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	<title>bremer gesellschaft Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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	<title>bremer gesellschaft Archive - Textfuss - Gesa Füßle</title>
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		<title>11.03.1933: Mir liegt sie ganz eklig im Magen. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/110333/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jul 2013 08:10:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[30er]]></category>
		<category><![CDATA[bremer gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[fremdenzimmer]]></category>
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		<category><![CDATA[schlechtes papier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Richtig sortiert ergeben die Briefe durchaus mehr Sinn. Wer den falsch einsortierten Brief schon gelesen hat, weiß, wie Lenis Entscheidung ausfallen wird. Was Richard wohl angestellt hat? V., den 11. März [1933] Liebe Leni! Hab Dank für Deinen lieben Brief. Ich kann mir gut denken, wie schwer es ist, all die Zeit zum Schreiben zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Richtig sortiert ergeben die Briefe durchaus mehr Sinn. Wer <a href="https://www.textfuss.de/061233/">den falsch einsortierten Brief</a> schon gelesen hat, weiß, wie Lenis Entscheidung ausfallen wird. Was Richard wohl angestellt hat?</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">V., den 11. März [1933]</p>
<p>Liebe Leni!</p>
<p>Hab Dank für Deinen lieben Brief. Ich kann mir gut denken, wie <span id="more-1910"></span>schwer es ist, all die Zeit zum Schreiben zu finden, ergeht es mir hier doch nicht anders. Man will so manche Verbindung nicht fallen lassen und gibt sich Mühe, die freie Zeit nicht Bridge zu spielen oder zu lesen, sondern sich an den Schreibtisch zu setzen. Doch gelingt dieser Vorsatz ja nur selten.</p>
<p>In diesen Tagen entscheidest Du über Deine künftige Tätigkeit und ich bin sehr gespannt, wozu Du Dich entschließt. Heute soll an ein Telegramm ein paar Worte an Dich hinzugefügt werden, dahingehend, daß Du Punkto Leipzig freie Hand hast. Nach meinem Dafürhalten ist es wichtig, daß Du Dir eine gewisse Unabhängigkeit erringst und da Dir die augenblickliche Tätigkeit doch Freude macht, solltest Du sie nach meinem Dafürhalten fortführen und zu einem gewissen Abschluß zu kommen trachten. Es ist sicher nicht leicht für Dich, auf alles zu verzichten was Dir der Sommer zusammen mit den Eltern geben kann, doch Du mußt bedenken, daß Du im nächsten Herbst wieder vor der Frage stehst, „was fange ich an“, wenn Du Dich jetzt nicht entschließt, die Sache fortzuführen.</p>
<p>Ein Jahr ist ja so schnell herum. Und bedenke auch folgendes: Mama wird im kommenden Jahr immer seltener Papa begleiten können. Solange Du noch nicht verheiratet bist – was ja eines Tages sicher eintritt – könntest Du zusammen mit Mama in Hamburg sein und hättest dabei eine positive Tätigkeit, würdest nicht zu Hause sitzen. Papa hat ziemlich fest vor, das R. Haus für längere Jahre abzugeben und den Hausstand aufzugeben. Die Eltern würden dann eine kleinere Wohnung in Hamburg nötig haben.</p>
<p>An Selbstständigkeit fehlt es Dir ja nicht. Aber immerhin, eine andere Umgebung, ein Sich-durchsetzen in einer fremden Stadt würden Dir unbedingt gut tun. Man muß sich selbst etwas zutrauen können, um unbefangen und sicher dazustehen; und nichts ist so günstig hierfür, als das, daß man mal auf eigenen Füßen gestanden hat.</p>
