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	<title>schule Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>schule Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Ich war in der Kirche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2016 10:19:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>An die Sonne denken Meine Kinder gehen auf eine kleine Grundschule, deren Schüler, Schülerinnen und Lehrerinnen sich einmal im Jahr, nämlich kurz vor Weihnachten, geschlossen auf den Weg in die zwei Kilometer entfernte Kirche machen, um dort den anwesenden Eltern Weihnachtslieder ins Ohr zu brüllen. Ich schwinge mich bei klirrender Kälte aufs Rad, um die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>An die Sonne denken</h1>
<p>Meine Kinder gehen auf eine kleine Grundschule, deren Schüler, Schülerinnen und Lehrerinnen sich einmal im Jahr, nämlich kurz vor Weihnachten, geschlossen auf den Weg in die zwei Kilometer entfernte Kirche machen, um dort den anwesenden Eltern Weihnachtslieder ins Ohr zu brüllen.</p>
<p><span id="more-1723"></span></p>
<p>Ich schwinge mich bei klirrender Kälte aufs Rad, um die heimelige Atmosphäre der reich verzierten Kirche zu atmen und eine gute Mutter zu sein. Die Kinder sind schon in die Bänke gestopft und die Türen an deren Ende geschlossen worden. Auf dem Weg zu einem freien Platz werde ich von Mara angesprochen, der Tochter einer guten Freundin. Wieso denn Gabel Gabel heiße. Ich halte das für eine Scherzfrage, doch nein, sie will das wirklich wissen und war von ihrer Mutter an mich verwiesen worden. Ich bleibe die Antwort schuldig und nehme hinter 2a und 2b Platz.</p>
<p>Der Pastor ergreift das Wort und heißt uns willkommen. Die 2a applaudiert, alle anderen fallen ein. Die Schulleiterin spielt Saxofon auf der Empore, ich google &#8222;gabel etymologie&#8220;. Wir singen &#8222;Kling, Glöckchen, klingelingeling&#8220;, jedenfalls die erste Strophe, danach wird es deutlich leiser, es liegen keine Texte aus.</p>
<p>Der Pastor erzählt was von der Weihnachtsgeschichte, die 2a applaudiert, alle anderen fallen ein.</p>
<p>Der Pastor verbeugt sich.</p>
<p>Die 2a führt ein Stück auf, es geht mit einem einzelnen Kind los, das eine Kerze in der Hand hat und allein doch nicht genug Licht macht. (Jedenfalls würde es nicht genug Licht machen, wenn es dunkel wäre.) Aber es bleibt nicht allein, da kommt schon das nächste Kind mit einer weiteren Kerze. Dann kommen sie in Kleingruppen. &#8222;Wir kommen dazu, allein bleibt ihr nicht, und mit uns bringen wir ein weiteres Licht.&#8220; Immer der gleiche Spruch, immer noch ein paar Kinder, so groß ist die Klasse doch eigentlich gar nicht? Zwischenapplaus gibt es auch keinen, da die 2a ja beschäftigt ist. Die 2b wird dafür regelmäßig von ihrer Lehrerin ermahnt, endlich still zu sein, wobei sie selbst deutlich lauter ist als die Kinder. Als die ersten Jacken fliegen, muss sich Tyler eine Bank weiter nach hinten setzen. Er soll an die Sonne denken. Ich grüble ob des pädagogischen Hintergrunds, aber da kommt schon der Schulchor nach vorn, beide dritten und vierten Klassen, die bequem vor dem Altar Platz finden und ordentlich Stimmung machen. Viel Applaus, die 2a steht als Animationsklasse wieder zur Verfügung.</p>
<p>Die Plattdüütschgruppe besteht aus lauter diskussionsfreudigen Hirten &#8211; darunter auch meine Tochter -, die sich dann aber doch noch auf den Weg zum lütten Jesus in de Krüff machen. &#8222;Künn we nu los?&#8220; &#8211; &#8222;Joh.&#8220; Abschließend singen sie &#8222;In de Wiehnachtsbäckerie&#8220;, es bleibt einem nichts erspart.</p>
<p>Direkt vor mir denkt Tyler offenbar an die Sonne, jedenfalls ist er ganz friedlich.</p>
<p>Zum Abschluss singen wir das Lieblingslied der Schule, &#8222;Zumba, zumba, welch ein Singen&#8220;, 2a und 2b überrunden den Organisten in ihrem Enthusiasmus, warten aber bei den Strophen immer brav, dass er sie wieder einholt.</p>
