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	<title>guatemala Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>guatemala Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>17.12.1946: Geheimnisvolle Nachrichten über Ehen (Rudu)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2014 09:09:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zunächst einmal: Die Mäh-Verlosung endete am Montag, heute ist Freitag. Ich weiß das, aber die Woche nahm keine Rücksicht auf mich. Gewonnen hat jedenfalls Eva Christian, die sehr korrekt sechs Schafe zählte. Eins sieht man nur von hinten. Heute verlose ich ein Krimipaket. Darin enthalten sind vier Krimis, allesamt Rezensionsexemplare, die einmal von mir gelesen wurden. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/171246/">17.12.1946: Geheimnisvolle Nachrichten über Ehen (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zunächst einmal: Die Mäh-Verlosung endete am Montag, heute ist Freitag. Ich weiß das, aber die Woche nahm keine Rücksicht auf mich. Gewonnen hat jedenfalls Eva Christian, die sehr korrekt sechs Schafe zählte. Eins sieht man nur von hinten.</p>
<div id="attachment_710" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-710" class="size-medium wp-image-710" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg?w=300" alt="Krimis" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2014/04/pict0004-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-710" class="wp-caption-text">Krimis</p></div>
<p>Heute verlose ich ein Krimipaket. Darin enthalten sind <span id="more-709"></span>vier Krimis, allesamt Rezensionsexemplare, die einmal von mir gelesen wurden. Wer das haben möchte, beantwortet mir bitte hier oder auf Facebook oder auf Twitter oder von mir aus auch per Brieftaube die Gewinnfrage, und das bitte bis nächsten Dienstag um 10 Uhr. Das ist der 15.4., übrigens der Geburtstag von Lenis Mann Friedrich, der an dem Tag 114 geworden wäre. Drum ist ihm auch die Gewinnfrage gewidmet &#8211; hier müsst Ihr raten. Rudu fragt, ob Friedrich noch seinen Flügel hat. Was glaubt Ihr? Hat der Flügel den Krieg überlebt?</p>
<p>Doch nun zum Brief. Wir kehren zur Korrespondenz zwischen Leni und ihrem Bruder Rudu zurück. Rudu wohnt in Guatemala, hat zwar die dortige Staatsbürgerschaft, aber doch finanzielle Schwierigkeiten aufgrund seiner deutschen Herkunft.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala, 17.12.1946.</p>
<p>Liebe Leni – lieber Friedrich,</p>
<p>schon seit einigen Wochen will ich Euch Eure Briefe vom 5. und 14. Okt. bestätigen, schob es aber immer wieder auf in der Hoffnung, Euch von hier bessere Nachrichten geben zu können. Nun kam heute Eure Karte vom 31. Okt. und Lenis Brief vom 2. November. Für alles herzlichen Dank, vor allem war natürlich eine große Freude Euer Familienbild vom Jan. 1945. Ich muß Euch heute gleich, wenn auch nur kurz antworten um Euch zu sagen wie glücklich auch wir sind, daß Euch das Care-Paket erreichte! Wir hätten schon weitere abgeschickt, aber leider sind wir nicht in der Lage, da wir seit August unsere monatlichen Zuweisungen nicht mehr bekommen haben. Ich hoffe immer von Woche zu Woche, bis dahin immer vergeblich. Es ist zu scheußlich. Auch hoffe ich, daß es sich vor Weihnachten regeln läßt, sonst wird es ein trauriges Fest! Von Achim forderte ich Hilfe, aber nur äußerst zögernd kam etwas, was wie ein Tropfen auf den heißen Stein war. So schrieb ich kürzlich an Klaus mit der Bitte an Euch noch ein Care Paket abzusenden, den Betrag will ich ihm dann später zurückerstatten. –</p>
<p>Für Eure so eingehenden Nachrichten meinen herzlichen Dank, ich freue mich so über alles, was Ihr berichtet, über Freunde und Verwandten-Schicksale kann man nicht eingehend genug hören. Wenn Du z. B. schreibst, daß Anneliese + Gertrud P. im K. Z. waren, so möchte man natürlich noch weiter wissen, wie lange, wo, weshalb und wie es ihnen jetzt geht. <em>[klein eingefügt:]</em> Wie geht es Frau P.? 1000 Fragen fallen einem ein! –</p>
<p>Jedenfalls sagt Euch bei allem was Ihr durchzumachen habt, daß es auch in anderen Teilen der Welt nicht viel besser zugeht! Ich denke oft an Euch und sehe in Gedanken wie Friedrich jeden Morgen seinem Ziel zusteuern kann: eine geregelte Arbeit kann ich mir schon garnicht mehr vorstellen Und es ist hier so hoffnungslos eine zu finden. So baue ich weiter Gemüse und laufe hemmungslos zum Anwalt.</p>
<p>Nun versucht nicht ganz die Hoffnung zu verlieren. Denn der Fall hier ist einzig dastehend, die Nachbarländer sind ganz anders vorgegangen und im Vergleich zu den Verhältnissen hier kann man die Zustände dort paradiesisch nennen. Ich schulde natürlich jetzt überall, eine ganz widerliche Lage. Daher konnte ich mich auch nicht mehr um die Dokumente bekümmern die Ihr angefordert hattet. –</p>
<p>Die Nachrichten über Albrecht + seine Ehen sind stets für uns etwas geheimnisvoll. Ist Albrecht ein schwieriger Ehemann? Hat Neger seiner Verwandten von der Ehe abgeraten und weshalb? Neger ist doch weiter sicher Albrechts Freund. Hat Friedrich noch seinen Flügel? – Die Nähe von Büchen – Ratzeburg braucht Euch nach meiner Meinung einstweilen nicht zu beunruhigen. –</p>
<p>Ich hoffe Euch bald ausführlicher zu schreiben, wenn mein seelisches Gleichgewicht wieder mehr hergestellt ist. Ich schlafe so schlecht und versuche durch vieles Lesen meine Gedanken abzulenken. –</p>
<p>Traurige Briefe kommen von Anna N. an ihre Schwägerin. – Es umarmt Euch sehr innig und wünscht Euch alles Gute für 47 Euer Rudu.</p>
<hr />
<p>Wer die Personen sind, erfahrt Ihr in der Kategorie &#8222;Über die Briefe&#8220;. Albrechts Ehen sind für Euch einstweilen auch noch geheimnisvoll, der nächste Brief von Leni wird darüber aber Aufschluss geben. Mit der Nähe von Büchen und Ratzeburg bezieht sich Rudu wahrscheinlich auf die Nähe der Grenze zur Ostzone. Schön, dass er sie von Guatemala aus nicht beunruhigend findet.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4505e21161c54a8c8cc78bfae8c882a9" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/200846/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 14:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[brief]]></category>
		<category><![CDATA[gemüseanbau]]></category>
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		<category><![CDATA[hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[mecklenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt. [handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46] Guatemala, 20. August 1946 Liebe Leni, lieber Friedrich, kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ausführlicher Brief von Rudu, der in Guatemala vom Gemüseanbau (und dem Verzehr von Autos) lebt.</p>
<p>[handschriftlich von Leni: bea[ntwortet] im Okt. 46]</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala, 20. August 1946</p>
<p>Liebe Leni, lieber Friedrich,</p>
<p>kürzlich erreichten mich Deine Zeilen vom 23.6., lieber Friedrich, und Du glaubst nicht wie sehnlich <span id="more-541"></span>wir darauf gewartet hatten, Eure Erlebnisse im Zusammenhang zu hören. Bis dahin waren es immer nur Bruchstücke, die uns hier in Guatemala erreicht hatten, die sich zum Teil widersprachen. Man möchte noch so unendlich viel fragen! Trotz aller Berichte, die von drüben jetzt eintreffen, ein Bild von Eurem Leben kann man sich doch nicht machen.</p>
<p>Unser sehnlicher Wunsch ist, Euch irgendwie zu helfen, soweit es in unseren Kräften steht. Wir haben Pakete aus der Schweiz in Auftrag gegeben, es heisst jedoch, dass nur ein ganz geringer Teil dieser Pakete ihren Bestimmungsort erreichen. Als neuestes ist uns empfohlen: Cooperative for American Remittances to Europe, abgekürzt CARE, durch die man 49 lbs. Pakete enthaltend 30 lbs. Esswaren, an Euch schicken kann. (40.000 calories). Per Flugpost geht morgen der Auftrag nach New-York, Euch und Maria B. je eins von diesen Paketen auszuhändigen. Ich hoffe von Herzen, dass sie Euch gut und schnell erreichen und bitte um umgehende Bestätigung nach Erhalt. Ich will mich mit Hertha noch in Verbindung setzen, damit das Absenden von Paketen in geregelter Weise vor sich geht.</p>