<p>Die Zeit in Leipzig ist unbedingt anstrengend, doch wenn Du vernünftig bist, wirst Du es gut leisten können. Näheres kannst Du ja leicht von Erica erfahren.</p>
<p>Ich will in diesen Tagen an Herrn von B. schreiben und ihm Dein evtl. Kommen avisieren. Mir schwebt auch folgendes vor: B.s haben oft in letzter Zeit einen Hausgast, zahlend, bei sich gehabt. Es wäre ja evtl. gar nicht so übel, Du würdest bei ihnen wohnen. B. selbst kennst Du ja, <span style="text-decoration: line-through;">ein</span> er ist durchaus ein netter Mann. Auch mit ihr würdest Du sicher auskommen – Erica konnte sie (Akkusativ) zwar nicht leiden  _ _ _</p>
<p>Zum mindesten kannst Du <span style="text-decoration: underline;">erstmal</span> bei B.s wohnen, wenn sie ihr Fremdenzimmer frei haben. Wenn es Dir dort nicht gefällt oder B.s Dich <span style="text-decoration: line-through;">auf</span> für das ganze Jahr nicht aufnehmen können oder wollen, kannst Du Dir ja von dort aus ein Zimmer suchen. Leider habe ich sonst niemanden, an den ich Dich empfehlen kann. Evtl. wenn ich in Deutschland wieder bin. –</p>
<p>Na, so oder so, Du wirst schon das Richtige wählen! Persönlich würde ich für Dich das Jahr in Leipzig sehr begrüßen und habe hier auch dementsprechend auf die Eltern eingewirkt, damit sie Dir nichts in den Weg legen. Du fehlst ihnen natürlich sehr in N.</p>
<p>Hier hat sich in letzter Zeit ganz viel ereignet. Nach einer Unmenge von Complicationen, Ärger, Tränen und sonstigen Gleichgewichtsstörungen ist die Episode fürs erste zu Ende. Äußerlich in Erscheinung tretend durch Richards Abreise. Schriftlich Dir die Dinge zu erzählen dürfte unmöglich sein, Du würdest doch ein falsches Bild bekommen. Erwähnen will ich es aber, weil Du zum Teil mit hineingezogen bist durch Deine Zeit hier im vorigen Jahr (siehe S. und Richard) und es jetzt darauf ankommt, daß Du draußen bleibst, d. h. daß Du bei Richards Ankunft + Aufenthalt in Hamburg und Umgegend alles Unnötige vermeidest.  Soviel ich weiß und annehme, hast Du im Punkto Richard keine <span style="text-decoration: underline;">ernsten</span> Ziele und so vermeide bitte alles, sei freundlich, aber halte Distanz! Wenn Du nachher mündlich von mir hörst, wirst Du mir unbedingt recht geben. Es sind viele Gefühlspunkte die Vorsicht erfordern. Zur Beruhigung will ich Dir sagen, daß auf Richard kein Schatten gefallen ist, wir ihn alle sehr gern mögen und besonders ich ihn sehr schätzen gelernt habe. –</p>
<p><i>[Am Rand notiert:]</i> Tu mir einen Gefallen und versuche nicht, aus Richard irgendetwas herauszuholen. Es würde ganz verkehrt sein und weitere Unordnung bringen!</p>
<p>Von Ingrid hatte ich in diesen Tagen Post und bin ganz traurig, daß sie schon wieder krank war. Vielleicht hast Du sie wieder so rührend besucht, wie Du es damals tatst. Ich fand das wirklich zu nett von Dir. Von M. [Ort in Norddeutschland] hat sie ja nun bitterwenig gehabt, wenn sie sich nun doch entschließt, die Schule Ostern zu verlassen. Na, Hauptsache ist ja, daß sie nun erstmal wieder ganz gesund wird.</p>
<p>12.III.</p>
<p>Heute ist Hertha und Achims Hochzeitstag, eine festliche Begehung ist heute nachmittag zum Cafe bei den Eltern im neuen Haus geplant.</p>
<p>Was Du von Maria schreibst ist ja sehr unerfreulich, man kann es sich vorstellen. Daß Omas Eigenarten allmählich derartig störend sind ist traurig.</p>
<p>Wann wir wieder zurückreisen ist noch unbestimmt, ich hoffe nicht zu spät, damit ich Zeit für meine Arbeit habe. Mir liegt sie ganz eklig im Magen.</p>