<p>Nun soll noch gebetet werden, statt zu applaudieren brüllen die Kinder ordnungsgemäß &#8222;AMEN!&#8220;. Auf dem Weg nach draußen halte ich Mara an. Die Gabel ist nach der Astgabel benannt, mehr konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden, sie findet das aber ausreichend. Ich darf kurz mit meinem Sohn sprechen, meine Tochter grüßt mich knapp und tauscht 1,5 Sätze mit mir aus, bevor sie mich mit einem deutlichen &#8222;Tschüs&#8220; meiner Wege schickt.</p>
<p>Ich schwinge mich wieder aufs Fahrrad. Auf dem Deich kommen mir einige Bewohner der Flüchtlingsunterkunft entgegen. &#8222;Hallo&#8220; grüße ich, denn hier macht man das so. &#8222;Moin&#8220; sagen sie.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/84e1e4bd3e9a4fff9debc4b1a56bb19e" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>Heimat &#8211; ein großes Wort (Blogparade)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/heimat/</link>
					<comments>https://www.textfuss.de/heimat/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Aug 2013 09:20:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mein momentanes Zuhause liegt hier – aber ist es auch meine Heimat? Ich bin der wunderbaren Blogparadenfrage von Katja Wenk nachgegangen und habe mir darüber Gedanken gemacht, was Heimat für mich bedeutet. Wie ich hier bereits erzählt habe, bin ich häufig umgezogen seit ich 17 war, habe längere Zeit im Ausland gelebt und verbrachte nur in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mein momentanes Zuhause liegt <a href="https://www.textfuss.de/kirchwerder/">hier</a> – aber ist es auch meine Heimat? Ich bin der wunderbaren <a title="Blogparade Heimat" href="http://www.katjawenk.de/2013/08/blogparade-was-ist-eure-heimat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogparadenfrage </a>von Katja Wenk nachgegangen und habe mir darüber Gedanken gemacht, was Heimat für mich bedeutet.<br />
Wie ich <a href="https://www.textfuss.de/fremdsprachenlernen/">hier</a> bereits erzählt habe, bin ich häufig umgezogen seit ich 17 war, habe längere Zeit im Ausland gelebt und verbrachte nur in zwei Fällen ganze vier Jahre an einem Ort. Mein erster Gedanke war: Heimat ist da, wo meine Familie ist. Klar, mit meinem Mann und meinen Kindern kann ich überall glücklich sein. Aber ob das dann Heimat ist?</p>
<p>Und was war denn, bevor sie mein Leben auf den Kopf stellten?</p>
<p><span id="more-295"></span></p>
<p>Vertrautes ist Heimat. Als ich neulich bei meinem Bruder war, habe ich viele Kleinigkeiten von früher zwischen seinen Sachen entdeckt und mich gefreut – und wohlgefühlt. Ein heimisches Gefühl aufgrund gemeinsamer Erinnerungen.</p>
<p>Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Gemeinde bei Hamburg.  Als ich 10 war, zogen wir von dort 400 m weiter in eine Kleinstadt und unser eigenes Haus. Ich hatte keineswegs etwas dagegen, es änderte sich ja kaum etwas. Aber ich hatte die Idylle verlassen. Dieser kleine Ort ist für mich mit so vielen Erinnerungen verknüpft, dass mir ganz schwindelig wird, wenn ich daran denke. Noch schwindeliger wird mir, wenn ich heutzutage dorthin fahre, was ich ab und zu tue, weil eins meiner Patenkinder dort lebt. Früher fand man in bestimmten Straßen wunderschöne alte Villen, in anderen weniger wunderschöne Mehrfamilienhäuser und in ein paar Ecken Siedlungen mit Einfamilienhäusern. Eine bunte Mischung eben. Wenn ich jetzt durch die Straßen flaniere, sind auf den alten Äckern Siedlungen entstanden. Aber nicht die Art von Siedlungen, die man sich gemeinhin vorstellt, sondern Villensiedlungen. Echt schräg. Dementsprechend vervilldert kommen mir die Bewohner des Örtchens vor. So eine ganz eigene Porsche-Cayenne-Welt. Merkwürdig. Zu Hause bin ich da nicht mehr. Sicher, es gibt noch ganze Straßenzüge, die fast unverändert sind (u. a. auf meinem alten Schulweg), da zieht sich mein Herz vor Sehnsucht zusammen, so schön ist es da. Aber wohnen? Nein. Die Zeiten sind vorbei.</p>
<p>Heimat ist eine sehnsuchtsvolle Erinnerung.</p>