<p>Ehe ich auf Deine Zeilen eingehe, möchte ich Dir kurz von hier einiges berichten. Gemessen an den Schwierigkeiten, die Ihr zu überwinden habt, sind wir hier natürlich in Abrahams Schoss. Jedoch alles ist relativ und wenn ich Dir erzähle, dass ich seit langem nicht mehr weiss, was ruhiger Schlaf ist, so wirst Du vielleicht lächeln. Denn trotz vorzüglichen Gewissens fehlt dieser ganz, verscheucht durch die Sorgen, was die nächsten Ereignisse bringen. Erinnerst Du Dr. Edgar W.‘s Besuch in Mecklenburg im Jahre 1938? So wie er damals fühlen wir uns heute mit genau derselben Perspektive: dies Auf und Ab zwischen Hoffnung und Verzweiflung dauert seit 41. Man hat das Gefühl, momentan dem Endspurt beizuwohnen und es ist wenig Hoffnung auf ein gutes Ende. Auf dem Eckchen neben Lisi B. können wir uns alle zusammenfinden und beraten, soweit noch etwas zu beraten ist. Unsere Mittel sind sehr beschränkt und die Teuerung ist beträchtlich. Ich gebe z. B. für Milch über $ 20.- im Monat aus. Bei Achim und Hertha soll das noch schlimmer sein, nur dass ich glaube, dass er mit sehr viel grösseren Reserven anfing, denn er hat noch seinen Wagen, den ich schon vor Jahren verkaufte und längst verzehrte.</p>
<p>Gesehen habe ich Achim nicht seit der Taufe meines Jungen Okt. 41 und korrespondiert haben wir höchstens alle halbe Jahre mal, wenn sich zufällig mal eine Gelegenheit bot. Auch jetzt noch höre ich von den Vorgängen dort meistens nur durch Hörensagen, genaues weiss ich nicht. Wenn Du übrigens Gelegenheit haben solltest mit dem Bruder von Carl-Ludwig, nämlich Johannes, zu sprechen, so wird der Dir übrigens sicher noch manches von hier erzählen können.</p>
<p>Meiner Familie geht es gut. Bea ist schon ein grosses Mädchen, die sehr gut in der Schule voran kommt und alles spielend erledigt. Sie wird, denke ich mir stets sehr ihren eigenen Weg gehen und alles unangenehme wie damals auf dem Gut mit den Worten „nein heute abend“ von sich weisen. Der Junge, den wir jetzt englisch ausgesprochen Michael nennen (in der englisch geleiteten Schule nannte man ihn so) lernt die Anfangsgründe im Schreiben und Lesen und ist im allgemeinen sehr viel mehr anlehnungsbedürftig als seine Schwester und damit der Verzug seiner Eltern. „Consentido“ (Verwöhnter) sagt die Bea sehr oft verächtlich, da die beiden unter sich meistens spanisch sprechen. Michael beendet jeden abend sein Gebet mit: „und schenk mir bald ein kleines Baby“, einen Wunsch von dessen Erfüllung wir den lieben Gotte gebeten haben einstweilen abzusehen ehe er nicht weiss, wo er uns wieder einsetzen will.</p>
<p>Gemüsebau ist ganz erfreulich, ich hoffe jedoch, es wird nicht zu lange noch meine einzige vernünftige Beschäftigung bleiben. Auf einem Nachbargrundstück wohnt ein alter Herr aus Güstrow, Herr B., der viel bebaubares unbenutztes Land hatte. Nach meiner Krankheit fing ich an das umzugraben und jetzt ist jedes Eckchen bepflanzt. Wir im Hause essen fast ausschliesslich dort gebautes Gemüse und das übrige wird verkauft, die Einnahmen gehen an Herrn B., der über Geldmittel kaum verfügt. Er ist 74 Jahre und hatte vor einiger Zeit von seinem Enkel einen Bericht über den Einzug der Russen in Güstrow. Sein Schwiegersohn, Oberst, ist eine Art Komissar für den Güstrower Bezirk.</p>
<p>Seit Monaten will ich Achim besuchen, freundlichst eingeladen von Hertha, die mir die Reise aus den Verkaufserlösen ihrer Ölbilder schenken will, doch immer wieder muss ich es aufgeben und fürs erste verschieben.</p>
<p>Gestern kam ein Brief von Hertha mit einer Copie des Briefes von Albrecht vom 21. Febr., so verspätet ist der eingetroffen! Er schreibt: „ich plane im Herbst rüber zu kommen nach Mex, Gtla oder USA“, „rechne auf Eure Hilfe“, ebenso gut könnte er schreiben, er plane eine Reise zum Mond.</p>
<p>Du schreibst in Deinem Brief, Friedrich, nichts über Deine Mutter, wo sie wohnt etc., ich hoffe es geht ihr wie auch Deinen Brüdern gut. Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr mir über das Ergehen folgender Personen, soweit möglich, berichtet: [es folgt eine auführliche Personenliste] Von Klaus U. hörte ich aus Chicago kürzlich, wir mussten den Briefverkehr während des Krieges abbrechen und haben erst jetzt wieder voneinander gehört.</p>
<p>Achim und Hertha werden Euch sicher berichten. Ingrid und ich sind in Gedanken so oft bei Euch und Euren Kindern, nehmen innigen Anteil an Eurem Kummer und Euren Erlebnissen. Wir hoffen sehr, dass sich [Brief bricht ab]</p>
<hr />
<p>Was es mit Edgar W. und seinem Schicksal auf sich hat, weiß ich leider nicht. Um Euch die Weihnachtsstimmung nicht zu versauern, werde ich vor Weihnachten noch ein paar schöne Briefe einstellen. Freut Euch drauf!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fbe4ec7fc88f4833b6eb6e74b7e034c5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/200846/">20.08.1946: Meinen Wagen habe ich längst verzehrt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>11.05.1946: Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/110546/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2013 08:51:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1946]]></category>
		<category><![CDATA[40er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[enteignung]]></category>
		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[guatemaly city]]></category>
		<category><![CDATA[schicksal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr nach Kriegsende erhält Leni das erste Lebenszeichen ihres Bruders in Guatemala. Da er die Staatsbürgerschaft von Guatemala angenommen hatte, ist er der Internierung entgangen. Nichtsdestotrotz wurde die Finca enteignet und so fehlte es auch Rudus Familie an Einkommen. Achim in Mexiko ging es ähnlich &#8211; und auch zwischen den Brüdern war jahrelang kein [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/110546/">11.05.1946: Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr nach Kriegsende erhält Leni das erste Lebenszeichen ihres Bruders in Guatemala. Da er die Staatsbürgerschaft von Guatemala angenommen hatte, ist er der Internierung entgangen. Nichtsdestotrotz <span id="more-538"></span>wurde die Finca enteignet und so fehlte es auch Rudus Familie an Einkommen. Achim in Mexiko ging es ähnlich &#8211; und auch zwischen den Brüdern war jahrelang kein Kontakt möglich.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Guatemala Capital, 11.5.46</p>
<p>Liebe gute Leni – ein kurzer Gruß der Euch sagen soll, daß es uns gut geht und daß wir mit unseren Gedanken täglich und stündlich bei Euch sind. Spärliche Nachrichten erreichten uns über die Schweiz, es fehlen jedoch noch Einzelheiten, ehe wir uns ein ungefähres Bild Eurer so traurigen Erlebnisse machen können. Könnten wir Euch doch nur erst helfen! Nichts hörten wir von Albrecht’s Familie, auch Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. Wenn Dir möglich, schick mir bitte die Adresse von Ulle! Seit meiner Krankheit im vorigen Jahre bin ich froh wieder körperlich, d.h. als Gärtner und Tischler tätig sein zu können, vorher hatte ich mich vor allem damit befaßt englische Lektüre zu verschlingen. Im nächsten Monat hoffe ich endlich Achim besuchen zu können, den ich seit 41 nicht mehr gesehen habe. Ob und wann ich wohl meinen Geburtsort wiedersehe? Unsere Adresse: Gtla City, [&#8230;] – Grüß alle, vor allem Friedrich und sei umarmt in Liebe von Rudu und Ingeborg.</p>
<p>Innige Geburtstagswünsche!</p>
<p>Rudu</p>
<hr />
<p>Beachtet wissen möchte ich aber die Tatsache, dass der Brief eventuell pünktlich zu Lenis Geburtstag am 21.6. eintraf. Das war in früheren Jahren ja meistens nicht der Fall.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/15e786c5af514f7a92678bb6b62e4622" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/110546/">11.05.1946: Euer Schicksal ist uns nicht bekannt. (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>16.02.1938: Süße Bilder von Tirili (Ingrid)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/160238/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Oct 2013 09:27:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1938]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[baby]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[mexiko]]></category>
		<category><![CDATA[schreibfaulheit]]></category>
		<category><![CDATA[tapachula hotel]]></category>