<p>Von Renate wird Hertha Dir wohl schreiben. Sonst ist alles beim Alten, mündlich werde ich Dir ja in nicht allzu langer Zeit mehr berichten können.</p>
<p>Sei innigst gebubbt</p>
<p>liebe Leni,</p>
<p>von Deinem</p>
<p>Rudu.</p>
<p>Hoffentlich kannst Du alles lesen. Da das Papier so schlecht ist, habe ich es nur einseitig beschrieben. – Einliegend sende ich Dir die Bremer-Gesellschafts-Beitrag Aufforderung zurück. Erkundige Dich bitte bei Klaus oder Günter was und an wen zu zahlen ist und bitte Frl. R. den Betrag zu überweisen. Vielen Dank.</p>
<hr />
<p>Diese Sauklaue auf das schlechte Papier zu schieben, ist schon ein starkes Stück. Die anderen Briefe sehen keineswegs besser aus.</p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/1f864a34161745cf9702fb9d8fe97192" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>17.02.1929: Grund: es gibt zuviel Hornochsen. (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/170229/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 May 2013 08:43:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[bremer gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DAZ]]></category>
		<category><![CDATA[fotoapparat]]></category>
		<category><![CDATA[kalter winter]]></category>
		<category><![CDATA[kassette]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von regem Briefverkehr zwischen Leni und Rudolf kann man wahrlich nicht sprechen. Immerhin ist seit seinem letzten Brief diesmal &#8222;nur&#8220; ein Dreivierteljahr vergangen. Rudolf ist 21, Leni 19. Berlin, den 17. Februar 29. Meine liebe kleine Leni, Du bist vielleicht erstaunt, so schnell auf Deinen Brief eine Antwort zu haben, doch ich glaube , ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Von regem Briefverkehr zwischen Leni und Rudolf kann man wahrlich nicht sprechen. Immerhin ist seit seinem letzten Brief diesmal &#8222;nur&#8220; ein Dreivierteljahr vergangen. Rudolf ist 21, Leni 19.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Berlin, den 17. Februar 29.</p>
<p>Meine liebe kleine Leni,</p>
<p>Du bist vielleicht erstaunt, so schnell auf Deinen Brief eine Antwort zu haben, doch <span id="more-1893"></span>ich glaube , ich kann Dir nicht besser meine Freude über Deine Zeilen ausdrücken. Sie waren sehr lieb!<br />
Doch nicht allein der liebe, zart durch klingende Unterton hat mich so erfreut, der Inhalt war auch so riesig vernünftig. Nicht daß ich es Dir nicht zugetraut hätte, doch diese geschriebenen Worte sind ein Beweis, den ich zuvor nicht nötig hatte, doch gegen den alles sonstige Gerede jetzt purer Unsinn ist. Eng hiermit verbunden, ist noch etwas zu erwähnen: stilistisch war es eine Freude ihn zu lesen. Was soll ich hiernach noch lange von Dank reden!<br />
Ein Besuch von Dir hier wäre natürlich sehr edel. Such Dir nette Tage aus. Du sagst, Du liest Zeitung, welche Zeitung – hoffentlich die „DAZ“ – und welchen Teil daraus? Teilnahme an den Ereignissen des Tages finde ich sehr empfehlenswert auch für Euch. Schade, dass gesellschaftlich bei Euch nicht viel los ist! Ich habe es mir manchmal überlegt, wie gut es für Dich wäre, eine Tanzstunde mal in Hamburg mitzumachen wie ich damals bei Knoll. Von nichts kommt nichts.<br />
Bei dieser Gelegenheit ist es gegeben festzustellen, wie gut ich es hier in dieser Beziehung habe, zwar erst seit kurzem. Näher darauf einzugehen ist schriftlich schwer, da man dann kein Ende finden würde und der Empfänger der Zeilen sich doch zum Schluß kein richtiges Bild machen kann, da er – eben nicht dabei war. Zu erwähnen wäre nur die Wirkung bei mir. Eine gewisse Unsicherheit beginnt langsam zu schwinden – es wird bald Zeit – bewirkt durch einigen Erfolg. Sollte etwas Illusion mitspielen, so macht es nichts.<br />
