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	<title>krieg Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>krieg Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>Friedrich hat Geburtstag &#8211; Leni bloggt (3)</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2015 07:51:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>35 wird Friedrich heute. Wie er seinen Tag wohl verbringen mag? Sich jetzt noch den Russen entgegen zu stellen, scheint mir derartig sinnlos zu sein. Und doch schicken noch immer Mütter ihre Söhne freiwillig an die Front. Noch immer gibt es Menschen, die an diesem Wahnsinn festhalten. Von Westen rücken die Alliierten vor. Ich hoffe, sie erreichen uns [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>35 wird Friedrich heute. Wie er seinen Tag wohl verbringen mag? Sich jetzt noch den Russen entgegen zu stellen, scheint mir derartig sinnlos zu sein. Und doch schicken noch immer Mütter ihre Söhne freiwillig an die Front. Noch immer gibt es Menschen, die an diesem Wahnsinn festhalten.<span id="more-1300"></span></p>
<p>Von Westen rücken die Alliierten vor. Ich hoffe, sie erreichen uns bald, aber vor den Russen werden sie auf jeden Fall da sein. Die Straßen sind vollkommen mit Flüchtlingen verstopft, sie lagern auf dem ganzen Gut, es ist schrecklich. Viele Kinder sind unterwegs gestorben. Sie werden notdürftig am Straßenrand verscharrt, das könnte ich nicht. &#8222;Aber man kann keine Leiche mit sich herumtragen&#8220;, sagt die eine Mutter, man könne nicht mal eben auf den nächstbesten Friedhof gehen und ein Grab ausheben lassen, es ist alles überfüllt, man muss vorangehen, jeder Aufenthalt kann das Ende bedeuten.</p>
<p>Ich kann mir das nicht vorstellen.</p>
<p>Die Kinder spielen mit den vorbeiziehenden Flüchtlingskindern, die vollkommen verdreckt sind. Einige baden im eiskalten See, der leuchtend blau daliegt, obwohl er von dem vielen Schmutz schon ganz grau sein müsste.</p>
<hr />
<p>Wie wird Friedrich seinen 35. Geburtstag verbracht haben? Kaum sehr feierlich. Er war im heutigen Polen stationiert, es dürfte ziemlich schlimm gewesen sein. Sein einziger Geburtstag als Soldat.</p>
<p>&#8222;Schütze Arsch&#8220; war das Ziel seiner Soldatenausbildung, in der er nach eigenen Angaben hauptsächlich lernte, so strammzustehen, dass ein zwischen die Arschbacken gestecktes Markstück seine Prägung verlieren würde.</p>
<p>Das erwähnte er öfter, da er sich im Alter naturgemäß nicht mehr ganz so aufrecht hielt &#8211; von meiner Mutter, der Krankengymnastin, aber verordnet bekommen hatte, sich ab und zu mal vernünftig aufzurichten. Dann stand er da, blitze mich schelmisch an und sagte: &#8222;Sag ihr, dass ich aufrecht gestanden habe.&#8220;</p>
<p>Herzlichen Glückwunsch, Großpapa. Es war eine schöne Zeit mit Dir.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/eb9404ce4879443ba746ef90782ac364" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Kinder, Krieg und Stolpersteine</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Oct 2014 16:46:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Mustafas Besuch bei uns ist besonders Anton sehr an Krieg, Gewalt und den jeweiligen Hintergründen interessiert. Durch meine Recherchen in Sachen Großmutterbriefe bekommen die Kinder natürlich auch noch einiges mit, die Flucht vom Gut nach Hamburg sind wir schließlich auch zusammen nachgefahren. Gestern war ich mit Anton (4) im Völkerkundemuseum. Er fand es mittelinteressant, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Mustafas Besuch bei uns ist besonders Anton sehr an Krieg, Gewalt und den jeweiligen Hintergründen interessiert. Durch meine Recherchen in Sachen Großmutterbriefe bekommen die Kinder natürlich auch noch einiges mit, die Flucht vom Gut nach Hamburg sind wir schließlich auch zusammen nachgefahren.<span id="more-1140"></span></p>
<p>Gestern war ich mit Anton (4) im Völkerkundemuseum. Er fand es mittelinteressant, naja, immerhin steht da ein Auto. Und Gebetsfahnen gibt es überall, wie bei uns. Beim (sehr guten!) Essen im Museumsrestaurant schaffte es Anton, der Bedienung 20 Cent abzuschnacken (&#8222;Da ist einer drauf, der tanzt!&#8220;). Spannender als das Museum waren aber die Kaninchen im Garten meines Freundes, der dort in der Nähe wohnt und den wir noch besuchten. Und mit am allerspannendsten waren die Stolpersteine, die in der Rothenbaumchaussee in erschreckend großer Zahl liegen.</p>
<p>Ich versuchte, Anton möglichst kindgerecht zu verklickern, was es damit auf sich hat. Erst dachte er an Grabsteine: &#8222;So wie der Stein von unserem Ururopa bei dem großen, großen Haus!&#8220;</p>
<p>Ich setzte meine Erklärung fort, er sann eine Weile nach und rief dann begeistert:</p>
<p>&#8222;Ach so! Dann haben die da Steine hingelegt, damit die Bösen darüber stolpern und die Leute nicht holen können!&#8220;</p>