		<category><![CDATA[tirili]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gemein &#8211; die Bilder sind natürlich nicht mehr vorhanden. &#8222;Tirili&#8220; oder &#8222;Tirilibi&#8220; bezeichnet ein Baby oder eine Schwangerschaft. Leña ist Holz, chicharras sind Zikaden. &#8222;Mutti&#8220; ist Ingrids, &#8222;Mama&#8220; Rudus Mutter. Wer mir bei den Gardinen helfen kann, ist dazu hiermit herzlich aufgefordert. [Edit wenige Minuten nach Veröffentlichung: Das Rätsel wurde gelöst. Danke an Angela, Heike und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/160238/">16.02.1938: Süße Bilder von Tirili (Ingrid)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Gemein &#8211; die Bilder sind natürlich nicht mehr vorhanden. &#8222;Tirili&#8220; oder &#8222;Tirilibi&#8220; bezeichnet ein Baby oder eine Schwangerschaft. Leña ist Holz, chicharras sind Zikaden. &#8222;Mutti&#8220; ist Ingrids, &#8222;Mama&#8220; Rudus Mutter. Wer mir bei den Gardinen helfen kann, ist dazu hiermit herzlich aufgefordert. [Edit wenige Minuten nach Veröffentlichung: Das Rätsel wurde gelöst. Danke an Angela, Heike und Katja!]</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">V., 16.II.38</p>
<p>Meine liebe Leni,</p>
<p>Wenn ich Dir jetzt nicht schreibe, wird es vor<span id="more-426"></span> unserer Abreise nach Dtschld. bestimmt nichts mehr! Zweimal schon wurde die erste Seite eines Bogens beschrieben, zuletzt fing ich einen Brief an Dich im schönen Tapachula Hotel an, woraus Du schliessen kannst, wie sehr mir ein Brief an Dich auf der Seele liegt. Es ist aber kaum wieder gut zu machen, dass Du weder zur Geburt Eurer Kleinen noch zu Weihnachten oder sonst etwas von mir vernommen hast, obgleich ich schon Zeit genug gehabt hätte zu schreiben. Und Leni, wie sehr haben wir in großer Mitfreude an Friedrich und Dich gedacht als Tirilibi zur Welt kam und haben uns so gefreut über alle guten Nachrichten über sie und Euch. Sei mir nicht böse, daß ich Dir das nie einmal sagte, es gibt keinerlei Entschuldigung für diese träge Schreibfaulheit.</p>
<p>Mutti und Hertha haben uns natürlich viel von Euch Dreien erzählen müssen, ich kann mir Tirili so gut vorstellen[,] Eure Seligkeit über sie, Eure nette Wohnung. Du schilderst Euer Leben so anschaulich in dem rührend langen Brief an Rudu u. mich und dann hast Du uns so lieb zu Weihnachten geschrieben, Auch las ich Deinen letzten Brief an Achim und Hertha – Leni, Du mußt wissen, wie mich das alles gefreut hat und wie oft meine Gedanken bei Euch waren. Ich freue mich unendlich auf den Augenblick, wo wir uns alle wiedersehen und male mir mit Rudu oft aus, wie schön es zusammen mit Euch in N. wird.</p>
<p>Jetzt aber erstmal innigen Dank für das ganz wonnige Dirndlkleidchen für Beate! Ich bin ganz glücklich, dass es noch zu groß ist, so ist die Vorfreude lang, und Du kannst sie später so recht darin erleben. So lieb ausgesucht hast Du es, der Stoff ist zu niedlich! Und dann, Leni, die süßen Bilder von Tirili, die uns eine große Freude gemacht haben. Ja, wie sieht sie Friedrich ähnlich und ist ja ein schnuckliges baby, urgesund und fidel! Wenn wir kommen, läuft sie uns vielleicht schon entgegen; diesem Quecksilber ist derartiges mit 9 Monaten ja durchaus zuzutrauen.</p>
<p>Seit Sonnabend (12.II.) sind Mama, Rudu u. ich hier in V., nachdem wir eine herrliche Autofahrt von der Finca durchs Hochland nach Guatem. gemacht hatten. 3 Jahre bin ich nicht in diesen Gefilden gewesen, deshalb wollte Rudu mich auch so gerne mithaben und so bleibt Mutti diese 14 Tage mit Beate in B., wo sie bei B.s ja gut aufgehoben ist und vor allem Beate ganz für sich hat, worüber sie glücklich ist. Ende Februar treffen wir uns alle in U. wieder, dann haben wir dort noch ca. 5 Wochen, bis es los geht. Den beiden Müttern haben wir mit unserer schlanken Linie keinen gelinden Schrecken eingejagt, so drangen beide sehr auf diese Reise, die von uns garnicht so „ersehnt“ war, d. h. wir freuen uns natürlich, aber Du weißt, wie gern wir hier sind.</p>
<p>Zu schön ist es hier wieder bei Achim und Hertha! Mama schläft oben im Haus, Rudu + ich bei F’s in dem wirklich wunderschönen kleinen Haus, dass mich [!] mit seinem hübschen roten Ziegeldach den selbstgefertigten Fliesen und schönen Hölzern sehr gefällt. Wie hat sich in der Zwischenzeit hier alles verändert! In den T.C. [?] Zimmern empfängt uns Ilschen mit Tüllscheibengardinen, kleinen Strickdeckchen/allüberall und einem „sehr strammen Sohn“ der einen immer ein bißchen verkniffen u. verärgert ansieht. Sie und er sind aber glückselig und das ist ja die Hauptsache. Furchtbar nett ist Frau F. mit dem netten holländischen Akzent, wie hat sie ihr Haus hübsch eingerichtet!</p>
<p>Rugi, Jörg, Harald das Prachtkleeblatt! Rugi und Jörg spielen chicharras-Jäger, sammeln diese quakenden Biester in ihren Hosentaschen, unter Kissen, in Tüten, fahren stets mit gleicher Begeisterung leña im camion und haben den ganzen Tag strahlende, blitzende Augen. Eigentlich wollten wir Bea mitnehmen, doch die Reise mit den Tausend dummen Formalitäten wäre zu umständlich mit ihr gewesen. –</p>
<p>Mama schlief in U. + B. mit ihr zusammen, war somit die „Nacht-Oma“, Mutti fütterte sie am Tag u. hieß „Ange“ (andre) Oma oder „Tagoma“. Beide wurden zuerst nur mit „Tante“ angeredet, aber Beate gewöhnte sich ziemlich schnell an beide. Sie spricht alles nach: Morgends begrüßt sie mich mit: „Morgen, Mama, slapen.“ (gut geschlafen) Ihr Schönstes ist das „Cafetrinken“ nach dem Mittagsschlaf, dann sitzt sie auf einem hohen Klavierbock zwischen Rudu u. mir, hält zierlich ihre kleine Mokkatasse in der dicken Patschhand, den kleinen Finger abgespreizt „wie Tante Dora“ sagt Rudu. Überhaupt isst sie schon ganz manierlich allein, in U. an ihrem kleinen Tisch und Stuhl. Vor ein paar Tagen sah ich hier zum ersten Mal den San Rafael Film und Beas ersten Schritte. Zu nett! Wie ist es sonderbar, sich selbst im Film zu sehen, man macht die komischsten Bewegungen, von denen man gar keine Ahnung hat. In der Zwischenzeit (zwischen Filmaufnahme und jetzt) hat sie viel dunklere Haare bekommen, auch die Augen dunkeln stark nach. Auf die kleine R. in Baluarte, die im selben Alter ist, ist sie nicht gut zu sprechen, die Beiden reißen sich das Spielzeug aus den Händen, retten sich in eine sichere Ecke, von wo aus sie das Errungene mit schubsen, beißen und kratzen verteidigen.</p>
<p>Mutti schwimmt, läuft mit spazieren u. schlachtet, wir sind viel mit ihr hier herumgefahren damit sie auch all die Fincas kennen lernt; zum Schluß fahren wir noch mit ihr durchs Hochland, sie ist ganz die Alte und genießt alles unendlich, besonders die süße Bea. Neulich machte <span style="text-decoration: line-through;">sie</span> Mutti ihren ersten Ritt. Meine Reithose passt famos.</p>
<p>Wie freuen wir uns auf N.!</p>
<p>Jetzt will ich aber schließen, gleich geht’s nach Nicó zu Frau M., die ich im August mit der neugeborenen Kleinen zuerst begrüßte in Guatemala. Süss ist die kleine Tochter von Kurt u. Vera N., ein ganz besonders nettes Ehepaar , ich war viel mit ihr zusammen und mag sie zu gern.</p>
<p>Leni, ich weiß nicht, ob Dich dieser Brief etwas versöhnt hat, aber ich glaube, es wird herrlich mit untern [unseren] beiden Bugis später, in Deutschld, und ich werde Nichtgeschriebenes mündlich ordentlich nachholen.</p>
<p>Grüsse an Friedrich, viele herzliche auch von Rudu, Eurem Tirilibi einen dicken Bubben und Dir viel liebe Gedanken von Deiner Ingrid.</p>
<div id="attachment_427" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-427" class="size-medium wp-image-427" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1.jpg?w=300" alt="Kryptisches Wort Teil 1" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-1-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-427" class="wp-caption-text">Kryptisches Wort Teil 1</p></div>
<div id="attachment_428" style="width: 310px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-428" class="size-medium wp-image-428 " src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2.jpg?w=300" alt="Kryptisches Wort Teil 2" width="300" height="225" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2.jpg 2048w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-300x225.jpg 300w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-768x576.jpg 768w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-1030x773.jpg 1030w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-1500x1125.jpg 1500w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-705x529.jpg 705w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/10/brief-31-2-450x338.jpg 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-428" class="wp-caption-text">Kryptisches Wort Teil 2</p></div>
<hr />
<p>Typisch für Ingrid, ist auch dieser Brief wieder etwas atemlos zu Papier gebracht. Eine Kostprobe von der dynamischen Schrift habt Ihr auf den Fotos. Ich kannte Ingrid nicht, frage mich aber, ob sie &#8222;in echt&#8220; auch so überschwänglich war. [Edit 2: Verlässliche Quellen bestätigen meine Vermutung.]</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/9aaf8cc1d75a47d38287e7a82d08b897" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<item>
