für den Nieselregen und die niedrigen Temperaturen dankbar, der Gestank ist so schon schlimm [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit jedem Meter werden die Straßen voller. Nicht, dass das möglich wäre. Von rechts und links drängen sich weitere Fahrzeuge in den Treck, genau so, wie wir es gestern fluchend und schubsend getan haben.</p>
<p>Diese Fahrt ist die Hölle. Wir sind für den Nieselregen und die niedrigen Temperaturen dankbar, der Gestank ist so schon schlimm genug. Die Kinder schlafen auf dem Wagen, wir &#8222;Großen&#8220; haben uns die Nacht über wachgehalten, um voranzukommen. Es ist entwürdigend, an den Straßenrand zu machen, aber man muss sein Hab und Gut im Auge behalten. Ich zähle die Stunden, die wir noch auf dieser Straße verbringen müssen. Doch das Tempo wird immer langsamer und so vervielfachen sich die Stunden, statt sich zu verringern.</p>
<p>Von allen Seiten kursieren Gerüchte. Hitler soll tot sein. Tiefflieger würden die Trecks angreifen.</p>
<p>&#8222;Warum tun die so was?&#8220;, höre ich eine Frau fragen. &#8222;Wir haben ihnen doch nichts getan!&#8220; Ich mustere sie. Sie wendet sich ab und stimmt mit ihrem Sohn das Panzerlied an. Ob Hitler wirklich tot ist? Wir sehen Kinder, die ohne Eltern unterwegs sind. Es heißt, ihre Mutter habe sich umgebracht. Meine Kinder sind vier, sechs, sieben und gerade mal ein Jahr alt. Um mehr kann ich mich nicht kümmern. Ich weiß ja auch gar nichts über sie.</p>
<p>Meine Großen schieben Hans im Kinderwagen neben dem Fuhrwerk her, so sind sie beschäftigt. Ein Kind schiebt, die beiden anderen heben den Wagen über die Hindernisse. So haben alle vier Spaß und sind abgelenkt.</p>
<p>Es wird Abend. Nach zwei Tagen sind wir nicht einmal 50 km von zu Hause entfernt, es ist wirklich unerhört. Ich berate mich mit Paulina und der Gärtnerin, ob wir versuchen sollen, für die Nacht auf dem Gut von Dr. Paul unterzukommen.</p>
<p>&#8222;Wir sind erst zwei Tage unterwegs, wir können uns morgen ausruhen&#8220;, sagt Paulina. &#8222;Es ist nicht gut, hierzubleiben.&#8220; Wir verladen die Kinder wieder, sie sollen ein bisschen schlafen. Ich halte Ausschau nach Dr. Paul, als wir auf Höhe des Gutes sind, doch in dem Gedränge kann ich niemanden entdecken.</p>
<p>Dröhnen. Schüsse, Schreie. Tiefflieger!</p>
<p>Aus den Wagen! Alles strömt zu den Gebäuden, in die Gräben, an die Häuserwände. Ich stürze mit meinen drei großen Kindern in den Pferdestall, Hans bleibt im Kinderwagen auf dem Wagen liegen, ich kann ihn nicht mitnehmen. Noch über das Geschrei der Großen höre ich ihn brüllen.</p>
<p>Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und wir wagen uns aus der Deckung.</p>
<p>Wir drängeln uns in Richtung Treck, ich will zu Hans! Am Gutstor treffen wir unsere Gärtnerin, Paulina ist schon am Treck. Im selben Moment kommen die Flieger zurück.  &#8222;Schnell, wir bleiben hier und stellen uns unter den Baum an der Mauer&#8220;, ruft die Gärtnerin. Und da sitzen wir zusammengeduckt aneinander und lassen uns abknallen. Ich spüre, wie die Gärtnerin lautlos neben mir zusammensackt, während mich ein scharfer Schmerz in den rechten Arm beißt. Die Kinder schreien wie am Spieß, ich sehe überall Blut. Sie schreien, also leben sie! &#8222;Steht auf!&#8220;, brülle ich, doch nur der sechsjährige Klaus kann noch gehen, Helene und Christian schleppe ich unter die Wagenremise.</p>