<p>Mit 17 zog ich hinaus in die weite Welt. England – Deutschland – Frankreich – Deutschland – Schweden – Deutschland – Frankreich – Deutschland. Ja, es lässt sich nicht leugnen, verwurzelt bin ich in Deutschland. Das wäre aber zu allgemein. Im Ausland wurde ich mir meiner Heimat bewusster. Vieles bemerkt man eben erst, wenn es plötzlich anders ist. Allein das Klopapier! In Frankreich ist es hauchdünn, duftet und leuchtet gern in Pastellfarben. In England wurde es zu einem Machtkampf zwischen uns Schülerinnen und der Putzbrigade (außer Paula*). Beim Nachfüllen der riesigen Klopapierrollen mussten Plastikstöpsel von den Rollen entfernt werden, die die innere Papprolle der Riesenrolle vorm Kollabieren bewahrten. Eines Tages war die Kanalisation unseres Hauses verstopft, was uns großen Ärger einbrachte, denn die Plastikstöpsel waren heruntergespült worden. Nicht von uns, allerdings. Ich weiß gar nicht, ob den Raumpflegerinnen jemals mitgeteilt wurde, das nicht mehr zu tun. Immerhin hatten wir ja gar keinen Zugriff auf neue Klorollen. Jedenfalls ließen sich die drei nicht beirren und warfen die Teile weiterhin ins Klo statt in den danebenstehenden Mülleimer. Ohne runterzuspülen. Das mussten wir tun, wenn wir nicht im Klo nach Plastiknupsies fischen wollten.</p>
<p>Die Schule wurde dichtgemacht**, das Haus, in dem sich diese Geschichte abspielte, steht nicht mehr. Ich werde nie wieder dorthin zurückkehren, ins Klo gucken und mich an diese Episode erinnern können. Doch, erinnern kann ich mich. Da ist sie wieder, die sehnsuchtsvolle Erinnerung. Hach, ich war so gern da.</p>
<p>Es gibt auch Orte, an denen ich weniger gern war. Ein Jahr lang hatte ich das Pech, keine wirklich richtig gute Freundin in meiner Nähe zu haben. Es gab viele Mädchen, mit denen ich mich sehr gut verstand, aber darunter ist niemand, mit dem ich jetzt noch engen Kontakt habe. Losen, ja. Die Stimmung an der Schule hat nicht positiv zu meinem Wohlbefinden beigetragen. Wirklich unglücklich war ich aber nicht, es war schon in Ordnung. Erschwerend kam hinzu, dass das Jahr zuvor (das mit den Klos) so unglaublich schön war, dass selbst „genauso schön“ schwer zu erreichen gewesen wäre.</p>
<p>Unfassbar glücklich war ich immer in Frankreich. Dort würde ich gern viel öfter hinfahren. Ein guter Indikator, wie schön ich es fand, ist die Sehnsucht, die ehemalige Wohnstätte zu besuchen. In Caen vor meiner alten Tür zu stehen, ist ein Gefühl zerschmelzender Schokolade (was an der Farbe der Tür liegen dürfte), in Berlin durch meinen „Hood“ zu streifen macht mich lächeln und zwangsweise hungrig – auch wenn der leckere Chinamann nicht mehr da ist. Essen, überhaupt. Ehemalige Lieblingsfressgelegenheiten aufsuchen ist großartig. Dieses „Hier habe ich damals immer &#8230;“-Gefühl. Da fühle ich mich sofort heimisch.</p>
<p>Heimat ist eine genussvolle Erinnerung.</p>
<p>Auch in München habe ich gut gegessen, ich fand es schön dort, aber Sehnsucht verspüre ich nicht. Ich habe lustige, freundliche und auch sehr tiefschürfende Erinnerungen an München, wie das eben so ist, wenn man mal irgendwo wohnt. Ich freue mich, wenn ich nach München fahre und das Gefühl habe, dass ich mich auskenne.***</p>
<p>Als wir noch in München wohnten, tat sich plötzlich die Möglichkeit auf, nach Hamburg zu ziehen. Nie hätte ich gedacht, dass ich eines Tages in meine Heimat zurückkehren würde. Ja, Heimat, genau das war mein Gedanke. In 17 Jahren, in denen ich natürlich immer mal wieder (auch für ein paar Monate) in Hamburg war, hatte ich mich nie nach Hamburg gesehnt. Doch plötzlich war es zum Greifen nah und ich griff zu. Zu meinem großen Glück griff mein Mann begeistert mit. Nun bin ich hier und ich kann mich zum ersten Mal damit anfreunden, nicht mehr umzuziehen. Vielleicht möchte ich irgendwann für ein paar Monate woanders sein, das glaube ich schon. Aber meine Heimat ist hier.</p>
<p>Das ist das perfekte gute Gefühl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* Paula putzte zeitversetzt allein und war unglaublich nett.</p>
<p>** Aus anderen Gründen. Wobei auch diese Episode von der schlechten Einteilung der Unkosten zeugt.</p>