		<title>03.06.1937: Druvappel (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/030637/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 11:23:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[druvappel]]></category>
		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[rauchen]]></category>
		<category><![CDATA[regenzeit]]></category>
		<category><![CDATA[schwanger]]></category>
		<category><![CDATA[temporal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein maschinegeschriebener Brief von Rudu und eine Postkarte von Ingrid. Leni hat im Oktober 1936 geheiratet. z.Zt. La V., den 3. Juni 1937. Meine liebe Leni, zu Deinen Geburtstag wandern viele liebe Gedanken und herzliche Wuensche zu Dir. Das neue Jahr wird fuer Dich sicher voll Seligkeit sein ueber den Zuwachs Deiner kleinen Familie, wir [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein maschinegeschriebener Brief von Rudu und eine Postkarte von Ingrid. Leni hat im Oktober 1936 geheiratet.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">z.Zt. La V., den 3. Juni 1937.</p>
<p>Meine liebe Leni,<br />
zu Deinen Geburtstag wandern viele liebe Gedanken und herzliche Wuensche zu Dir. Das neue Jahr wird fuer Dich sicher voll Seligkeit sein <span id="more-367"></span>ueber den Zuwachs Deiner kleinen Familie, wir hoffen und wuenschen Euch das Beste. Von Deinem Heim haben wir so manches gute gehoert und ich glaube ich habe Dir schon geschrieben, wie ich mich auf den ersten Besuch bei Dir freue. Mama schrieb in diesen Tagen, dass Ihr eine kleine Reise unternommen habt ins Rheinland, um einen Onkel von Friedrich zu besuchen und Ihr anschliessend dann fuer einige Tage in N. landen wolltet. Hoffentlich hast Du alles noch geniessen koennen, Mama wird ja sicher aufpassen, dass Du Dich richtig schonst. Freude bei uns allen loeste Deine Nachricht aus, dass Du das Rauchen sehr einschraenktest, uns allen schien das ein wesentlicher Punkt.<br />
Wie Du sicher gehoert hast, haben wir seit einiger Zeit den Besuch von Herrn W. und Herrn und Frau von L. aus Holland. Die Zeit war aeusserst nett. In Guatemala haben wir erst das geschaeftliche erledigt, d.h. einen neuen Vertrag geschlossen, ermoeglicht dadurch, dass die Erbschaft fuer Guatemala erledigt ist. Nach B. fuhren wir durchs Hochland, fuer neu ins Land kommende ein grosser Genuss. Ingrid und Hertha blieben solange in San Rafael, leider durch die Kinder gebunden. Die sehr froehliche Stimmung litt etwas in B. und U., da unserer Gaeste – wie es ja eigentlich allen geht, die neu ins Land kommen – mit dem Magen zu tun bekamen und Dr. A. zur Behebung der allbekannten Erscheinungen zu Rate gezogen werden musste. In U. fehlte mir sehr Ingrid, die natuerlich auch die unentbehrliche Pancha in San Rafael behalten hatte, sodass niemand so recht mit Bettwaesche etc. Bescheid wusste. Ich habe mich so gut ich konnte aus der Affaere gezogen. Mit dem Flugzeug ging es dann nach Tapachula und hier in V. sind wir natuerlich glaenzend aufgehoben. Leider konnte ich Ingrid wieder nicht mitnehmen, einmal ist es mit Bea noch zu umständlich und zum anderen hat Hertha das Haus so voll, dass so kleine Puckis die Lage nur erschweren. Ungluecklicherweise ueberraschte uns gleich ein Temporal und es hat in der ganzen Zeit fast immer geregnet, die Sonne hat kaum geschienen. So haben unsere Gaeste jedenfalls waschechte Regenzeit erlebt.<br />
Die Jungens hier sind reizend, besonders der Dicke erwirbt sich mit seiner drolligen, natuerlichen Art alle Herzen. Rugi hat Schule bei Frl. H. und ist einstweilen mit grosser Freude dabei – wahrscheinlich „solange es dauert“. Der Kleinste sieht fürs erste aeusserst putzig aus.<br />
Wahrscheinlich hat Ingrid Dir auch geschrieben und Dir von San Rafael berichtet. Leider ist sie jetzt dort ganz allein und wird sich sicher sehr langweilen. Aber wir wollten gern zusammen nach U. zurueckkehren, in der Regenzeit ist solch Unternehmen ja nicht so leicht. Ich hab ja jetzt einen kleinen sehr netten Ford – denselben, den Achim hier hat – und mit ihm werden wir nun bald nach U. zurueckrueschen, nachdem wir seit dem 1. April nicht mehr dort waren. Bea hat sich natuerlich in San Rafael dementsprechende erholt und herausgemacht. Ihre Baeckchen sind rot und dich, so kleine Blutaederchen ziehen sich dadurch, kurz und gut: ein Druvappel. Gegen Fremde benimmt sie sich sehr abweisend, da sie auf der Finca selten andere Menschen gesehen hat, natuerlich auch nicht verwunderlich, immerhin scheint es eine Eigenart zu sein. Leider faengt sie an, etwas nachzudunkeln, einstweilen hat sie helle Loeckchen. Die Freude ueber sie ist unendlich gross.<br />
Achim und Hertha werden Dich in Kuerze sehen und Dir sicher viel zu erzaehlen haben. Da Du in den kommenden Wochen sicher sehr ans Haus gefesselt sein wirst, kannst Du uns sicher mal schreiben und erzaehlen. Ich wuerde von Dir so gern mal wieder ueber Albrecht und Maria hoeren. An Albrecht schrieb ich einen laengeren Brief, vielleicht erzaehlt er Dir von dem Brief. Mama schrieb, dass er ein seelisches Erlebnis hatte, das ihn stark erschuetterte, sprach aber nicht naeher darueber. Was macht die gute Babs? hat sie sich noch nicht verlobt? und was machen Deine Schwaeger Niko und Henning? Ich haette so unendlich viele Fragen. Ich wuesste gern, mit wem Du so in Hamburg zusammen kommst, ab Ihr ganz viel Betrieb habt.<br />
Du musst gemeinsame Bekannte vielmals gruessen, leider habe ich ja nicht so eifrig an manche geschrieben, wie es wohl sein muesste. In U. ist immer recht viel zu tun – mir graut davor, was ich jetzt alles nachzuholen habe – und wenn man abends fertig ist, widme ich mich Ingrid, die doch sonst niemanden hat und [ma]g dann nicht mich noch an den Schreibtisch setzen.<br />
Nochmals alles Gute, mein Pucki, ich werd den Daumen fuer Dich druecken und mit vielen lieben Gedanken bei Dir sein. Gruess Deinen Gatten herzlich und empfiehl mich Deiner Schwiegermutter.</p>
<p>Es umarmt Dich und gibt Dir einen dicken Buppen<br />
Dein<br />
Rudu.</p>
<div id="attachment_369" style="width: 213px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-369" class="size-medium wp-image-369" src="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281.jpg?w=203" alt="Recto: &quot;Un joven indio de Sololá&quot; Verso: &quot;Gutatemala produce el mejor café del mundo.&quot;" width="203" height="300" srcset="https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281.jpg 767w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281-204x300.jpg 204w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281-700x1030.jpg 700w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281-479x705.jpg 479w, https://www.textfuss.de/wp-content/uploads/2013/09/brief-281-450x662.jpg 450w" sizes="(max-width: 203px) 100vw, 203px" /></a><p id="caption-attachment-369" class="wp-caption-text">Recto: &#8222;Un joven indio de Sololá&#8220;<br />Verso: &#8222;Gutatemala produce el mejor café del mundo.&#8220;</p></div>
<p>den 11.6.37.<br />
Meine liebe Leni, Rudu schrieb Dir diesmal die längeren Zeilen, aber auch mein kurzer Gruß soll Dir viel innige Glückwünsche bringen und sie sagen, daß ich gerade an diesem Geburtstag mit vielen lieben Gedanken und großer Mitfreude auf das Kommende bei Euch sein werde. Rudu, Tante Mia und Günter kamen gestern mit dem avion aus Tap. Jürgens Arm muß geröngt werden, da er gefallen u einen Bluterguß hat u. Tante Mia muß ihren Papiere wegen eine Zeitlang Mexico verlassen. Bea ist wohlauf mit roten Backen, bald geht es nach U. zurück. Dir u. Friedrich viel Liebes von Deiner Ingrid.</p>
<p><em>Nun ist Leni also schwanger und die Verwandtschaft begrüßt es, dass sie das Rauchen eingeschränkt hat. Wusste man damals schon, wie ungesund Rauchen für das ungeborene Kind ist oder war es mehr ein Instinkt? Welches seelische Erlebnis Albrecht hatte, weiß ich nicht. </em></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fbc5c1b2e53b41df867662e7975319f0" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>05.06.1935: Abends ist man stets so eigentümlich müde. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/050635/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Aug 2013 09:50:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[geburtstag]]></category>