<p>Nein, so war das nicht. Aber es wäre irgendwie schöner gewesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/8aab53e5f2d5464fa0427030183cf975" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Mustafa hat angerufen</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Sep 2014 07:25:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dieses Wochenende war ich nicht da und habe es verpasst: Mustafa hat angerufen. Viel hat er nicht gesprochen, erwähnte aber Feuerwehr und Polizei. Insgesamt war er wohl recht fröhlich. Sein Onkel sprach danach noch mit Andi und erzählte, Mustafa sei jetzt &#8222;not so sad anymore&#8220;. Fast zwei Monate ist er nun wieder in Afghanistan. Ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Wochenende war ich nicht da und habe es verpasst: Mustafa hat angerufen. Viel hat er nicht gesprochen, erwähnte aber Feuerwehr und Polizei. Insgesamt war er wohl recht fröhlich.<span id="more-1135"></span></p>
<p>Sein Onkel sprach danach noch mit Andi und erzählte, Mustafa sei jetzt &#8222;not so sad anymore&#8220;. Fast zwei Monate ist er nun wieder in Afghanistan. Ich hätte nicht gedacht, dass es ihm so schwer fällt, wieder in sein altes Leben zu finden. Das nächste Mal wollen wir mit Bild skypen. Mal sehen, wie das wird. Es wird auch für mich nicht leicht sein, ihn zu sehen, wahrscheinlich sind wir nach dem Telefonat alle traurig. Aber das gehört nun einmal dazu.</p>
<p>Mit ein wenig Abstand kann ich sehen, dass Mustafas Aufenthalt bei uns auch meine Kinder verändert hat. Natürlich entwickeln sich Kinder in dem Alter ohnehin ständig weiter, aber gerade Anton, der ja immer der Kleine war, ist ein großer Bruder geworden. Auch wenn beide Kinder nicht greifen können, was Krieg bedeutet und was es heißt, in einem gefährlichen Gebiet zu wohnen, ist ihnen der Friede, der bei uns herrscht, sehr viel bewusster geworden.</p>
<p>Bei einem früheren Telefonat hatte ich Mustafas Onkel einmal gefragt, wie sicher es bei ihnen jetzt eigentlich sei. Er sagte: &#8222;Oh, it&#8217;s very safe now. It is great. I would say, it&#8217;s about 60 % safe.&#8220;</p>
<p>Sechzig Prozent. Und mein kleiner Mustafa mittendrin.<br />
<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/ae1db7203fc546d7b6ab9e9c1fe39389" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>31.10.1939: Mein geliebtes Menschlein! (Leni)</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 13:42:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Leni ist noch immer schwanger und wünscht sich das Ende des Krieges herbei. N. den 31.10.39 Mein geliebtes Menschlein! Du bist wieder ein ausgezeichneter Erlediger von allen Dingen und ein sehr guter Schreiber, hab sehr vielen Dank, mein Blättchen, für Deinen lieben Brief mit dem Kamm und Fahrplaneinlagen. Wie gräßlich benimmt sich die Krakower Bahn, [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leni ist noch immer schwanger und wünscht sich das Ende des Krieges herbei.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">N. den 31.10.39</p>
<p>Mein geliebtes Menschlein!</p>
<p>Du bist wieder ein ausgezeichneter Erlediger von allen Dingen und ein sehr guter Schreiber, hab sehr vielen Dank, mein Blättchen, <span id="more-681"></span>für Deinen lieben Brief mit dem Kamm und Fahrplaneinlagen. Wie gräßlich benimmt sich die Krakower Bahn, konntest Du am Fahrkartenschalter keinen Krach machen? Die Mecklenburger sind eine besondere Sorte Menschen. –</p>
<p>An Herta habe ich einen langen Brief geschrieben und sie gebeten, wieder zu kommen, wenn sie nicht zu Hause bleiben muß, nehme ich fast an, daß sie zu uns kommen wird. Die Kisten kannst Du gern am Montag kommen lassen.</p>
<p>Ich werde wohl Freitag kommen. Edith ist heute wieder aus, es ist schon das 3. Mal seit ich hier bin, aber ich muß es so machen, da nachher nicht viel daraus wird. So bin ich noch nicht dazu gekommen, an Mutter einige Zeilen zu schreiben. Den ganzen Vormittag bin ich mit den Kindern draußen und wir (Dicki und ich) haben die beiden letzten Tage im Garten gearbeitet, in dem wir die Wurzeln mit ausgebuddelt haben. Gleich kommt der Gärtner, ich muß eilen. –</p>
<p>Es ist sehr süß, daß Du bei Helene warst, aber ich konnte mir ihre Antwort schon denken und glaube nur ja nicht, wenn andere Ärzte hinzugezogen werden, daß die meine Sache schlimm finden. Die denken nicht daran, etwas zu tun. Mein Menschlein, im Grunde ist es ja auch eine große Freude, nur hatten wir es uns etwas anders gedacht und wird die nächste Zeit und die ersten Jahre nicht ganz leicht sein. Hoffentlich geht der Krieg nur bald zu Ende. Weißt Du schon etwas wegen der Autobenutzung? Deine Reifen haben wir wieder. Der Gärtner ist da.</p>
<p>1000 Liebes mein Blättchen, auch an Mutter Deine Tiris.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/560ca3e50ec747d683630c434987d3ab" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/311039/">31.10.1939: Mein geliebtes Menschlein! (Leni)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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