<p>Ich schreie Menschen an, dass sie die Gärtnerin auch zu mir bringen und fange die Militärärzte ab, die ohnehin hier ihr Quartier haben. Sie verbinden uns und wir werden ins Haus gebracht. Wo ist Hans, wo ist Paulina? Leben sie noch?</p>
<p>&#8222;Sie wird höchstens noch eine Stunde leben&#8220;, höre ich es neben mir sagen. Es ist der Arzt, der die Gärtnerin untersucht hat, die besinnungslos neben mir auf dem Boden liegt. &#8222;Aber retten Sie Ihren Sohn!&#8220; Den wimmernden Christian halte ich im Arm, er ist an Kopf, Lunge und Hand verletzt. &#8222;Bringen Sie ihn nach Schwerin&#8220;, sagt der Arzt. &#8222;Beeilen Sie sich!&#8220;</p>
<p>Irgendwie bekomme ich einen Wagen organisiert, da taucht Paulina mit Hans im Arm auf. &#8222;Lassen Sie ihn mit dem Kinderwagen hier und fahren Sie weiter&#8220;, rufe ich ihr zu. &#8222;Ich kann ihn doch mitnehmen&#8220;, sagt sie, aber ich möchte ihn nicht so lang alleine lassen, von Schwerin aus kann ich ihn hier in ein paar Stunden holen und dann fahren wir zusammen weiter nach Hamburg. Wenn er mit Paulina irgendwo vor uns im Treck ist, treffe ich ihn erst in Hamburg wieder.</p>
<p>&#8222;Der Wagen ist bereit, steigen Sie ein!&#8220;, werde ich ermahnt. Die Gärtnerin darf nicht mit, &#8222;es ist hoffnungslos&#8220;, und so gebe ich dem brüllenden Hans einen Kuss und quetsche mich mit den drei heulenden großen Kindern in den Militärwagen.</p>
<p>Die Straße ist natürlich nach wie vor verstopft, überall brennen Wagen, es ist stockfinstere Nacht, keiner darf mit Licht fahren, wegen der dauernden Flieger. Auch im Wagen ist es dunkel, neben mir stöhnt Christian, dem ich nicht die geringste Hilfestellung geben kann, da mein rechter Arm durch die Verwundung vollkommen unbeweglich und sehr schmerzhaft ist.</p>
<p>Dann stöhnt er nicht mehr.</p>
<p>Mein Kind stirbt neben mir, ohne dass ich es sehen, noch ihm helfen kann.</p>
<p>Dann hat der Wagen eine Panne und wir liegen die ganze Nacht auf der Chaussee. Bei jedem Fliegergeräusch bekommen die Kinder wieder Angst. Wie soll ich sie beruhigen, wenn ihr toter Bruder neben uns liegt?</p>
<p><em>Dieser Text ist teilweise wörtlich aus den Briefen von Leni und Friedrich erstellt, den Rest habe ich mir zusammengereimt. Doch auch Friedrich hatte es an diesem Tag nicht leicht. Nach monatelangen Nah- und Straßenkämpfen bei Arnswalde liegt seine Truppe zum Zeitpunkt der Kapitulation am 1.5. in Fehrbellin und Friedrich gerät in russische Gefangenschaft.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/3576b705f04f44e5a76f383024884d62" width="1" height="1" alt=""></p>
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			</item>
		<item>
		<title>23.06.1946: Er war ein zauberhafter Junge (Friedrich)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/230646/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2013 11:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[treck]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diesen Brief schrieb Friedrich an Rudu. Während des Krieges war jeglicher Kontakt abgerissen. Ich habe ihn stark gekürzt (es ging viel darum, wie das Gut gerettet werde könnte usw.) und einige Erklärungen eingefügt, um das Ganze etwas leichter verständlich zu machen. Dies ist nicht der erste Brief aus der Nachkriegszeit, ich habe ihn vorgezogen, weil [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/230646/">23.06.1946: Er war ein zauberhafter Junge (Friedrich)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Diesen Brief schrieb Friedrich an Rudu. Während des Krieges war jeglicher Kontakt abgerissen. Ich habe ihn stark gekürzt (es ging viel darum, wie das Gut gerettet werde könnte usw.) und einige Erklärungen eingefügt, um das Ganze etwas leichter verständlich zu machen. Dies ist nicht der erste Brief aus der Nachkriegszeit, ich habe ihn vorgezogen, weil er die Lage sehr gut zusammenfasst. Die Sachlichkeit des Briefes lässt mich schlucken.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">R. den 23.6.46.</p>
<p>Lieber Rudolf,</p>
<p>Deine Briefkarte vom  11. vorigen Monats kam vor einigen Tagen hier an. Die Freude war gross besonders darüber, <span id="more-509"></span>dass es Euch verhältnismässig gut geht. Hoffentlich kannst Du bald an Deinen Geburtsort zurückkehren. Seit 1938 haben wir uns nicht gesehen, Ende 1939 sogar die Verbindung miteinander verloren. Seitdem haben wir ungeheure Rückschläge miterleben müssen. Ich will versuchen, Dir das Hauptsächlichste der vergangenen Jahre mitzuteilen.</p>
<p>Nachdem das Hamburger Kontor geschäftslos geworden war, ging mein Vorschlag dahin,  das Gut in Mecklenburg zwecks völliger Sanierung und Auszahlung von Maria [ihr stand durch das Testament von Papa der Pflichtteil zu] zu verkaufen. Mama [Lenis Mutter] konnte sich hierzu jedoch verständlicherweise schwer entschliessen und wurde zudem im Jan. 40 schwer krank, sodass ein Umzug [in die Nähe von Hamburg], wie ich es vorgeschlagen hatte, nicht mehr möglich war. Infolgedessen musste das Elternhaus von Leni im Ort verkauft werden. Damals konnten grosse Häuser nur sehr schwer verkauft oder vermietet werden, sodass mich der endlich erzielte Preis von RM 70.000,&#8211; nicht sehr befriedigte. Hätten wir den Verkauf damals nicht durchgeführt, würde das Haus mit einer Fülle von Flüchtlingen belegt worden sein. In [diesem Vorort von Hamburg] hat jeder Erwachsene 4 qm und jedes Kind 2 qm Wohnraum zu beanspruchen. Die Ueberfüllung ist daher unbeschreiblich.</p>
<p>In dem Haus, das Leni und ich jetzt bewohnen, sind wir z. Zt. 28 Personen. Weitere Flüchtlinge werden erwartet. In ihrem Elternhaus mit im Garten aufgestellten Baracken leben jetzt schätzungsweise 150-200 Personen. Nachdem sich Mamas Zustand in der Mitte des Jahres 1940 etwas besserte, verschlechterte dieser sich bis zum Ende des Jahres  40, bis ein Schlaganfall ihr Leben beendete. Leni hatte sie mit grösster Aufopferung gepflegt, was umso schwerer war, weil sie am 30.6.40 unseren Sohn Christian bekam, der dann knapp 5 Jahre später auf der Flucht vor den Russen erschossen wurde. Er war ein zauberhafter Junge.</p>
<p>Im Jahre 1941 heiratete Albrecht Felicitas, deren 4. Mann er wurde. Im April 1946 liess er sich wieder scheiden und überliess seinen gutgeratenen Sohn Alexander seiner Frau, während er selbst vor etwa 14 Tagen Nina heiratete. A. ist beim Reg. Food Office tätig und kontrolliert verschiedene Kreise auf Abgabe von Milch, Eiern etc. Sein Sitz ist Itzehoe.</p>