		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[regenzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ingrid zwingt Rudu zum Schreiben &#8211; immerhin schreibt er also noch vor Lenis Geburtstag am 21.6. Obs gereicht hat? La U. 5. Juni 35. Meine liebe Muschi! Ingrid schiebt mir den Brief von Dir ein, so habe ich Gelegenheit, Dir auch noch einen lieben Geburtstagsgruß und Kuß in Gedenken zu geben. Schon lange wollte ich [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Ingrid zwingt Rudu zum Schreiben &#8211; immerhin schreibt er also noch vor Lenis Geburtstag am 21.6. Obs gereicht hat?</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La U. 5. Juni 35.</p>
<p>Meine liebe Muschi!</p>
<p>Ingrid schiebt mir den Brief von Dir ein, so habe ich Gelegenheit, Dir auch noch einen lieben Geburtstagsgruß und Kuß in Gedenken zu geben. Schon lange wollte ich Dir antworten, aber die Zeit läßt sich so schwer finden. Abends ist man stets so eigentümlich müde.<span id="more-323"></span></p>
<p>Der erste Sommer, den ich nicht auch in N. mit Euch verlebe, dafür wandern meine Gedanken oft dahin. Mutter schrieb gestern, daß Du bei Alice bist, Maria vielleicht in eine Klinik geht und die Kinder in Blankenese sind. Was wohl vorliegt? Du wirst inzwischen gehört haben, daß die Eltern hier einen recht ungünstigen Bericht + Eindruck über Marias Tun + Treiben hatten und daß man allgemein auf Seiten Werners ist, sowie man Einblick in die Vorgänge hatte.</p>
<p>Ingrid hat Dir von allem so ausführlich erzählt, daß mir wenig verbleibt. Lediglich sagen kann ich noch, wie Ingrid mir hier fehlt und wie schade ich es finde, daß Colerinchen sie noch immer besucht. Es ist so wichtig, daß sie das los ist und auf der anderen Seite möchten wir so gern wieder hier zusammen sein.</p>
<p>Der Regen kommt schon mit großer Regelmäßigkeit jeden Tag. In B. war vor einiger Zeit Hochzeit von Herrn R., sonst geht hier wenig vor sich. Mutter und Vater von Ingrid schreiben sehr regelmäßig, dadurch hört man stets etwas aus R. Unser Haus dort soll sich so verändert haben? Was Mama wohl gesagt hat?</p>
<p>Und Du? Wo Du wohl den 21. begehst? Diese Zeilen schicke ich lieber ans Kontor. Es hat uns so gefreut, daß Du den seligen Bericht aus München schicktest, hoffentlich füllt der Dich solange aus, bis Friedrich soweit ist, daß Ihr an eine Heirat denken könnt. In allen Dingen, in denen Du und Friedrich Rat haben wollt, wendet Euch nur ruhig an Papa, ich habe das Gefühl, daß er stets einen Ausweg weiß.</p>
<p>Wie Du wohl mit Hertha Dich auseinandergesetzt hast? Du mußt mir mal schreiben, überhaupt so über das Leben und Treiben von Euch Jugend, denn Mama sieht doch mehr andere Dinge und berichtet die. Was macht Babs? Ich möchte ihr wohl mal schreiben und hoffe dazu zu kommen. Erst kommt jetzt Ulle mal, der schlecht behandelt ist. Am rührendsten hat sich mal wieder Klaus um uns bekümmert, er schickt uns lauter schöne Dinge und schreibt reizende Berichte.</p>
<p>Was sagst Du zu dem bevorstehenden Ereignis hier bei uns? Ingrid ist so selig und wir beraten sehr eifrig die Dispositionen, die wir <span style="text-decoration: line-through;">dies</span> für diese wichtige Zeit zu treffen haben.</p>
<p>Und Richard? Hier schwirren wilde Gerüchte durchs Land, keiner weiß richtig Bescheid.</p>
<p>Leb wohl, von Herzen wünsche ich Dir noch nachträglich, denn leider werden wohl diese Zeilen verspätet eintreffen, recht viel Gutes.</p>
<p>In inniger brüderlicher</p>
<p>Liebe Dein Rudu.</p>
<hr />
<p><em><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/fdb3464220c04fe7aca2abb856b22b45" alt="" width="1" height="1" /></em>Auch ich wüsste jetzt ja mal gern über Richard Bescheid! Und über Marias Tun + Treiben wüsste ich ebenfalls gern mehr. Das ist der große Nachteil von Briefen innerhalb der Familie &#8211; jeder weiß im Grunde genommen, worum es geht, man muss nicht weiter darauf eingehen. Aber &#8211; Trommelwirbel &#8211; Leni hat an die Nachwelt gedacht und die Durchschläge ihrer eigenen Briefe mit abgeheftet. Der nächste ist von ihr! Ich freue mich, nächste Woche endlich eine Antwort präsentieren zu dürfen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>31.05.1935: ein unerhörtes Glück (Ingrid)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/310535/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Aug 2013 09:55:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[finca]]></category>
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		<category><![CDATA[guatemala]]></category>
		<category><![CDATA[kaffeeplantage]]></category>
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		<category><![CDATA[personal]]></category>
		<category><![CDATA[san rafael]]></category>
		<category><![CDATA[spanisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste Brief in lateinischer Schrift! Er ist von Ingrid, Rudus Frau. Sie schreibt offenbar recht schnell (sagt sie auch selbst), jedenfalls finden sich ein paar Wirrheiten. Wenn es das Lesen zu sehr erschwerte, habe ich ein paar Kommas ergänzt. Ingrid beschreibt das für sie ganz neue Leben in Guatemala, ihren Umgang mit dem Personal [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/310535/">31.05.1935: ein unerhörtes Glück (Ingrid)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Brief in lateinischer Schrift! Er ist von Ingrid, Rudus Frau. Sie schreibt offenbar recht schnell (sagt sie auch selbst), jedenfalls finden sich ein paar Wirrheiten. Wenn es das Lesen zu sehr erschwerte, habe ich ein paar Kommas ergänzt. Ingrid beschreibt das für sie ganz neue Leben in Guatemala, ihren Umgang mit dem Personal usw. sehr anschaulich, auch ihre eigene Ungeduld. Natürlich sind das recht herrschaftliche Probleme &#8211; herrschaftlich und mir sehr fremd. Daher eben auch interessant.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Hotel San Rafael, d. 31.5.35.</p>
<p>Meine liebe Leni,</p>
<p>Schon so lange hatte ich<span id="more-317"></span> Dir schreiben wollen, Dir erzählen von unserem Haus, von unserem gemeinsamen Leben auf der Finca und sovielen anderen. Und nun muß erst Dein Geburtstag der Nachdruck verleihende Anlaß sein, aber gut daß er naht; denn sonst hätte ich diesen Brief vielleicht zu Weihnachten fertig gekriegt – Du ahnst nicht, was zu schreiben vorliegt, was noch nicht beantwortet seit Monaten wartet und wartet; und wie die Zeit der Ehefrau ausgefüllt!<br />
Leider ist noch kein Mittel gefunden dem anderen auch ohne Brief die Gedanken und das Mitfühlen zu zeigen, was durch Deine beiden Briefe an Rudu noch in so besonderem Maße lebendig wurde. Leni wir waren in Gedanken so oft bei Dir, und wenn ich Dir jetzt sehr viel liebe Wünsche schicke, dann hoffe ich so von Herzen, daß jeder einzelne recht bald zur schönsten Wirklichkeit wird! Und wenn die Erfüllung der meisten auch noch in weiter Ferne liegen wird, so ist die Zwischenzeit durch den Gedanken an die Zukunft und an die Arbeit, die Dir Freude macht gewiß schön und leicht zu ertragen. Wie freuen wir uns alle zu hören, daß Du Dich so glücklich in München fühlst, ich kann mir Deine Seligkeit über das nette Zimmer, die anregende Stadt und die Arbeit mit schönen praktisch zu verwertenden Dingen so vorstellen! Man tut ja auch alles so viel ernsthafter wenn man weiß wofür. Ich kann es auch meiner Leipziger Zeit heraus so gut verstehen. Und Du hast es so verdient finde ich, weil Du in der Zeit vorher doch keine freie Minute für Deine eignen Dinge übrig hattest.<br />
Wenn ich nur jetzt wüßte, ob Du Mama und Papa schon gesprochen hat, wenn dieser Brief Dich erreicht; vielleicht hörtest Du nun schon vieles mündlich was ich Dir schreibe, aber das macht ja auch nichts.<br />