Die Kälte ist natürlich sehr übel. Heute morgen erhielt ich einen Bericht aus N., wo sie immer noch Unheil anrichtet. Die Wasserleitung zu G.s Wohnung + Garage ist in der Erde eingefroren, an bestimmten Orten frieren wesentliche Einrichtungen, auf deutsch Klosetts entzwei (bei B.) Ein Ferkel krepiert, das lebendbleibende Viehzeug friert, Frühbeete können nicht angelegt werden etc. p p. Nur unserem Wild scheint es bei Papas rührender Vorsorge relativ gut zu gehen. Mitte kommender Woche werde ich wahrscheinlich dorthin pendeln. Ich habe nun eine Bitte. <span style="text-decoration: underline;">Irgendwo</span> in meinem Zimmer wirst Du meinen Fotoapparat finden. Meinen Kommodenschlüssel lege ich bei. M. schreibt, es sei vorzügliche Gelegenheit, Wild zu typen. Sei also bitte so freundlich + schicke mir <span style="text-decoration: underline;">gut</span> <span style="text-decoration: underline;">verpackt</span> [<em>Am Rand notiert:</em> Etwas Holzwolle drumrum?]<i> </i>den Apparat im Etui – also mit der Kassette, die hoffentlich dabei ist – nach N. Außerdem einen Filmpack 10 x 15 von Mühlmann, Mama legt wohl die ca. M. 6.- für mich aus. Die Kassette darfst Du nicht öffnen, da ein Film noch drin ist. Wenn Du zu schicken beabsichtigst, schieb nicht <del>zu</del> <del>lange</del> auf, da ich Donnerstag [voraussichtlich<em>?</em> <em>– unleserlich abgekürztes Wort</em>] schon in N. bin.<br />
Die Nachricht von drüben ist erfreulich. Was die nächsten Wochen wohl bringen? _ _ _ _ ?<br />
Ich möchte meine Epistel beenden, ich hab noch eine Menge zu schreiben. Unter anderem nimmt die B.G. („Bremer Gesellschaft“) mich wieder in Anspruch, Grund: es gibt zuviel Hornochsen.</p>
<p>Einen herzlichen Bruderkuß<br />
von Deinem<br />
Rudolf.</p>
<p><em>Ist das nun ein herzlicher Bruderbrief oder interpretiere ich zu viel rein, wenn ich ihn ein wenig herablassend finde? Es würde mich sehr interessieren, wie Ihr das seht. Leni hat die Schule nach der mittleren Reife verlassen und arbeitete zumindest später in einer Bücherei. Ob sie das zu diesem Zeitpunkt auch schon tat, weiß ich nicht &#8211; auch meine verlässliche Quelle kann mir die Frage nicht beantworten. </em></p>
<p><em>Rudolf freut sich über seine schwindende Unsicherheit, das finde ich sehr nett. Und Leni soll also die DAZ lesen &#8211; die Deutsche Allgemeine Zeitung. Anscheinend zu dem Zeitpunkt ein rechtskonservatives, antirepublikanisches Blatt. Immerhin keine Nazi-Zeitung. Konservativ &#8211; ja. Doch. Das wundert mich so gar nicht. Der Winter 1928/29 war offenbar ähnlich ätzend wie unserer dieses Jahr, auch wenn bei uns keine &#8222;wesentlichen Einrichtungen&#8220; entzweigefroren sind.  Und kann mir jemand sagen, was &#8222;Wild typen&#8220; bedeuten könnte? Typisieren? </em></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/68e194d774af493990d5a6f96b36cdc6" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>05.05.1928: Ich bin in dieser Beziehung auf schwachen Füßen. (Rudu)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2013 12:32:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[bagatellen]]></category>
		<category><![CDATA[bremer gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[briefe]]></category>
		<category><![CDATA[fotos]]></category>
		<category><![CDATA[hauptbahnhof]]></category>
