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	<title>zugstrecke hamburg-berlin Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Recherchenostalige</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Oct 2014 10:22:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich dachte ja, es wäre eine prima Idee, die Briefe einfach abzuschreiben und dann würde man schon sehen, was man daraus machen kann. Die Idee erweist sich als mittelprima, weil die Briefe sich auf magische Weise verfünffacht haben &#8211; aber auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ihre Übermacht mich zur Strecke gebracht. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/recherchenostalgie/">Recherchenostalige</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich dachte ja, es wäre eine prima Idee, die Briefe einfach abzuschreiben und dann würde man schon sehen, was man daraus machen kann.</p>
<p>Die Idee erweist sich als mittelprima, weil die Briefe sich auf magische Weise verfünffacht haben &#8211; aber auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ihre Übermacht mich zur Strecke gebracht.</p>
<p>Immerhin weiß ich inzwischen, <span id="more-1165"></span>was man daraus machen kann und die ersten Seiten des Buchprojekts stehen bereits. Nun reicht es natürlich nicht, die (ohnehin rar gesäten) Fakten aus den Briefen zusammenzuklauben und in Buchform zu pressen, nein, Recherche ist gefragt. Ich lese, suche, sehe Filme und mache mir Notizen. Immer wieder finde ich unerwartete Verknüpfungspunkte.</p>
<p>Heute: &#8222;Der Hamburger Hafen 1938&#8220; auf DVD, gefilmt von Kurt Lehfeldt. Lehfeldt war seinerzeit Konditor. In dem Café gab es &#8211; jedenfalls viele Jahre später &#8211; Mittagstisch. Dort hat mein Großvater (&#8222;Friedrich&#8220; aus den Briefen) gegessen. Und kein Trinkgeld gegeben. Denn wenn man jeden Tag dort fünfzig Pfennig Trinkgeld geben würde, wären das im Jahr über hundert Mark. Und das ginge ja nun wirklich zu weit.</p>
<p>Ja, mein Großvater. Von ihm stammt auch der Rat, sich an der Ampel nie zu dicht an das vordere Auto zu stellen, denn der könnte ja liegenbleiben. Wenn nun der Hintermann auch dicht an einem steht, kann man nicht wenden bzw. sich aus der Lücke quetschen.</p>
<p>Und ja, Lehfeldt. Mein Vater war natürlich früher auch immer bei Lehfeldt. Und manchmal, ganz, ganz manchmal, hat er uns Zuckermännchen mitgebracht. Die standen dann jahrelang im Setzkasten rum, bis sie so verblasst waren, dass ihr Anblick mehr erschreckte als erfreute. Dann habe ich sie entsorgt. Nein, nicht im Müll. Ich habe sie gegessen. Hart war das. Aber süß. Und wahrscheinlich etwas staubig.</p>
<p>Ihr seht: Die Recherche macht mich entsetzlich nostalgisch. Noch dazu fahre ich nachher in meine alte Heimat und gehe dortselbst zum Chinesen. Und erzähle meinen Kindern, dass ich dort früher immer 120 (Huhn mit Mandeln) gegessen habe, bis es Probleme mit dem Mandellieferanten gab und ich auf 119 (Huhn mit Cashewkernen) ausweichen musste. Könnte auch 121 sein. Ich weiß es nie so genau.</p>
<p>Die anderen interessiert das aber gar nicht, das sind nur meine Privaterinnerungen. Wenn ich es aufschreibe, wisst Ihr es trotzdem und ich kann mich anderen Dingen widmen. Zum Beispiel der Frage: Wie ist es, wenn alles anders kommt, als man sich das vorgestellt hat? Wie kommt die Erinnerung mit einem Krieg klar?</p>
<p>Zurück zu meiner Recherche. Ich habe herausgefunden, dass man 1931 in 98 Minuten von Hamburg-Bergedorf nach Berlin reisen konnte. Laut Wikipedia wurde dieser Rekord erst 1997 wieder erreicht. <a href="http://www.gesakram.de/170229/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">1929 wollte Leni ihren Bruder Rudu in Berlin besuchen</a>, da wird sie sich später geärgert haben, dass der Schienenzeppelin noch nicht fuhr!</p>
<p>Aber was rede ich, ich muss los. Es gibt Mittagstisch. Ich werde E essen. Und Leute von früher treffen.</p>
<div id="attachment_1166" style="width: 235px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1166" class="size-medium wp-image-1166" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-225x300.jpg" alt="Manches ändert sich allerdings nie" width="225" height="300" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-225x300.jpg 225w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-768x1024.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-773x1030.jpg 773w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-1125x1500.jpg 1125w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-529x705.jpg 529w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002-450x600.jpg 450w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/10/pict0002.jpg 1536w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p id="caption-attachment-1166" class="wp-caption-text">Manches ändert sich allerdings nie</p></div>
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