Du wirst Dich wundern, daß ich in San Rafael bin, nun schon 2 ½ Wochen um ein bißchen Blutarmut, die ich durch eine ganz blöde Darminfektion bekam, zu kurieren. Du erinnerst vielleicht, daß Hertha hier auch mal war, es ist ein sehr gemütliches , schönes Hotel von einem sympathischen Schweizer Ehepaar geführt oberhalb Guatemalas 2020 m hoch. Bisjetzt hatte ich nur Sonnentage, obgleich die Regenzeit beginnen sollte, also ein unerhörtes Glück. Ich nütze die Zeit mit den schönsten Touren aus auf die Höhenzüge von wo man die mächtigen Vulkane ganz dicht vor sich sieht, in die Brombeeren teils alleine teils mit der Schweizerin. Die letzten Tage verliefen jedoch garnicht kurgemäß, es kam viel Besuch, die N’s, E., E., Frau R. und Maegli teils um mich, Teils um Frau B.[,] eine Dame aus Honduras[,] sehr interessiert und nett, die auch hier oben ist, zu besuchen. Wir taten uns zu herrlichen Spaziergängen zusammen und spielten Poker am Abend[,] es waren alles so nette Menschen. Ich denke stets, dass Rudu daß doch miterleben könnte. In 2 Wochen aber sehen wir uns wieder, es ist doch eine schrecklich lange Trennungszeit! Und wie gut habe ich es noch gegen ihn; allein auf der Finca in dem Regen, allein abends in unserem Haus – Du kannst Dir nicht denken wie ich mich nach U. zurücksehne. Ich hoffe sehr daß ich das immer wiederkehrende Kolerinchen bis dahin beseitigt habe. Eine Darmsache in den Tropen soll das langwierigste sein was es gibt und man macht mit europäischer Einstellung lauter Fehler, die Erfahrung muß man erst selber machen. Ich bin bei einem Arzt der aus de repente Pillen verschreibt, die solange sie wirken einen zum gesündesten Menschen machen, der Rückfall kommt aber immer wieder. So jetzt Schluß von diesen Krankheitsgeschichten – Du mußt von U. hören, meinem geliebten U. unserm Häuschen, Leni, daß jetzt, dank Mamas emsiger Hilfe beim Gardinennähen und tatkräftigen Aussortieren für uns unter den B. Dingen, so unendlich gemütlich und hübsch ist; könntest Du sein rotes Dach in alle dem Grün leuchten sehen von A. U. aus oder das hübschgemaserte Holz der Innen- und Aussenwände bewundern! Es tront hoch über allem andern auf dem kleinen Hügel, den man bei Regen herunterglitscht, und der rückwärts in einem jung angepflanzten Kiefernwald verläuft. Auf halber Höhe liegt mein Gemüsegarten, der uns sehr ans Herz gewachsen ist. Allerdings verdanken wir eine Riesentomatenernte mehr dem Klima, daß alles 3 x so schnell wachsen läßt, als meinem noch sehr dem Glückszufall unterstehenden agriculturellen Können. Ich hatte den Samen dies Saln nicht rechtzeitig, man muß im Dez. Kor. pflanzen, meine Sämereien bekommen schon zu viel Regen. Herr B., der Verwalter ist mein einziger Berater, denn Candids der Gärtner, der ebenso faul ist wie sein Name den „Reinen“ wiedergibt, läßt die eben angekommenen Rosenstecklinge in unserer Abwesenheit verkommen und hat auf alle Schimpfwörter unseres noch sehr kleinen Repertoirs ein breites Lächeln. Ja das Spanisch! Rudu fehlt es besonders im Verkehr mit den Mogos. Man kann nicht gleich alles verlangen und muß Geduld haben, aber ich rede ja eigentlich nur mit Pancha und Polycarpa, einen Bruchteil des Tages die Gelegenheit zum sprechen ist so gering! Hier oben habe ich mich auf die Grammatik gestürzt, aber die Conversation fehlt.<br />
Pancha ist unendlich gefällig, Du glaubst nicht mit welcher ehrlichen Begeisterung und Anteilnahme sie die Fußböden bohnert! Sie macht Vignas aus den Füßen[,] serviert aufmerksam und ist richtig unentbehrlich. Mit Polycarpa ist schwer umzugehen. Ich war bisjetzt einmal in der Küche, sowie man sich dort blicken läßt, schießt sie heraus, blockiert den Eingang und nimmt mir wohlmöglich meine unvollkommene Ausdrucksweise übel. Sie kocht ja gut und appetitlich in diesem Loch von Küche, die gleichzeitig Aufbewahrungsort aller Vorräte ist! – aber wiederholt sich zu oft, sodaß ich mir jetzt allerhand Zutaten und Rezepte nennen lasse, die ich ihr aufzwingen werde. Im Ganzen bin ich ja dankbar, daß sie existiert, so konnte ich mich erstmal ganz auf unser Haus beschränken, aber es bedrückt mich etwas Und sie [das gehört da wohl nicht hin] den andern so wichtigen Hausfrauenpflichten so fern zu stehen und z. B. garnicht zu wissen was auf den Tisch kommt. Geduld, Geduld – es ist schon gut so. Ich muß an Hertha denken, wielange hat es gedauert bis sie selbstständig befehlen konnte! Jetzt nach 5 Jahren ist die Küche erst fertig geworden in V. Rudu und ich sind so selig auf der Finca und es kommt uns vor als ob wir immer dagewesen wären. Der schönste Moment des Tages ist der wenn Rudu’s Tramsschritt gegen 7 Uhr abds draußen zu hören ist, und er sich so richtig freut, in unserem Reich zu sein. Man freut sich auf einander als ob man sich den ganzen Tag nicht gesehen hätte, und es stimmt bis zum gewissen Grade denn zu den Essenszeiten ist Herr B. ja immer dabei. Ab ½ 9 Uhr sind wir dann ganz für uns, der Weg bei Sternenschein zusammen herauf, die tausend Glühwürmchen, der Blick auf die Berge, die im Mondschein so unwirklich schön daliegen, wie glücklich und dankbar sind wir, daß wir es so gut haben! Dann kommt noch eine gemütliche Runde im Wohnzimmer bei irgend einem Buch oder Ulles Beethoven Konzert. Im Eignen für sich, Leni es gibt nichts Schöneres! Um uns herum die selbstentworfenen Möbel, der Zedernholzschreibtisch, der Schlafzimmerschrank, die wir langsam entstehen sahen, z. T. mit poliert haben, man liebt das kleinste Bild, die kleinste Vase es gehört zu unserm Leben zu zweit. Ich schicke Dir Bilder von den Zimmern, am fertigsten und schönsten ist das Schlafzimmer und mit der bunten Bettüberdecke und den Gardinen die denselben Stoffstreifen tragen. Du wirst von Mama hören wie die Stoffreste, bis auf den Zentimeter auskamen, (aus B. bekamen wir die Reste) Für das Badezimmer kauften wir uns eine Wanne, 1 billigen Badeofen und ein Klo, es fehlt noch die Leitung, wir schöpfen noch aus der torna.<br />
Du, ich trage Deine Reites viel! Sie passen so gut in die Umgebung! Nachdem ich 14 Tage in der Hauptstadt (bei W.s) gewohnt und so allerhand von den Menschen dort gehört und gesehen habe, preise ich mich glücklich nicht dort wohnen bleiben zu müssen, sondern zur Finca zurückzukommen. Dies Getratsche, diese Cafés, diese Nichtstadt Guatemala! Bei W.s sind Rudu und ich sehr freundlich und herzlich aufgenommen, ich kann sie jeder Zeit um etwas bitten, Sonntag besuchen sie mich. Frau W. ist unproblematisch aber die allersympathischste Dame aus Guatemala, jedenfalls treffen wir uns in gleichgesinnter Natürlichkeit.<br />
In der ersten Zeit haben wir sehr viele Reittouren gemacht, ich meist auf Werner K.s Mula, die ihre Nervosität mit der Zeit verloren hat. Durch alle Cafetales („Camilla“ kommt prächtig, und erfüllt das ganze Blickfeld vom Schreibtisch aus gesehen) bindend, wie schön ist’s im Urwald! Ditmar, der ca 5 Wochen bei uns wohnte brachte uns das Autofahren bei, nur am Schalter haperts noch etwas. Aber von P. zur Finca komme ich ohne Zwischenfall.<br />
Jetzt wird das alles etwas in den Hintergrund gedrängt, denn im Dezember, Leni, werden wir zu dreien dort oben hausen, Du hast es sicher schon gehört. Es ist mir selber noch ein so unvorstellbarer Gedanke, daß plötzlich ein kleines Wesen in unser Leben treten wird, ein sehr glückseliger heimlicher Gedanken, den wir noch tief in uns verschließen und über den ich Dich bitte auch noch ganz zu schweigen. Es ist ja nun so enorm wichtig, daß ich schnell wieder auf den Damm komme!<br />
Was wirst Du zu Rugi gesagt haben, dem süßen Kerl als wir um Weihnachten in V. waren und ich soviel mit ihm zusammen war, habe ich mir zum ersten Mal ein Kind gewünscht. Hertha wirst Du ja auch begegnet sein. Ich halte doch sehr viel von ihr!<br />
Leni hast Du Ski gelaufen? Und nette Menschen kennen gelernt? Was macht Richard nun eigentlich? In den Sommerferien kommst Du doch sicher nach N.? Ich denke so viel an den Frühling, in N. und R. Ostern war es gewiß nett dort!<br />
Vor einem Jahr war unser Empfangstag, wir retteten uns aus dem Besuche machen zu Mamas Geburtstag nach N.! Jetzt bin ich in San Rafael!<br />
Leni, ich will Schluß machen. Die vorgerückte Stunde zaubert diese Schrift aufs Papier, entschuldige, ich konnte durch die Fülle des Stoffs nicht rasch genug schreiben.<br />
Ich wünsche Dir nochmals alles Gute, einen schönen Geburtstag, und schließe Rudus Wünsche hier mit dran, denn er kommt vielleicht nicht zum schreiben, obgleich ich ihn erinnerte, da er zuviel zu tun hat, er ist abends so totmüde. Grüße alle Lieben die gerade um Dich sind und auch Friedrich sehr herzlich. Ich hoffe so, daß seine er sich in seine Arbeit gefunden hat, und er schnell voran kommt.<br />
Viel Liebes von<br />
Deiner Ingrid.<!--more--></p>
<hr />
<p>Ingrid ist, wie wir wissen, schwanger. Nebenbei plagt sie das &#8222;Kolerinchen&#8220;, der Durchfall also. Mir kommt sie in diesem Brief sehr atemlos vor, niedergestreckt von den ganzen neuen Eindrücken, die auf sie einprasseln. Schade, dass die Bilder von dem Haus nicht mehr vorhanden sind!</p>