<p>Da ich schon bei Ausbruch des Krieges der Ueberzeugung war, dass Deutschland nicht gewinnen konnte, habe ich immer versucht, das Gut in Mecklenburg in ein rentableres und weiter westlich gelegenes Gut umzutauschen. Leider scheiterten meine Bemühungen, die ich zusammen mit Dr. B. anstrengte, an Machenschaften des Mecklenburger Staatsministeriums. Letzteres liess einen Verkauf oder gar Tausch an Dritte nicht zu, sondern wollte mit allen Mitteln selbst in den Besitz des Gutes kommen. Der gebotene Kaufpreis war zwar nicht schlecht, aber nicht verwendbar, weil wir für Geld keinen Grundbesitz mehr erwerben konnten. Grundbesitz wurde nur noch in Nazikreisen gehandelt. Diese Kreise sorgten auch dafür, dass ich, obwohl ich in den Heinkel-Werken eine recht beachtliche Schlüsselstellung hatte, im September 44 noch eingezogen wurde. Leni wurde erheblich schikaniert. Dass die Russen das Gut einmal besetzen würden, hatte ich zwar gefürchtet, zuletzt aber doch nicht mehr angenommen, da die Amerikaner Ende April 45 schon <em>[</em><i>15 km westlich vom Gut] </i>standen, während die Russen noch viel weiter entfernt waren. Dadurch erklärt es sich auch, dass Leni dort blieb, bis die Russen etwa <i>[34 km östlich vom Gut]</i> waren und es sich herausstellte, dass die Amerikaner zurückgingen. Ohne Telefon und mangels Elektrizität auch ohne Radio war die Lage völlig unübersichtlich.</p>
<p>Leni floh am 30.4.45 mit vier Kindern (Du wirst wissen, dass am 8.4.44 unser Sohn Hans geboren wurde), einer Gärtnerin und einer Hausgehilfin in drei bespannten Fahrzeugen. [45 km weit] ging alles leidlich. Dort geriet der Treck auf völlig verstopften Strassen in Tieffliegerbeschuss, durch den Leni, Helene, Klaus verwundet und Christian und die Gärtnerin erschossen wurden. Leni brachte Helene und Klaus nach Schwerin ins Krankenhaus, liess Hans zurück, um diesen gleich nachzuholen. Inzwischen hatten die Russen nachgedrängt, sodass Hans allein zurückblieb. Der Treck fuhr weiter und wurde stark ausgeplündert. In Schwerin musste auch der Treck haltmachen, und es ist der Hausgehilfin zu verdanken, wenn ein Rest der Sachen viel später R. erreichte. Leni blieb bis Mitte Juni 45 im Schweriner Lazarett und fuhr dann mit Helene und Klaus per Rad nach R. Schwerin war damals noch von den Amerikanern besetzt. Kaum war Leni im [Haus von Friedrichs Familie] eingezogen, als dieses Haus von den Engländern beschlagnahmt wurde. Leni konnte daraufhin erfreulicherweise den 1. Stock des inzwischen von mir erworbenen Hauses beziehen. Hans war also bei C. [wo der Beschuss stattgefunden hatte] auf dem Gute W. Der Gutsbesitzer Dr. P. wurde mit seiner Familie von den Russen auf ein Zimmer zusammengedrängt. Es gab keine Milch und sonstige Nahrungsmittel für Hans, sodass dieser, der bei dieser Behandlung schwer erkrankte, beinahe verhungerte bzw. gestorben wäre. Einer Nichte des Besitzers, die früher mit Leni die Malchower Schule besuchte, ist es zu verdanken, dass Hans uns erhalten blieb. Diese nahm sich seiner an und brachte ihn später nach Berlin, von wo Leni im September 45 hörte, dass der Junge dort und am Leben sei. Anfang Oktober fuhr Leni dann unter grössten Strapazen illegal über die Zonengrenze, um Hans aus Berlin zu holen. Sie erschien anlässlich dieser Reise Mitte Oktober bei mir in N. Lenis Leistungen waren tatsächlich ausserordentliche und wohl nur von denen voll zu würdigen, die die Verhältnisse in der russischen Zone kennen.</p>