		<category><![CDATA[präsidiumsposten]]></category>
		<category><![CDATA[schulden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leider sind bei den handschriftlichen Briefen die Antworten nicht vorhanden, daher gibt es keine Antwort von Leni. Fast ein Jahr ist seit dem letzten Brief von Rudolf vergangen. Freiburg den 5. Mai 1928 Meine liebe kleine Leni, lange hatte ich vor, dir für deinen lieben Brief zu danken, ich hatte jedoch immer riesig viel zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Leider sind bei den handschriftlichen Briefen die Antworten nicht vorhanden, daher gibt es keine Antwort von Leni. Fast ein Jahr ist seit dem letzten Brief von Rudolf vergangen.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Freiburg den 5. Mai 1928</p>
<p>Meine liebe kleine Leni,</p>
<p>lange hatte ich vor, dir für deinen lieben Brief zu danken, ich hatte jedoch <span id="more-1891"></span>immer riesig viel zu tun mit B. G.-(Bremer Gesellschaft) Angelegenheiten.</p>
<p>Einliegend sende ich dir einige Fotos – es sind noch nicht alle, die übrigen sende ich dir im nächsten Brief. Ich habe vor, mir ein extra Album für diese Bilder anzulegen, Ulles und Herrmanns Fotos kommen ja noch hinzu. Von Herrmann erwarte ich täglich einen Brief, Renate kündigte ihn mir schon vor einer Woche an. Einen Rohabdruck wirst du in den nächsten Tagen in einem extra Umschlag erhalten. Noch weiß ich nicht, welchen ich dir schicke, die Ansichten gingen über die Bilder sehr auseinander. Die Schulden, die du bei mir hast, weiß ich garnicht genau, ich glaube M. 27.- Die Fotos möchte ich dir so überreichen. Wie war es übrigens mit der einen Bahnfahrt? Mir wäre es sehr lieb, wenn du dich hierzu äußern würdest, denn ich bin in dieser Beziehung auf schwachen Füßen. Kolleggelder, neuer Anzug etc!</p>
<p>Etwas sehr erfreuliches für mich ist hier inzwischen vor sich gegangen, Wolf ist von Genf nach Freiburg übergesiedelt. Die Gründe liegen auf sehr verschiedenen Gebieten, eine Tatsache ist jetzt, daß jeder von uns eine mitfühlende Seele hat, und das ist ja kolossal viel wert. Zum Glück komme ich in letzter Zeit nicht so viel dazu, mich mit mir selber zu beschäftigen, ich kann nicht dafür einstehen, daß ich dann nicht mal eines Tages in W. auf dem Hauptbahnhof landen würde. So muß ich aber in diesen Wochen mich eifrig um den Nachwuchs der B. G. bekümmern, was teils ganz viel Spaß macht und wodurch man recht viel lernt. Das, was der Präsidiumsposten überhaupt mit sich bringt, wie Verantwortung, disponieren[,] Reden halten etc. tut mir außerordentlich gut. Nach den einzig dastehenden Tagen in N. gehe ich auch an diese Sachen mit der nötigen Ruhe, denn es sind ja doch letzten Endes im Vergleich dazu Bagatellen.</p>
<p>Von Günter habe ich in diesen Tagen einen langen Brief aus München. Er berichtet von seinem letzten Besuch in W. Um mit Herrmanns Ausdruck zu reden, scheint Renate mit ihm noch mal ordentlich Schlitten gefahren zu sein. Ulle schrieb geknickt aus Köln, die Arbeit nach <span style="text-decoration: underline;">den</span> Tagen wird auch ihm ziemlich sauer.</p>
<p>Zu den Pfingstferien komme ich nicht nach Haus 1) weil es mir zu teuer wird und 2.) weil ich endlich mal in die Schweiz fahren muß. Auf der anderen Seite wird es mir natürlich sehr schwer nicht zu fahren, doch in diesem Falle heißt es mal vernünftig sein. Im Juni komme ich sicher zur Ankunft der Eltern.</p>
<p>Für heute mag’s genug sein.</p>
<p>Dir, liebe Leni, gibt einen brüderlich zärtlichen Kuß</p>