<p>&#8222;Camilla&#8220; dürfte eine Kaffeesorte sein.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/25a85273f93e41fa9ff436401c9f8e0a" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>08.01.1935: &#8230; mit Dir und Maria auf keinem guten Fuß &#8230; (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/080135/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 22 Aug 2013 10:36:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Hoppla, Weihnachten verpasst. Rudu ist wieder &#8222;drüben&#8220; und es gibt einiges zu berichten: bevorstehende Geburten und Scheidungen, eventuelle Europareisen und irgendwelche Intrigen wegen Richard. La V., 8.I.35 Meine liebe Leni! Du Gute bist schlecht behandelt. Aber noch immer sind wir nicht recht zur Ruhe gekommen. In B. gleich krank, über U. sehr spät, nach Weihnachten, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hoppla, Weihnachten verpasst. Rudu ist wieder &#8222;drüben&#8220; und es gibt einiges zu berichten: bevorstehende Geburten und Scheidungen, eventuelle Europareisen und irgendwelche Intrigen wegen Richard.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La V., 8.I.35</p>
<p>Meine liebe Leni!</p>
<p>Du Gute bist schlecht behandelt. Aber noch immer sind wir nicht recht <span id="more-311"></span>zur Ruhe gekommen. In B. gleich krank, über U. sehr spät, nach Weihnachten, erst hier in V. Alles besehen, Besuche von Nachbarn, Ingrid noch immer ein bischen empfindlich durch das Kleine in Punkto Gesundheit – jedenfalls eine große Unruhe noch, sodaß Schreiben schwierig fiel. Aber ehe die Reise nun morgen nach U. zurückgeht, muß ich Dir noch vor Morgen danken für Deinen langen Brief. Es hat mir so unendlich leid getan, das Unglück von Friedrich und damit auch Deinen Kummer zu hören. Mutter hatte es schon nach B. geschrieben. Die näheren Umstände erfuhr ich aber erst durch Dich und mir ist, als machten die Einzelheiten das ganze doppelt schmerzlich.</p>
<p>Inzwischen wird sich sicher in irgendeiner Weise für Friedrich etwas gefunden haben, jedenfalls glaube ich das annehmen zu können. Im übrigen kann ich nur wünschen, Dir die Daumen drücken, denn irgendwelche Ratschläge von hier aus sind sehr schwer. Friedrich wird bestimmt seinen Weg schon machen, für Dich wird einzig schwer sein der Ablauf der Zeit. Doch kann man da nicht auf irgendeinen glücklichen Umstand hoffen, der Euch hilft? –</p>
<p>An die Eltern schreibst Du über Maria + Werner. Zum Teil wußten wir Bescheid, einzig neu ist, daß Werner sich mit der Schwester seiner ersten Frau zu verheiraten gedenkt. So sagt man hier jedenfalls. Sie soll Geld haben, die Gelder wird er dann verwalten. <span style="text-decoration: line-through;">Achi </span>Durch dies Gerücht wird einem alles verständlicher, sollte es der Wahrheit entsprechen. Denn er wird sich sagen: ehe Maria erbt bin ich ein alter Mann, ich erlebe <span style="text-decoration: underline;">nichts</span> mehr davon. –</p>
<p>Hier ist alles wohlauf. Rugi ist ganz reizend, besonders Ingrid hat ihn an ihr Herz geschlossen, sie spielt den ganzen Tag mit ihm. Ingrid hat leider ziemlich abgenommen und muß sich daher etwas ruhig halten. Sie mag hier zum Glück im Lande gern sein.</p>
<p>Mit Hertha wirklich auf einen herzlichen Fuß zu kommen fällt ihr schwer*. Hertha tut sehr mütterlich, ist so auf sich selbst konzentriert, daß sie sich auf einen anderen nur schwer einstellt. Sie redet selbst so viel, daß sie nicht oft die Zeit findet, noch anderen zuzuhören. Ingrid, schon von Natur andere Menschen im allgemeinen fernhaltend und dazu neigend, sich abzuschließen, tut in einem solchen Falle erst recht den Mund nicht auf. Hertha <span style="text-decoration: underline;">ist</span> der Mittelpunkt und das ist auch gut so, aber sie <span style="text-decoration: underline;">will</span> es auch sein und das gibt Spannungen. Schon wie Hertha Mama hier immer zur „Oma“ macht, zur guten alten ist nur drollig. – Alles das ist so unter der Decke, wir verstehen uns alle sonst sehr gut. Ingrid geht nur sehr ungern wieder fort, denn in La U. erwartet uns einstweilen noch ein ziemliches Durcheinander. Dithmar wird für einige Zeit noch nach Guatemala gehen und in U. + B. wohnen. Von unserem Häuschen bekommst Du Beschreibungen und Bilder sowie es soweit ist. –</p>
<p>Hertha + Achim überlegen sich sehr ihre ihnen von Papa freigestellte Europareise. Mit 2 Kindern, in Murnau kleine Verhältnisse + kein Platz – in N. an Papa etc. angebunden, mit Dir + Maria auf keinem guten Fuß, sodaß sie eigentlich ziemlich allein sich fühlen werden. Denn Mama + Papa sehen sie hier, Eltern P. sind nur verschnupft, wenn H. + Achim nicht dauernd bei ihnen sind. Erholungsbedürftig fühlen sie sich auch nicht – also ein Problem ob oder ob nicht. Die Vertretung hier hapert auch, da Guole heiratet und außerdem auch Greiser gehen will, wenn Guole Oberaufsicht erhält. –</p>
<p>Gespannt bin ich darauf, was Du über Maria + die Zeit der Geburt, Scheidung etc. schreibst. Hoffentlich war die Zeit für Dich nicht so unerfreulich.</p>
<p>Dein Brief kam übrigens spät in meine Hände, weil wir hier erst Ende Dezember einrückten. Er war am 17. Dez. in Huehuetan.</p>
<p>Wie es wohl Albrecht in R. nachher geht. Er wird ja verwöhnt werden. Und wie Ihr wohl Weihnachten feiertet!? Die Nachrichten aus R. sind gut, ich freue mich mit Ing. auf die Post in U.</p>
<p>Leb‘ wohl für heute. Ingrid wird schreiben sowie sie erstmal Wurzeln geschlagen hat. Sie läßt Dich sehr herzlich grüßen, vor allem bubbt Dich aber</p>
<p>Dein Rudu</p>
<p>Grüß Friedrich vielmals. In Angelegenheit Richard herrscht noch Dunkelheit. In Guatemala wird stark mit Intrigen gearbeitet, u. a. wird versucht, daß ihm der Staat Guatemala die Einreise verweigert. Hoffentlich wird noch alles gut. Und Richard + Renate?</p>
<p>*und braucht Zeit.</p>
<hr />
<p>Von Hertha, Rudus und Lenis Schwägerin, habe ich übrigens nie viel Gutes gehört. War wohl eine leicht unentspannte Person. Ihre Eltern scheinen ebenfalls nicht die gechilltesten gewesen zu sein (Stichwort &#8222;verschnupft&#8220;). Rugi, der Sohn von Achim und Hertha, war später oft in Hamburg. Interessant finde ich die Formulierung, dass Ingrid ihn <strong>an</strong> ihr Herz geschlossen hat. Spricht für reichlich Umarmungen!</p>
<p>Was nun genau mit der ältesten Schwester Maria los ist (bevorstehende Geburt und Scheidung), mit Richard und vor allem mit meinem Großvater Friedrich, bleibt leider verborgen. Friedrich ist mit Leni anscheinend bereits verlobt.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/bd1cd99a10044c6e846b5ab6d4f18b7c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>26.12.1932: Du scheinst Dich in Hamburg zu einem richtigen Sumpfhuhn auszubilden (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/261232/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Jul 2013 10:06:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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		<category><![CDATA[weihnachten 1932]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Endlich findet Rudu Zeit, einen langen Brief über seinen Aufenthalt in Guatemala und Mexiko zu verfassen. La V. den 26. Dez. 1932. Liebe Leni! Endlich komme ich dazu, Dir mal wieder einiges zu berichten und Dir voll vor allem noch nachträglich meine herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahr zu senden. Möge Dir Euch weiterhin Deine Beschäftigung [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Endlich findet Rudu Zeit, einen langen Brief über seinen Aufenthalt in Guatemala und Mexiko zu verfassen.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">La V. den 26. Dez. 1932.</p>
<p>Liebe Leni!</p>
<p>Endlich komme ich dazu, Dir mal wieder einiges zu berichten und Dir <del datetime="2013-07-15T09:51:58+00:00">voll</del> vor allem noch nachträglich meine herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahr zu senden. Möge Dir <del datetime="2013-07-15T09:51:58+00:00">Euch</del> weiterhin Deine <span id="more-1907"></span>Beschäftigung Spaß machen und Du darin vorwärts kommen und auch sonst alles nach Wunsch vor sich gehen.<br />
Weißt Du, zum Schreiben hier zu kommen ist wirklich nicht so einfach. Viel unterwegs, mittags ist man faul und es ist dann warm und abends ist es durch all die Herren recht bunt. In diesen Weihnachtstagen ist es etwas besser und ich benutzte diese Gelegenheit.<br />