<p>Nachdem ich von Sept. 44 bis Jan. 45 in Schneidemühl ausgebildet war – zwischendurch wurde ich mehrfach von Heinkel angefordert und war auch oft in N. – standen die Russen vor der Stadt. Meine Einheit wurde nach Arnswalde zurückgenommen und hatte monatelange Nah- und Strassenkämpfe zu bestehen. Am Tage der Kapitulation 1.5.45 lagen wir bei Fehrbellin. Ich schlug mich durch zum Gut, wurde vorher noch von den Russen gefangengenommen, konnte jedoch wieder entkommen. Am 8. Mai 45 traf ich am Gut ein, wo sich ein chaotisches Bild bot. Herr W. [der Verwalter, schon vor dem Krieg unbeliebt und später Erz-Nazi] hatte seine Kinder erschossen, seine Mutter erschlagen, während seine Frau und er trotz Selbstmordversuch durch Kopfschuss am Leben blieben.</p>
<p>Das Innere des Herrenhauses war völlig verwüstet. Wochenlang habe [ich] versucht, noch einiges durch Verstecken oder Vergraben zu retten, was später doch im wesentlichen durch plündernde Banden gefunden wurde. Gleichzeitig mussten umfangreiche Waldbrände gelöscht werden. Achimkultur und angrenzender Buchenunterbau waren auch hier nicht zu retten, obwohl ich teilweise mit 150 Mann arbeitete. Lastwagen fuhren vor dem Herrenhaus vor, und ich wurde oft gezwungen, die Möbel aufzuladen. Ein grosser Teil der Sachen verschwand durch die Deutschen. Auch die N. Gefolgschaft hat sehr enttäuscht. Nur Förster Eh., dessen Haus unbewohnbar geworden war und der im Mai 45 [bei der Familie des Fahrers] wohnte, unterstützte mich nach Kräften. Er wurde Ende Mai verhaftet. Ich glaube nicht, dass er je zurückkehren wird. Ende Mai wurde ich groteskerweise Bürgermeister von B. Anfang Juni wurde ich durch die GPU <i>[Vorläuferin KGB] </i>verhaftet und drei Monate lang bis zur gänzlichen Erschöpfung gefangengehalten. Ende August traf ich wieder am Gut ein und lebte dort in Ermangelung jeglicher Lebensmittel vom Hechtfang. Zwei Monate lebte ich so bis Leni erschien und wir zusammen nach Berlin fuhren, um Hans dort abzuholen.</p>
<p>Da wir mit Kind nur legal die Grenze passieren wollten, warteten wir fast einen Monat auf einen Transport, der Flüchtlinge vom Osten nach dem Westen bringt. Endlich glückte es uns, sodass wir nach beinahe 3-tägiger Reise verhältnismässig schnell den Ort bei Hamburg erreichten. Hier ist das Ernährungs- und Flüchtlingsproblem äusserst schwer lösbar. Ich habe eine recht gute Stellung innerhalb einer Hamburger Behörde angenommen, die mich stark in Anspruch nimmt.</p>
<p>Leni wird nächstens einen eigenen ausführlichen Brief an Euch schreiben. Sie hat wenig Zeit zum Schreiben. Die Führung eines Haushalts verursacht heute ungeheure Schwierigkeiten und Zeitverluste. In unserem Ort, in dem 250% Flüchtlinge wohnen, dauert das Einkaufen Stunden und ist zudem oft ergebnislos. Auf den Strassen hört man nahezu ausschliesslich ostdeutsche Laute, Bekannte trifft man selten. Geselligkeiten fallen ziemlich aus, da man sich gegenseitig nichts mehr vorzusetzen hat. Mit 1.000 kal. zu existieren, ist besonders wenn man für die Ernährung heranwachsender Kinder verantwortlich ist, nahezu ausgeschlossen. Das Betteln auf dem Lande erfordert Zeit und zermürbt wegen der allzu häufigen Ergebnislosigkeit. Die Landbevölkerung hat auch nichts mehr. Wenn der einzelne noch etwas haben sollte, so wird er überlaufen. Ihm werden ungeheure Beträge für 1 Zentner Kartoffeln gezahlt. Wertsachen, Stoffe, Schuhzeug etc. werden dem Bauer für lächerliche Quantitäten von Kartoffeln, Gemüse u. dergl. geboten. Um Dir einen Anhalt zu geben, sei erwähnt, dass in Berlin mehr als Rm. 1.000.—für einen Zentner Kartoffeln gezahlt werden. Wir haben seit langem keine Kartoffeln mehr, verteilt werden sie nicht. So ist also die Lage, über die noch viel – nur nichts Erfreuliches – zu berichten wäre. Die politischen Aspekte [wirst Du] von dort aus besser übersehen als ich denn „klar sieht, wer von ferne sieht“ hat der alte Laotse wohl schon zutreffenderweise gesagt.</p>