<p>*** Das Gefühl täuscht. Mein Orientierungssinn ist erbärmlich.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/66bdc15c53ef4cde9954711e2c73cf53" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>28.03.1933: &#8230; etwas kränklich, aber sehr nett. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/280333/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jul 2013 12:56:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1933]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rudu denkt sich, dass Leni nach Leipzig gehen will, und organisiert fröhlich los. Ein wenig überrumpelt wäre ich da ja schon an ihrer Stelle. La V. den 28. März [1933 – von Leni mit Bleistift hinzugefügt] Liebe Leni! Eben habe ich an Herrn von B. geschrieben. Ich denke mir, daß Du Dich inzwischen entschlossen hast, [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rudu denkt sich, dass Leni nach Leipzig gehen will, und organisiert fröhlich los. Ein wenig überrumpelt wäre ich da ja schon an ihrer Stelle.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La V. den 28. März [1933 – von Leni mit Bleistift hinzugefügt]</p>
<p>Liebe Leni!</p>
<p>Eben habe ich an Herrn von B. geschrieben. Ich denke mir, daß Du Dich inzwischen<span id="more-234"></span> entschlossen hast, nach Leipzig zu gehen und ich dachte es mir für Dich sehr nett, wenn B.s Dich evtl. bei sich aufnehmen. Raten möchte ich es Dir jedenfalls, denn das Essen in Leipziger Restaurants und das Mieten eines möblierten Zimmers hat große Schattenseiten. Deine Freiheit hast Du bei B.s sicher.<br />
Ich habe an B. geschrieben, daß ich an ihn schreibe ohne mich vorher mit Dir in Verbindung gesetzt zu haben, daß es also vorbehaltlich Deiner Einwilligung sei. Ferner habe ich erwähnt, daß Du in der Schule die gewöhnlichen Sommerferien der staatl. Schulen hast und diese höchstwahrscheinlich noch auszudehnen gedenkst, sodaß eine Complikation mit der Sommerreise „derer von B.“ nicht in Frage kommt. Im übrigen habe ich ihm mitgeteilt, daß er, falls er + seine Frau gewillt sind, Dich aufzunehmen, sich mit Dir über das Hamburger Kontor in Verbindung setzen möchte.<br />
Das beste ist, nun, Du setzt Dich nach Erhalt dieser Zeilen mit von B.s auseinander, d. h. Du schreibst ihm, Du hättest von mir gehört, daß ich an ihn über Deinen Leipziger Aufenthalt geschrieben hätte und Du sehr gern annimmst, wenn er ihnen recht wäre oder eben, daß Du dankend ablehnst. So wäre es wohl das beste. Von hier aus so etwas einzufädeln hat ja immer seine Schwierigkeiten.<br />
Die Häuslichkeit bei B.s ist sympathisch. Die Frau ist Norddeutsche, aus Kiel, etwas kränklich, aber sehr nett. Ihn kennst Du ja. Übrigens fällt mir eben ein, daß Deine Schule ziemlich früh anfängt, Du müßtest ihnen vielleicht das noch schreiben.<br />
Für Deinen lieben langen Brief hab herzlichen Dank. Näher darauf einzugehen hat jetzt wenig Sinn mehr, da wir uns in nicht allzulanger Zeit wiedersehen. Hoffentlich ist Dir Deine Sbgreise gut bekommen, hat Dein Fuß Dir keine Scherereien gemacht.<br />
In einigen Tagen werden wir noch mal nach B. gehen und hier werden die Zelte endgültig abgebrochen. Von B. werden wir dann wahrscheinlich über Mexiko Hauptstadt – die Staaten nach Hamburg fahren, wo wir höchstwahrscheinlich Ende Mai ankommen.<br />
Renate fährt am 18. April von Vera-Cruz.<br />
Gehab Dich wohl meine Muschi, wappne Dich für Leipzig mit der nötigen Energie, wenn Du hingehst, denn es ist nicht durchaus leicht zu nennen in einer fremden Stadt, in einer Schule die allerlei verlangt.</p>
<p>Einen dicken Bubben<br />
von<br />
Deinem Rudu</p>
<p>Hertha hat in diesen Tagen Deinen langen Brief erhalten! Sie und Mama lassen grüßen.</p>
<p>Adresse in Leipzig: &#8230; [das Haus wurde offenbar im 2. Weltkrieg zerstört, die Adresse existiert nicht mehr]</p>
<hr />
<p>Ich habe übrigens keine Ahnung, wo Sbg liegt. Es ist im Brief so abgekürzt. Über die Anrede &#8222;meine Muschi&#8220; lasse ich mich jetzt nicht aus. Verbuchen wir es unter &#8222;Bedeutungswandel&#8220;. Gut gefällt mir dafür die &#8222;sympathische Häuslichkeit&#8220;.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/493624c7a3364db888b61b8b1a8788f3" alt="" width="1" height="1" /></p>
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