Zuletzt schrieb ich Dir vom Dampfer „Musa“ und schickte Dir M. 20.- (sie könnten ja unterwegs herausgenommen sein). Ein paar Tage waren wir in Guatemala City, besuchten Antigua, sahen M., W., Ns, G. etc. Dann nach B., wo ich ja leider ein paar Tage mit Malaria im Bett liegen mußte. B. finde ich in der Trockenzeit wunderschön – in der Regenzeit soll es ja außerordentlich feucht sein – und wir hatten es da wirklich sehr schön. Der Koch ist auf der Höhe, es war alles sehr nett gehalten. Ich schlief unten in Deinem Zimmer zuerst, bei der Krankheit oben in B. Mit Papa machte ich eine herrliche Reittour nach San M. und ich hatte ausgiebig Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. In La U. war ich nur einen Tag, da durch die Krankheit schon zu viel Zeit verloren gegangen war, Papa und Achim waren schon vorgereist. Von dort dann über Mariscal nach Tapachula, wo, Du kennst ja den Rummel. Endlos Schwierigkeiten mit den Behörden, &#8211; sie wollten Mama und mich nicht ins Land lassen, wir mußten 1000 Pesos hinterlegen – und dann von Tapachula spät abends noch hinauf nach R. Unangesagt schneiten wir spät in die Geburtstagsfeier der T. hinein, es war uns komisch. Die Anlagen in R. fand ich wunderbar, es macht einen so geschlossenen, übersichtlichen Eindruck. Mama war auch angenehm überrascht über die Veränderungen im Haus, Olga scheint sich sehr viel Mühe gegeben zu haben. Im allgemeinen ist man hier ja ziemlich schlecht auf sie zu sprechen.<br />
In Vio ist es ja einfach fabelhaft, hier kann man es wirklich aushalten. Herthas gemütliches Heim, die schöne O. C., die netten Herren, durch die immer etwas Betrieb in die Bude kommt, Rugi, der alle durch seine Lebendigkeit erfreut – kurz, man mag hier sein. Von den kleineren Fincas wie Ch., N. kann ich ja nicht gerade sagen, dass [ich] dort allzulange meine Zelte aufschlagen möchte. Man ist doch auf die Dauer zu allein, besonders als Junggeselle. Doch wenn man viel zu tun hat, wird man das ja wohl garnicht so merken.<br />
Die Weihnachtsfeier [war] wirklich sehr nett. Ein fabelhaftes Essen, ein wunderhübsches Weihnachtsbäumchen ließen einen fast vergessen, daß man in den Tropen war und auf das schöne Winterwetter verzichten muss. Die Wärme kann ich sehr gut vertragen, mir ist es selten zu warm. Morgen früh mehr.<br />
27. Dez.<br />
Eben habe ich einen schicken Ritt hinter mir auf Richards Pferd, auf dem ich zu gern reite. Es ist so wunderbar flott unter anderen Vergnügen, das Getrotte des Mulas geht mir auf die Dauer gegen den Strich. Dabei habe ich in Ch. Grolli besucht, den ich sehr gern mag.<br />
Kurz nach Neujahr gehen wir wahrscheinlich wieder nach B.; Achim muß wohl hierbleiben, da Richard nach Mexiko City fährt um ein paar Tage zu bummeln.<br />
Rugi ist mir immer reizend. Neuerdings verschärft sich nur enorm sein Bock. Hertha wird noch manchen Tanz mit ihm haben. Mit Deiner Eisenbahn spielt er rührend.<br />
Deine Briefe werden von den Eltern immer sehr erfreut aufgenommen und besonders interessierte u. a., was Du über R. schriebst, haben wir doch bis dahin keine einzige Zeile von dort. Es ist wirklich unerhört, daß Maria es nicht fertig bringt, an Mama zu schreiben. Wenn Mama mit ihr zusammen ist, kommt Maria doch mit jedem Dreck zu ihr gelaufen und ist noch gerekt [?], wenn man Werner nicht genügend besucht. Doch das alles ist ja ein Schwanz ohne Ende.<br />
Na, Du scheinst Dich in Hbg. zu einem richtigen Sumpfhuhn auszubilden. Ich freue mich für Dich, daß Du mal ordentlich wie grad Leutchen triffst, Du allerlei mitmachst. Dein Brief an Hertha ist von mir gelesen, hoffentlich ist es Dir recht.<br />
Mit Hertha hatte ich einen langen Klöhn über Dich. Näheres wollen wir mündlich mal besprechen, denn nach meinem Dafürhalten bist Du so vernünftig, daß man nicht in Sorge zu sein braucht. Es handelt sich nicht um Deine Gesundheit, wie ein bischen kurzer Schlaf etc., sondern darum, ob Du unter den vielen Möglichkeiten, die Dir dort in Hbg. geboten werden, immer die Richtige triffst, ob Du unter den vielen Menschen Dich an die richtigen anschließt. Es ist schwer, das alles brieflich auszudrücken. Jedenfalls must Du genügend Zeit und genügend Sammlung aufbringen um mit Menschen, die Dir etwas geben können und Dich weiterbringen[,] nette Theaterstücke, gute Vorträge anzuhören. Es ist für Dich nicht leicht, da immer selbst das Richtige auszusuchen – dazu gehört Übung und Erfahrung – man muß in diesen Dingen am Anfang angeleitet werden. Vorzüglich ist in diesen Dingen Klaus, der immer irgendetwas gutes weiß und ein sicheres Urteil hat. Doch, wie gesagt, ich glaube bestimmt, daß Du allein den richtigen Weg hierin findest und Du nicht jeden Abend mit affigen Hamburgern leeres Geschwätze machst. So, Schluß damit und für diesmal auch mit unserem Klöhn, ich will Dir bald wieder berichten.<br />
Grüße von den Eltern und den sonstigen Familienmitgliedern. Grüß Du bitte Gerhard und Dittmar, nicht zu vergessen Clär und John.<br />
Einen dicken sehr lieben Bubben, liebe Leni,<br />
von Deinem Rudu</p>
<hr />
<p>Die Sorge von Rudu, dass seine kleine Schwester ihre Zeit mit &#8222;affigen Hamburgen&#8220; vergeuden könnte, finde ich fast rührend, obwohl ich mich natürlich gleichzeitig für das mangelnde Vertrauen in mein Urteilsvermögen bedanken würde. Vor allem, wenn das dann auch noch mit der Schwägerin betratscht wird!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/167a542f1eab4d3ca74de18d7f006cde" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>07.12.1932: Wirklich wahnsinnig wirkende Mittel (Rudu)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jul 2013 10:51:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rudu ist nach Amerika geflogen, wohl um die Ländereien von Papa und Guatemala im Allgemeinen zu besichtigen. Stattdessen wird er erstmal krank. El B., 7. Dez. 32. Liebe Leni – hoffentlich nicht zu spät sende ich Dir meine herzlichsten Weihnachtsgrüße mit dem Wunsch, daß Du die Tage so vergnügt und munter, wie irgend möglich verbringst. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/071232/">07.12.1932: Wirklich wahnsinnig wirkende Mittel (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Rudu ist nach Amerika geflogen, wohl um die Ländereien von Papa und Guatemala im Allgemeinen zu besichtigen. Stattdessen wird er erstmal krank.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">El B., 7. Dez. 32.</p>
<p>Liebe Leni –</p>
<p>hoffentlich nicht zu spät sende ich Dir meine herzlichsten Weihnachtsgrüße mit dem Wunsch, daß <span id="more-1906"></span>Du die Tage so vergnügt und munter, wie irgend möglich verbringst. Du bist ja Dein eigener Herr, man kann sich die Tage dann schon sehr nett gestalten.</p>
<p>Ich wollte Dir schon eher schreiben, aber mir ging es schon lange nicht gut. Am 22. kamen wir hier auf der Finca an. Am 23. war Papas Geburtstag und am 24. <span style="text-decoration: line-through;">ging</span> ritt ich mit ihm nach San M. und seit unserer Rückkehr am 26. fühlte ich mich nicht auf dem Damm. Man vermutet ja gleich den Magen und still für mich nahm ich gut wirkende Mittel. Endlich hatte ich solch Fieber, daß ich im Bett bleiben mußte, worauf Papa die Sache in die Hand nahm und mir Ricinus gab. Als auch das nichts nützte – ich hatte über 39° &#8211; kam Dr. A., der es auch noch mit einem wirklich wahnsinnig wirkenden Mittel versuchte. Nachdem ich so fast eine ganze Woche Abführmittel bekommen hatte – bis fast nichts mehr von mir übrig blieb – wurde dann festgestellt, daß es wohl Malaria ist, ich bekam 2 Einspritzungen und die Sache ist gut. Ich bin jetzt wieder auf, nur noch ein bischen matt. Dr. A. war wirklich sehr nett und scheint sehr tüchtig zu sein. Morgen geht es nach U., wo Papa schon seit Tagen ist und traurig ist, daß ich nicht mitkonnte, und übermorgen geht es nach Tapachula.</p>
<p>In Guatemala City waren wir ein paar Tage und besuchten auch Dr. G. Der erzählte ulkige Dinge von Dir und wir schrieben Dir eine Karte. Sehr nett war auch der Tag in Antigua.</p>
<p>Hier gab es natürlich zuerst unglaublich viel zu sehen und durch meine Krankheit bin ich natürlich nicht genügend hinausgekommen. Ich werde es nachholen, wenn wir hier in den nächsten Monaten noch einmal herkommen werden. Von La V. aus werde ich Dir näheres berichten.</p>
<p>Wie Du wohl bei B. Dich fühlst?? Wie es wohl in R. mit Oma[,] Maria, Werner + dem Kuh Elend gehen mag?? Wir sind sehr gespannt von Dir zu hören.</p>
<p>Von Herzen wünsche ich Dir nochmals, liebe Leni, eine recht vorzügliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Neue-Jahr.</p>
<p>Grüß alle, besonders Klaus, Günter, Ingrid wenn Du sie siehst.</p>
<p>Einen lieben O</p>
<p>von Deinem</p>
<p>Rudu.</p>
<hr />
<p>Der Arme! Eine Woche unbehandelte Malaria und dann auch noch Abführmittel, das klingt nicht nach Spaß!</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/28e88dc35ab248ce9c7be59449e26ddc" alt="" width="1" height="1" /></p>
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