<p>Dein Rudolf.</p>
<p>Es sind übrigens doch alle Fotos!</p>
<p><em>Bei W. handelt es sich um einen kleinen Ort in Norddeutschland, der mir wohlbekannt ist. Dass Rudolf ausgerechnet in diesem Ort von &#8222;Hauptbahnhof&#8220; spricht, finde ich recht amüsant. Insgesamt scheint Rudolf von Heimweh geplagt zu sein. Seine Verbindung hält ihn jedenfalls beschäftigt, was man von seinem Studium wohl eher nicht behaupten kann. Leider weiß ich nicht, was in N. (dem zweiten Wohnsitz der Familie) vorgefallen ist, das alles andere im Vergleich als Bagatellen erscheinen lässt. </em><em>Was Lenis Schulden angeht, finde ich bei Wikipedia den Hinweis, dass 1929 (1928 ist nicht angegeben) eine Reichsmark etwa 3,10 Euro entsprach. Damit lägen ihre Schulden immerhin bei rund 84 Euro. Gar nicht so wenig! Was sie sich davon wohl gekauft hat?</em></p>
<p><em>&#8211; Anruf meines Vaters: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist Leni von dem Geld ins Kino gegangen. Wobei da noch reichlich Geld übrig geblieben sein dürfte. Das Rätsel ist also noch nicht ganz gelöst.</em></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/6a336389af654dfbb3864d772fc4fe8c" alt="" width="1" height="1" /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>24.05.1927: &#8222;vorzüglich, ausgezeichnet, wunderbar, es geht mir besser, fabelhaft!&#8220; (Rudu)</title>
		<link>https://www.textfuss.de/240527/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[leitzordner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2013 12:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe]]></category>
		<category><![CDATA[bremer gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[flug]]></category>
		<category><![CDATA[freiburg]]></category>
		<category><![CDATA[sauschrift]]></category>
		<category><![CDATA[universität]]></category>
		<category><![CDATA[verbindung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das ist er, der erste Brief in dem dicken Ordner. Er stammt vom Bruder meiner Großmutter, der zu diesem Zeitpunkt offenbar gerade sein Studium in Freiburg begonnen hatte. Die Rechtschreibung ist seine &#8211; offensichtlich fehlende Stückchen habe ich ergänzt, Zeichensetzung übernommen. Freiburg den 24. Mai 1927. Meine liebe Leni, wir haben so lange nichts mehr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/240527/">24.05.1927: &#8222;vorzüglich, ausgezeichnet, wunderbar, es geht mir besser, fabelhaft!&#8220; (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist er, der erste Brief in dem dicken Ordner. Er stammt vom Bruder meiner Großmutter, der zu diesem Zeitpunkt offenbar gerade sein Studium in Freiburg begonnen hatte. Die Rechtschreibung ist seine &#8211; offensichtlich fehlende Stückchen habe ich ergänzt, Zeichensetzung übernommen.</p>
<hr />
<p style="text-align: right;">Freiburg den 24. Mai 1927.</p>
<p>Meine liebe Leni,</p>
<p>wir haben so lange nichts mehr voneinander gehört, daß es jetzt höchst an der Zeit ist, daß ich mich mal wieder hinsetze und dir einiges berichte. – Vielleicht hast du schon<span id="more-1890"></span> durch Mama gehört, daß ich in meinen Pfingstferien nach Gastein fuhr. Gestern entschloß ich mich dazu, mit dem Flugzeug nach München zu fliegen und von dort mit der Bahn weiter. Wenn ich mit der Bahn fahren würde müßte ich in München übernachten. In Gastein wird W. auch Pfingsten über sein, es werden also sicher nette Tage werden. Im übrigen geht es mir natürlich „vorzüglich, ausgezeichnet, wunderbar, es geht mir besser, fabelhaft!“</p>