<p>Leni und die uns viel Freude machenden gesunden und auch noch ganz gut ernährten Kinder lassen herzlichst grüssen.</p>
<p>Viele Grüsse an Ingrid, Hertha und die jeweiligen Kinder von</p>
<p>Deinem</p>
<p>Friedrich</p>
<p>Lieber Achim,</p>
<p>Dieser Brief an Rudolf ist an Dich in gleicher Weise gerichtet, damit Du, soweit noch nicht von anderer Seite geschehen, eine ungefähre Vorstellung von den Ereignissen der letzten Jahre bekomm[s]t. Vielleicht könnt Ihr gelegentlich auch einmal Näheres von dort berichten. Es wäre nach Lage der Dinge wünschenswert, wenn wir uns mündlich unterhalten könnten. Aber wann und wo?</p>
<p>Herzlichst Dein</p>
<p>F</p>
<hr />
<p>Die Ereignisse zusammengefasst:</p>
<p>1940: Lenis Mutter wird Anfang des Jahres zum Pflegefall und stirbt Ende 1940. Während dieser Zeit bringt Leni am 30.6. Sohn Christian zur Welt. Ihr Elternhaus wird verkauft, um Maria den ihr zustehenden Pflichtteil auszahlen zu können.</p>
<p>1941: Albrecht heiratet.</p>
<p>1944: Friedrich, der nicht in der NSDAP war, aber eine &#8222;kriegswichtige&#8220; Position bekleidete, wird im September doch noch zum Wehrdienst eingezogen (vielleicht finde ich darüber noch mehr, es gab wohl Ärger mit irgendwelchen Parteifunktionären). Er wird in Polen ausgebildet und erlebt den Einmarsch der Russen.</p>
<p>1945: Ende April befinden sich die Amerikaner 15 km westlich von Lenis Gut. Sie wartet auf ihre Ankunft. Als die Russen 34 km östlich vom Gut ankommen, treten die Amis den Rückzug an. Leni flieht am 30.4. gen Westen. (Wie ich aus anderen Briefen weiß, waren schon wochenlang Flüchtlinge aus dem Osten bei ihr eingetroffen und weitergezogen.) Unterwegs gerät der Treck unter Beschuss. Leni, Helene und Klaus werden verletzt, Christian (knapp fünf Jahre alt) stirbt, die Gärtnerin wird schwer verletzt. Die Lazarettärzte in der Nähe ordern für Leni und ihre verletzten Kinder den Transport ins Krankenhaus Schwerin an. Der unverletzte Hans bleibt auf dem Gut W. zurück. Er ist ein Jahr alt. Einen guten Monat bleibt Leni mit den verbleibenden Kindern im Krankenhaus, bevor sie in Lenis Heimatort bei Hamburg gelangen. Inzwischen ist Friedrich zum Gut zurückgekehrt, wird in einem Nachbarort Bürgermeister und wenig später von den Russen verhaftet und drei Monate lang gefangengehalten. Im September kommt er wieder frei und kehrt zum Gut zurück. Mehrfach versucht Leni, Hans zu holen, es gelingt ihr jedoch nicht, bis zum Gut W. vorzudringen, wo der Beschuss stattgefunden hatte. Im September erfährt sie, dass ihr Mann Friedrich lebt und sich auf ihrem Gut aufhält. Hans ist inzwischen nach Berlin gebracht worden. Leni gelingt es, nach Berlin zu kommen. Von dort fährt sie zum Gut, wo sie Friedrich wiedersieht und mit ihm gemeinsam nach Berlin aufbricht. Um Hans legal über die Grenze zu bringen, warten sie fast einen Monat auf einen Transport. Nach dreitägiger Fahrt kommen sie im November gemeinsam bei Hamburg an.</p>
<p>Hans ist mein Vater.</p>
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