<p>Dies ist eine Stelle aus einem Tanzlied das wir ab und zu abends in einer Tanzdiele hören, wenn [wir] nicht gerade den Abend in einem Kino sind. Morgends stehe ich regelmäßig um H 8 Uhr auf, da ich um neun in der Universität sein muss. Dies ist an meinem Tageslauf das einzig regelmäßige außer dem Mittagessen um 1. Die Hauptsorge kommt nämlich jetzt erst: ich bin in eine Verbindung eingetreten! Ich fand hier eine die ganz nach meinem Geschmack ist. Wir sind nur wenig, augenblicklich sieben. Die Verbindung heißt die „Bremer Gesellschaft“, wie schon der Name sagt sind es meist Bremer, augenblicklich auch ganz viel Hamburger und Bremer. Die gefallen mir alle recht nett, jedenfalls ist keiner darunter, den ich absolut nicht ausstehen kann. Farben tragen wir nicht, lehnen alles äußerliche ab.</p>
<p>Ich habe bei diesem wichtigen Entschlusse, dem Eintritt in diese Verbindung öfter an Herrn P. denken müssen, hatte er mir doch den sehr richtigen Rat gegeben, mir den Rummel erst ein Vierteljahr anzusehen. Doch hier in diesem Falle konnte ich die Folgen des Schrittes so genau übersehen, es lagen so geringe Bedenken vor, daß ich es wohl verantworten kann. Um den Geist dieser Verbindung dir etwas zu veranschaulichen ist zu erwähnen daß nicht „gekeilt“ wird, also niemand überredet wird, der Gesellschaft beizutreten. Einzig und allein der ganze Ton, der Geist der Verbindung soll werben, dadurch treten natürlich auch nur die der Verbindung bei, die dieses „Geistes[&#8222;] eines Hauchs verspüren und sich angezogen fühlen.</p>
<p>Aus Hamburg ist dabei ein B., den ich sehr gern mag, ein Herr M., Sohn von dem Frauenarzt und <span style="text-decoration: underline;">vielleicht</span> kommt jetzt noch ein S. zu uns. Zu früheren Semestern waren auch bekannte Hamburger aktiv in Bremer Gesellschaft.</p>
<p>Meine Sauschrift musst du entschuldigen! Ich habe mir einen neuen Federhalter zugelegt, da der alte nicht mehr leserliche Schrift hervorrief, über die sich Frau Dr. F. beklagte.</p>
<p>Mamsell hat sich eine Rippe gebrochen, hörte ich von Mama. Wünsch ihr gute Besserung! Grüß Oma recht herzlich und dem Fili gib einen freundschaftlichen Puff. Herzliche Grüße natürlich besonders an Gerda, meine liebe Femi und an Renate, Ibeth, Max, Alfred, L., Andreas, u.s.w. u.s.f. Auch dein Freund, das Barönchen bitte nicht zu vergessen.</p>
<p>Dir einen lieben Kuß</p>
<p>von Deinem <span style="text-decoration: underline;">Rudolf</span></p>
<p>Gelegentlich schick mir mal meine Zeitungen!</p>
<p><em>Da schreibt also ein 20-Jähriger seiner 18-jährigen Schwester und rechtfertigt sich für den Eintritt in eine Verbindung. Ich hätte immer gedacht, dass so etwas damals quasi dazugehörte. Wieder was gelernt. Hingegen hätte ich nicht gedacht, dass man mal eben nach München geflogen wäre. Ab Freiburg! </em></p>
<p><em>Ausgesprochen nett finde ich, dass Rudolf für seine Sauklaue um Entschuldigung bittet, denn ich hatte wahrlich meine Probleme mit diesem handschriftlichen (und wir reden hier von Sütterlin!) Brief. Ich fürchte nur, seine Schrift wird sich in den folgenden Jahren nicht wesentlich bessern. </em></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/4379df65685c4e4e92f44ac71fdc2a8d" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.textfuss.de/240527/">24.05.1927: &#8222;vorzüglich, ausgezeichnet, wunderbar, es geht mir besser, fabelhaft!&#8220; (Rudu)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.textfuss.de">Textfuss - Gesa Füßle</a>.</p>
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